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Der Israelit · 1904-01-21 · Heft 6 (21.1.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 6 (21.1.1904)
Date
1904-01-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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, r^_j-<WVVO S ISyO>~ jE AB» Hv3a() 2t. Jan. 1904.J Mr. S Nus meiner Militärzeit. von Hermann röinsheimer. „Gefreiter Kaufmann, gehen Sie sofort zum Herrn Oberleutnant von L. und melden Sie sich als Ordonnanz der Kompagnie zum Wäscheaustausch," also befahl mir der Herr Feldwebel, und ich beeilte mich, den Befehl zu vollziehen. Das Zimmermädchen des Herrn Oberleutnants erzählte mir in umständlichen Worten, daß der gnä' Herr ausgegangen sei, aber bald zurückkehren müsse, und daß ich ruhig warten könne. Die besorgte Maid schob mich in ein wohlig warmes Zimmer. Ich machte mir's bequem und dachte — nun, ich dachte an das, woran der Soldat meistens denkt — an Mutter und Vater, an Elternhaus und Heimath. Das Herz wurde mir weit dabei von Freude und Schmerz! Wie muß es jetzt im traulichen Stübchen gemüthlich sein, wo der alte Vater nach des Tages Mühen der Mutter aus dem Buch der Bücher vorliest und wo — Da fiel mir ein, daß heute gerade Freitag Abend sei und das Fest der Freude seinen Anfang nehme. Ich sah mich zu Hause — die Augen geblendet vom Lichterglanz — den Vater sah ich, die Mutter — und leise, ganz leise begann ich. ich konnte dem Drang nicht widerstehen. das Willkommlied zu singen: „Scholaum alechem. .* Ick kam nicht weit, da trat hinter den Gardinen eine Frauengestalt hervor — die Frau Oberleutnant! Erschreckt versuchte ich eine Entschuldigung zu stammeln. Doch wie erstaunte ich, als mich die liebreizende Frau mit den Worten unterbrach: „Sie sangen eben ein schöner Lied, dar auch mir bekannt ist; bitte, singen Sie es mir nochmals vor!" Meinen schüchternen Einwendungen begegnete die Frau mit einer wiederholten Bitte. Und ich sang, sang das Lied mit »«iner nicht gerade sehr schönen Stimme, wenn auch nicht sehr wohlklingend, so doch mit religiöser Begeisterung. Plötzlich schluchzte das junge, schöne Weib, und voll Schrecken brach ich mitten im Liede ab. Aus meiner Bestürzung wurde ich erst durch die Frage der Frau herausgerissen, ob ich ihr nicht ein Buch besorgen könne, worin dies Lied stunde. Ich bejahte, und auf der Stelle schickte sie mich fort mit der Versicherung, sie werde mich bei ihrem Manne entschuldigen. Ich brachte eine T'filo, die mir das Zimmermädchen gegen Einhändigung eines Zehnmarkstückes abnahm. Dann kam der Dienst, der die Erinnerung an den räthselhaften und so wundersamen Vorgang etwas zurückdrängte.; Erst einige Jahre später sollte für »ich die Aufklärung kommen! Ich las zufällig, daß der Hauptmann v. dL — mein früherer Oberleutnant — und seine Frau sich scheiden ließen — auf Grund gegenseitigen Einverständnisses. Durch diese Zeitungsnotiz wurde mir jener räthselhafte Vorfall wieder lebhaft in's Gedächtniß zuruckgerufen und ich zog über das Ehepaar Erkun-

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