Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1904)
- Date
- 1904-01-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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123 den Meisterwerken der Altvordern empor, die Jahrhunderte lang Sturm und Wetter Trotz geboten, allen Unbilden der Zeit Stand gehalten, und die noch heute unberührt vom Zahn der Zeit unverwüstlich und fest geblieben. Auch unsere großen, um das Judenthum verdienten Männer aus längst vergangener Zeit haben viel Aehnlichkeit mit den oben geschilderten Monumentalbauten, denn auch jene haben, wenn auch nicht Jahrhunderte lang, doch aber ihr ganzes Lebensalter mit ihren Glaubensbrüdern allen Anfeindungen ihrer andersgläubigen Zeitgenossen wacker Stand gehalten. Auch an ihnen bewundern wir Epigonen nicht nur die Standhaftigkeit und Ausdauer, welche fie in tausendfachen Gefahren bei der Dertheidigung ihrer Glaubensbrüder und ihrer Religion bewiesen, sondern auch die Kunst, oder richtiger gesagt, die staatsmännische Klugheit, womit fie so manches Unheil von ihren Glaubensbrüdern abzuwenden verstanden haben. Doch so wie bei den alten Bauwerken nicht nur die antike Kunst längst entschwundener Jahrhunderte unsere Bewunderung erregt, sondern die auch später, nach langem Stillstände auf dem Gebiete der Baukunst, in der Zeit der Renaissance entstandenen Bauten nicht minder die Bewunderung ihrer Zeitgenossen und auch der späteren Generationen hervorgerufen, so können wir mit Recht das Wiedererstehen großer, einflußreicher Männer in Israel, der Takifim und Stadlonim, in unserem letzten Jahrhundert eine Renaissance unserer Alten nennen. Eine solche Renaissance der großen Takifim und Stadlonim in Preßburg, deren Lebensbeschreibung wir erst vor kurzer Zeit in diesen Blättern in mehreren Artikeln den geehrten Lesern geboten, erblicken wir in den beiden illustren Persönlichkeiten. R. Chajim Hirsch Pappenheim und R. Kalman Pappenheim s. A., Söhne des durch seine große Frömmigkeit und seinen Biedersinn berühmten Parnes in Preßburg, R. Wolf Pappenheim s. A., die noch bis beinahe zu Ende der ersten Hälfte des vorig. Jahrhunderts gelebt und gewirkt haben, und die uns noch gegönnt gewesen ist, von Angesicht zu Angesicht zu sehen, deren Frömmigkeit Wohlthätigkeit und Edelsinn, wie deren Hingebung, Opfermuts und Standhaftigkeit bei der Dertheidigung der Rechte unserer Glaubensbrüder und unserer Väterreligion zu bewundern. Wir wollen in Nachfolgendem den geehrten Leser mit deren Biographien. wie mit der ihres berühmten Vaters, R. Wolf Poppenheim, bekannt machen. R. Wolf Pappenheim s. A., gestorben 10. Adar 5608. R. Wolf Pappenheim war ein Schwiegersohn des in Preßburg in großem Ansehen lebenden R. Calmann Wannfried aus Wannefried und dessen durch ihre große Frömmigkeit berühmten Gattin Sorel (geb. Brill). Schwester des berühmten Rabbi Esriel Brill f. A., und ein Schwager des in unserer jüngsten Skizze geschilderten R. Mosche Bettelheim s. A. Gleich diesem war R. Wolf Pappenheim viele Jahre ParneS. und Vorstandsmitglied der Preßburger jüdischen Gemeinde, welches Ehrenamt er abwechselnd mit seinem Schwager R. Mosche Bettelheim, zunächst theilte. Durch Jahrzehnte hieß es immer z'l (so wurde Preßburg in Abbreviatur genannt), ist aus Pappenheim und Beitelheim zusammengesetzt. R. Wolf Pappenheim, der durch seine große Frömmigkeit, Rechtlichkeit und seinen Biedersinn sich in Preßburg der größten Hochachtung erfreute, widmete sich mit großer Aufopferung der Leitung der Gemeinde, deren Wohl ihm über Alles ging, und vor welcher jedes Privatinteresse in den Hintergrund treten mußte. Wie sehr ihm das Wohl seiner Gemeinde und die Forterhaltung derselben als fromme Kehilla am Herzen gelegen, dies möge folgende Episode aus seinem thatenreichen Leben beweisen. Als am Sukothfeste des Jahres 5600 der große Rabbi Mosche Sofer s. A. (Chatham Sofer) schwer erkrankte, wurde in der Gemeinde der Gedanke ventilirt, denselben durch die Ernennung seines ältesten Sohnes, R. Samuel Wolf, des späteren imv rnv zum Rabbiner zu erfreuen. Da war es R. Wolf Pappenheim, der die Dajanim und Gemeindevorsteher zu einer Sitzung einberief. Bei derselben sprach dieser folgende Worte: „Ihr wisset,. Rabbausai, daß ich Rabbi Samuel Wolf wie mein eigenes Kind liebe, doch weit mehr liebe ich meine Kehillo. Erwägen Sie. ob in dieser Zeit der stürmischen Reform, in Preßburg. das zwischen den Bester und Wiener ew« liegt, ein dreiundzwanzigjähriger junger Mann die Kraft haben wird,' unsere wve zu vertheidigen und zu erhalten.* Da erhob sich der damalige Rosch Beth Din, der ebenso durch seine weltmännische Klugkeit, als durch sein n^r und hervorragende Rabbi Daniel Proßnih s. A. und sagte: „Rabbausai! Ich kenne unseren Rabbi Samuel Wolf seit seiner frühesten Kindheit, und kann Ihnen sagen, daß sein durchdringender Verstand, getragen von'einer nir.c rx-v im Verein mit seinen mru mm uns genügende Bürgschaft bietet, daß er ein würdiger Nachfolger unseres theuren vn, den nwi erhalten möge, sein wird." — Daß Preßburg die Wahl Rabbi Samuel Wolfs s. A., des berühmten Verfassers des sna ir'2, der gleich seinem großen Vater nun faio gewesen, zu dessen Füßen auch Tausende von Schülern gesessen, aus dessen berühmten Jeschiwa Hunderte von bedeutenden Rabbinen und Talmudgelehrten hervorgegangen. nicht zu bereuen hatte, daß es vielmehr als ein Glück zu betrachten gewesen, daß es Rabbi Samuel Wolf Schreiber s. A. gegönnt gewesen, mpr xbco rmrr und dadurch später nwnH mc? inno, zu sein, und