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Der Israelit · 1904-01-21 · Heft 6 (21.1.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 6 (21.1.1904)
Date
1904-01-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1!5 haben einen größeren oder geringeren Theil unserer Selbstkosten und nur vier Personen die vollen Selbstkosten gezahlt. Ihrer Herkunft nach waren 254 aus Berlin, 45 aus der Provinz Posen. 34 aus Pommern, 28 aus Schlesien, 14 aus Brandenburg, je 8 aus dem Königreich Sachsen und Westpreußen, 4 aus Hessen- Nassau, 3 aus Ostpreußen, 2 aus der Schweiz, je 1 Person aus Bayern, Braunschweig, Hamburg, Hannover und Rußland. Für sämmtliche Pfleglinge wurden 12,324, für das Hauspersonal 1551, mithin im Ganzen 13,875 Verpflegungstage gezählt. Damit entfällt auf jeden Pflegling durchschnittlich eine Kurzeit von etwa 30,43 Tagen. Würzburg, 17. Jan. Mit vielem Interesse und aufrichtiger Befriedigung entnahm man der kurzen Berichterstattung von der jüngst in Frankfurt a. M. stattgefundenen Generalversammlung der „Freien Vereinigung für jüdische orthodoxe Interessen," daß namentlich die Rabbiner-Kommission zu den wichtigsten Tagesfragen auf jüdisch-religiösem Gebiete Stellung genommen. Es ist hierfür auch höchste Zeit, damit man im eigenen Lager wisse, wie man sich dazu zu verhalten habe. Die Verhältnisse liegen ja oft für den Laien nicht so klar vor Augen, um selbst zu unterscheiden und zu erkennen rur prb nc. Zu diesen Fragen gehört auch die Leichenverbrennung. Wohl kann es für den wahrhaft Religiösen nicht schwer sein, darin eine durchaus antibiblische, antijüdische Sitte zu erkennen und zu wissen, daß, wer sie anwendet, gegen das mosaische, wie rabbinische Gesetz verstößt; auch ist ein solches Vorkommniß in einer religiösen Familie undenkbar. Dennoch sind die Fälle nicht mehr vereinzelt, daß man da, wo man öffentlich dem Judenthum noch angehört und angehören will, aus Verblendung, aus Nachahmungssucht, Affekthascherei dazu schreitet, ja letztwillig in diesem Sinne über seine irdischen Reste verfügt. Dabei können nun Umstände obwalten, unter welchen der Laie nicht weiß, wie er sich mit den „Liebesdiensten" Todten gegenüber und den damit zusammenhängenden religiösen Sitten und Gebräuchen zu verhalten hat. Ein solcher Fall kam in jüngster Zeit in einer bürgerlich sehr achtbaren Familie dahier vor, wobei der dem Greisenalter nahestehende Mann, der sonst an den Gemeindeinteressen regen Aniheil nahm, seine Verbrennung lehtwillig verfügte. Die Fanlilie, welche vom Rabbiner persönlich auf das Ungesetzliche dieser lehtwilligen Verfügung aufmerksam gemacht und von der Ausführung vergeblich abgemahnt worden war. wünschte trotzdem die üblichen Verrichtungen von der Chewra Kadischa. Auf die Anfrage beim Rabbinate wurde deßhalb erklärt, daß sie nicht nur keine Verpflichtung hierzu haben, sondern es verdienstlicher sei, in solchen Fällen alles zu unterlassen, was p*tne rrv-y nry das Unrecht sanktioniren und unterstützen könne. Die Chewra als solche betheiligte sich demnach nicht an der Bestattung. Hier sollten also feste Normen geschaffen werden rü cto damit wenigstens auf orthodoxer Seite Einigkeit bestehe. Rußland. F. Wilna. (Auswanderun g.) Die Ereignisse von Kischinew und Hömel scheinen den Plan des Herrn von Plehwe, die Juden durch Veranstaltung von Krawallen zum Verlassen Rußlands zu zwingen, leider sehr gefördert zu haben. Aus Mohilew sind am 18. November 25 Familien ausgewandert. Die Emigranten sind fast ohne Ausnahme vorzügliche Handwerker, die als solche auch im Innern Rußlands wohnen dürften, in Folge der Ereignisse im nahen Hömel es aber vorziehen, dem geliebten „Vaterland" verächtlich den Rücken zu kehren und in der edlen Republik jenseits des großen Wassers eine neue schönere Heimath zu suchen. In den letzten 2*4 Monaten sind aus diesem Grunde allein aus Mohilew gegen 200 jüdische Familien ausgewandert. Gleichzeitig wird auch ans dem benachbarten Gouvernement Minsk ein starkes Anwachsen der Emigration gemeldet. Die Auswanderung wird jetzt den Juden insofern wesentlich erleichtert, als zahlreiche Auswanderungs-Agenten Schiffskarten auf Abzahlungabgeben, so daß die europäischen Juden zunächst nur das Reisegeld bis Hamburg zu. besitzen brauchen. Endlich wird aus Kowel. Gouvernement Wolhynien, berichtet, daß die Auswanderung daselbst bereits einen fluchtartigen Charakter anzunebmcn beginnt. Allein in den letzten fünf Monaten sind aus dem Koweler Kreise über 3200 Juden ausgewandert. Gar manchem Auswanderer wird der Abschied von den Gräbern theuerer Angehörigen sehr schwer, allein die trostlose Aussicht für die Zukunft wie die bittere Noth der Gegenwart treiben ihn in die weite Ferne, wo er wenigstens soviel zu erwerben hofft, um das nackte Dasein fristen zu können. . Amerika. Reivyork. (Religiöse Toleranz in Amerika.) Wir hatten schon öfter Gelegenheit gehabt. auf Beispiele seltener religiöser Toleranz in den Vereinigten Staaten hinzuweisen. Das, was wir heute zu berichten haben, ist jedoch das Eigenartigste, von dem man je gehört, und erinnert fast an die von dem Propheten Jesaias in Aussicht gestellte Zeit, da Wolf und Schaf zusammenwciden werden. Im Opernhause zu Detroit hielten die Priester von neun verschiedenen Kulten und Sekten einen gemeinsamen Gottesdienst ab. De: Rabbi und der katholische Priester, der Prediger der Unitarier, ein methodistischer Geistlicher. Pastoren der Presbyterianer. Baptisten der Episcopal- und der Kongregational-Kirch: lobten den Herrn •'in einem gemeinsamen Dankgottesdienst. Das Opern-

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