Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1904)
- Date
- 1904-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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136 Höxter als Seelsorger die Führung der Gemeinde übernahm, da war er, wie der Vorsitzende mit Emphase bestätigte, als sei der Verein zu neuem Leben erwacht. Und von da ab ging es immer bergauf, so daß der Verein heute, dank der Mitarbeiterschaft noch weiterer, wirklich treu ergebener Männer, eine Veste des orthodoxen Judenthums bildet, die jeglicher Gefahr und jedem Sturmesdräuen siegreich Stand bieten wird. — In einem an Schönheiten reichen Prologe, verfaßt und vorgetragen von Herrn Halevy, wurden die Tendenzen des Vereins auf's Beste entwickelt und dargelegt. und hierauf bestieg Herr Rabbiner Höxter das Podium, um die Festrede zur Weihe des Ehrentages des Vereins zu Kalten. In rhetorischer Beziehung hat sich Herr Rabbiner Höxter seit Langem einen ausgezeichneten und wohlverdienten Ruf erworben, aber' gerade die Rede, die er an diesem Festesabend seinen äußerst gespannt lauschenden Zuhörern darbot, war eine Glanzleistung in des Wortes bester Bedeutung, die denn auch zu einer mächtigen, sichtbar aus dankbarem Herzen quellenden Beifallskundgebung Veranlassung gab. Gesangsvorträge der talentirten und stimmbegabten Konzertsängerm Frau Rosa D e m b i tz e r, sowie die des Herrn Oberkontors D e m b i tz e r, welche sich der Festrede würdig anschloffen, boten einen rechten Genuß und befriedigten die Zuhörer in vollstem Maße. — Recht originell waren auch die humoristischen Vorträge des Herrn R o s e n t h a l, welche ebenfalls dankbar ausgenommen wurden. Diverse Ansprachen auf das Festkomitee, die anwesenden Damen etc. füllten angenehm die Kaffepause ans. die mit dem Eingangs erwähnten, von einem Mitgliede des Vereins verfaßten Tafelliede.' das von allen Fesitheilnehmern mit Begeisterung gesungen wurde, ihren Abschluß fand. In frühester Morgenstunde fand das in allen seinen Theilen so harmonisch und schön verlaufene Fest sein Ende, das sicher bei allen Vetheiligten eine dankbare und angenehme Erinnerung an heitere und köstlich verlebte Stunden hinterlassen dürfte. Berlin, 20. Jan. Der „Israelitische Frauenllnterftüizungsverein." der größte jüdische Frauenvercin Berlins, hat zum weiteren Ausbau seiner sozialen Hilfsthätigkeit und zur planmäßigen Organisation seiner Armenkrankenpflege die Einstellung einer geprüften .Krankenschwester beschlossen, welche die Aufgabe Hai. den Kranken, bei denen eine dauernde Pflegerin nicht nöthig ist, pflegerische Hilfe angedeihen zu lassen, und den Familien, die sie tagsüber aufzusuchen hat, hygienische Lehren zu vermitteln. Der Verein hat fernerhin mit Aerzten in allen Stadttheilen ein Abkommen getroffen. nach welchem sie Familien, die keine ärztliche Behandlung sich leisten können und städtische Hilfe nicht in Anspruch nehmen wollen, auf Kosten des Vereins behandeln. Schriftliche Gesuche um den Besuch der Schwester sind an Frau Henriette May. Wilhelmstraße 133. Anmeldung neuer Mitglieder an Frau Jordan. Aorkstratze 73, zu richten. Hannover, 20. Jan. Am 2. d. Mts. verschied hier der Hauptlehrer a.D. S. Blumenau. dessen Name in Lehrerkreisen und weit darüber hinaus einen guten Klang und hohe Verehrung genoß. Herr Blumenau. der 1825 zu Bünde geboren war, erreichte ein Alter von fast 79 Jahren. Der Verstorbene hatte sich nach Absolvirung der Elementarschule durch eigenes Streben und ohne jede fremde Beihilfe derart weiter gebildet, daß er sofort das Lehrerseminar zu Münster beziehen konnte, dessen Zögling er war. Herr Hauptlehrer Blumenau galt allgemein als ein Mann von scharfen Geifiesgab:n. und in Fachkreisen wurde sein pädagogisches Ikrtheil sehr geschätzt. Die größte Zeit seines Lebens wirkte er in Bielefeld, wo ein Zug des schmerzlichsten Bedauerns durch alle Herzen ging, als er nach 35jäbriger Tbätigkeit im Jahre 1889 sein Amt aufgeben mußte. Ganz besondere Verdienste hat sich der Dahingeschiedene um den jüdischen Lehrerftand erworben durch Mitbegründung des Vereins „Israel. Elcmentarlebrer in Rheinland und Westfalen." in dem er 33 Jahre lang den Vorsitz führte und dessen Ehrenvorsitzender er nach seiner Pensionirung war. Gelegentlich einer Audienz bei dem damaligen Kultusminister Falk hatte Herr Blumenau es in erfolgreichster Weise verstanden, den Herrn Minister für die Interessen des jüdischen Lehrerstandes zu intereffiren. Nach Außen wurde sein Name sehr bekannt durch sein schriftstellerisches Wirken und noch jetzt nach seinem Tode bat seine Famile es erlebt, daß ein Manu in hervorragender Stellung, der in voriger Session Landtagsabgeordneter gewesen, der aber sonst nie in irgend welchen Beziehungen zu der Familie stand, seinem Schmerze über das Hinscheiden des Verewigten Ausdruck gab auf Grund eines Vortrages über „Humanität," den der Verewigte vor 35 Jahren in Bielefeld gehalten hat. Der Verstorbene hinterläßt eine Gattin, mit der er in 48jähriger glücklichster Ehe gelebt und drei Kinder, die sich alle in den besten Lebensstellungen befinden. Die Beerdigung legte Zeugniß ab von der großen Beliebtheit, deren sich der Verstorbene im Leben erfreute. Am Grabe sprachen Herr Seminardirektor Dr. K n o l l e r - Hannover. Herr Rabbiner Dr. C o b l e n z als Delegirter der Synagogengemeinde Bielefeld und Herr Prediger Liepmannssohn -Minden als Vertreter des Verein: israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westsa'.'n. Der Verstorbene hat durch sein Leben und Wirken dafür gesorgt, daß das Andenken an ihn nicht so bald vergessen wird. Nürnberg, 19. Jan. (Wo bleibt die Toleranz?) Die Zahl der städtischen Schulärzte wurde mit Jahresbeginn vermehrt und angeordnet, daß sich deren Thätigkeit aus alle Anstalten erstreckt, die unter Aufsicht der Schulkommiffion stehen. Als