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Der Israelit · 1904-01-21 · Heft 6 (21.1.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 6 (21.1.1904)
Date
1904-01-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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122 btgungen ein. Was man mir erzählte, klärte mir alles auf! Die Frau Hauptmann v. X. entstammte einer ebenso reichen, wie frommen jüdischen Familie und hatte aus Liebe, nach Üeberwindung des anfänglichen hartnäckigen Widerstandes ihrer frommen Eltern, den Herrn v. J. geheirathet, welcher den Ruf eines tüchtigen Offiziers, wie auch eines herzensguten Menschen genoß. Troß der gegenseitigen Liebe trat bald etwas störend zwischen Beide — die Frau konnte ihre Religion nicht vergessen! Die Erinnerung daran und der Wunsch, ganz zu ihr zurückzukehren, wurden bald so groß, daß Herr und Frau v. L. in beiderseitigem Einverständniß stch zur Ehescheidung entschlossen . . . Sollte mein Lied damals dazu beigetragen haben, die Frau der jüdischen Religion wieder näher zu bringen?! Die Gewißheit würde mich beglücken! II. Im Mannöver war's! Ich hatte ein gutes Quartier, nach langer Zeit das erste: Eine Wittwe mit ihrer Tochter! Beide erschöpften stch in Liebenswürdigkeiten gegen mich. Und ich war glücklich! Abends erzählte mir die Frau Vieles aus ihrer Familie, u. a. auch von ihrem Sohne, der im Kriege 1870/71 fiel. Die alte Frau dauerte mich. Ihr einziger Sohn mußte auf dem Schlachtfelde bleiben! Sie weinte, ohne meine tröstenden Worte zu beachten. Selbst in Jahrzehnten vermochte der Schmerz des Mutterherzens nicht zu vernarben! Da fuhr die Frau fort, und ihr Gesichtsausdruck, der eben noch den tiefsten Schmerz verrieth, veränderte sich plötzlich, Zorn und Wuth zeigend: „Aber ich weiß, wer meinen Sohn gemordet hat. ich weiß es. Ein Mann aus unserem Dorfe, der neben ihm kämpfte, erzählte es mir: Ein Jude wars, ein französischer Jude, mit schwarzen Augen, schwarzem Haar und mit gelbem Gesichte! Deßhalb hasse ich alle Juden, sie sind schuld an dem Tode meines Kindes!" Und wieder weinte das Weib. Ich aber saß sprachlos da. ganz betroffen und niedergeschmettert von dem Wuthschrei der verblendeten Mutter. So sehr es mich als Juden trieb, diesen wahnwitzigen Vorwurf zu widerlegen — ich wagte es nicht, < ich fand keine Worte. —- j Zwei Tage blieb ich. bei der Frau im Quartier, und die durch die Einquartirung wieder wachgewordeire Erinnerung an den Sohn verdoppelte und verdreifachte die Freigebigkeit meiner Wirthin. Allein ich wurde des guten Quartiers nicht froh; im Gegentheil. ich hätte es lieber gesehen, wenn die Frau mich unfreundlich behandelt hätte, mich, den Juden! Aber ich konnte es nicht über mich bringen, mich ihr gegenüber als Juden zu bekennen. Ich beschloß, vor dem Abrücken einen Zettel zu hinterlassen, der die Frau aufklären und sie um Ver zeihung betten sollte! So that ich's auch! Den Tornister und sämmtliche Taschen mit Proviant vollgestropft, verließ ich, von den Segenswünschen der Frau und ihrer Tochter begleitet, das gastliche Haus, nicht ohne einige Gewissensbisse zu verspüren. Am Apellplatze war schon alles versammelt, die Kompagnie trat an, der Feldwebel machte dem Kompagniechef Rapport. „Guten Morgen, Kompagnie! Das Gewebr über" — da ertönte hinter uns vom Dorfe her eine schreiende Frauenstimme: „Der Jud' hat mir meine Sachen gestohlen, der Jud' hat mir mein Essen gestohlen!" und die Frau, die so rief, war — meine Wirthin. Mir wurde nicht gerade wohl zu Muthe! Unter fortwährendem Zetern und Schreien hatte sie unseren Hauptmann erreicht und klagte den Juden bei ihm an. Ich aber war der einzige Jude seiner Kompagnie. Mich fest in's Auge fassend, ritt er auf mich zu und fragte mich, ob ich wirklich die Frau bestohlen hätte, was er allerdings von mir nicht glauben könne. Ich erzählte ihm kurz und wahrheitsgetreu den Sachverhalt! Da ertönte auch schon des Hauptmanns Kommandostimme: „Bataillon marsch!" und fort ging's dem anbrechenden Tag entgegen. Hinter uns aber zeterte das Weib und der Morgenwind trug noch lange die schreiende Stimme zu unseren Ohren.- md fMroim in iw mm» Biographische Skizze von Kkrrmann Löwinger, Frankfurt a. M. Die imposanten, monumentalen Bauwerke aus uralter, längst entschwundener Zeit, welche bis auf unsere Gegenwart noch gut erhalten dastehen, erregen sogar in unserer modernen, schnelllebigen Zeit unser größtes Interesse. Wir bewundern nicht nur den Kunstsinn, sondern auch den Fleiß, die Zähigkeit und Ausdauer unserer Alten, welche Eigenschaften sie in den Stand setzten, solche schöne und doch so dauerhafte, nahezu für die Ewigkeit berechnete Bauwerke entstehen zu lassen. Mit einer gewissen Ehrfurcht blicken wir zu i ,! t i

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