Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1904)
- Date
- 1904-01-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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uvb Niedrig, er Gegensätze auszugleichen, Wider,»-erschien und die Eintracht in unserem Kreise in wahrhaft mustergiltiger Weise zu erhalten. Dieser Führerstab war auch der Liebesstab, mit dem er, wie einst der biblische Gottesmann, unsere Herzen nur zu berühren brauchte, um fie für die von ihm geplanten Wohlthätigkeitszwecke zu gewinnen. Ach nun ist der Führerstab seiner treuen Hand entglitten, wir werden nicht mehr schauen die ragende Patriarchengestalt mit dem wallenden Barte und dem freundlichen Antlitz, werden nicht mehr, lauschen können seiner sanften, weichen Rede, aber in unserem Herzen bleibt sein Bild unvergeßlich, unauslöschlich. Doch nicht nur wir Glaubensgenossen werden seiner liebend gedenken. Seine Mitbürger alle, welcher Richtung und welchen Bekenntnisses auch immer, werden seiner Erinnerung eine Thrane weihen und ihm darreichen die Krone der Verehrung! Denn Isaak Ei che! bäum, einer der Frömmsten, war auch einer der duldsamsten. Die Liebe, die er übte, kannte aber weder nationale Schranken, noch konfessionelle Grenzen. Ihm war Kern und Stern der Religion das herrliche Wort des Propheten: „Gott hat dir kundgethan, o Mensch, was gut ist, und was Er von dir fordert; nur Liebe üben und Recht handeln und in Demuth wandeln mit dem Ewigen." Weil dieses Wort in ihm Leben und Erfüllung gefunden hat, flogen ihm alle Herzen in Liebe zu, und seine Mitbürger legen nieder auf sein Bahrtuch die Krone der Verehrung. Uns allen aber bleibi nun der erschütternde Augenblick. da wir von unserm Freunde Abschied nehmen; — ach. bang und schwer ist diese Stunde, und es bebt das Herz und versagen will die Kraft. Da ist's mir. als blickte ich wieder in sein liebes Freundesgesicht, wie einst in glücklichen, seligen Zeiten, „da wir gemeinsam süßen Rath pflogen, in's Haus des Herrn wallten in Ehrfurcht," und ich höre den trauten Klang seiner treuen Worte- Ruf' ihnen zu als Scheidegruß das schlichte Wort des hohen Liedes: „Ich bleibe meinen Lieben, meine Lieben bleiben mir!" Es wendet sich das Wort an die ehrwürdige Mutter, an die geliebte Gattin, an dir anhänglichen Geschwister und kündet ihnen die tröstliche Botschaft: Verzaget nicht: ein Jenseits gibt's, ein Wiedersehen, wo sich unter Jauchzen vereinen, die sich unter Thränen trennen mußten. Es wendet sich das Wort an die Kinder und gemahnt sie, in des Vaters Wegen zu wandeln und unbeirrt seinen Idealen nachzustreben. Es wendet sich das Wort au die Glaubensbrüder und fordert sie auf, das Werk zu erhalten, das seine Hände gründen halfen, und es niemals durch Zwietracht und Hader zu gefährden. Es wendet sich das Wort als eine edle Mahnung an uns alle, wes Glaubens wir feien, die Bewährung der Frömmigkeit in einem Leben voll Güte und Geduld zu sehen, auf daß sich an uns allen erfüllen möge das alte Heilswort: Alle Leiden besieget die Liebe! Amen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 18. Jan. Ich erfülle hiermit die traurige Pflicht, Ihnen von dem Ableben des Herrn Jmanuel Sachs, eines Sohnes unseres unvergeßlichen Dr. Michael Sachs, Kenntniß zu geben. Derselbe war seit zwei Jahren Repräsentant der jüdischen Gemeinde und gehörte der Bibliotheksverwaltung derselben an. Wie sein leider uns zu früh entrissener Bruder Leonhard Sachs, hat er sich allen ihm obliegenden Gemeindeangelegenheiten mit Liebe und Eifer unterzogen. Möge ihm die Erde leicht sein! E. R. Kolberg. Dem Jahresberichte des „Jüdischen Kurhospitals" im Sol- und Seebade Kolberg für das Jahr 1903 entnehmen wir: Da den Einnahmen Mk. 2935.59 als Kassenbestand aus dem Vorjahre vorgesetzt sind, so ergeben sich als reine Einnahmen Mk. 40,375.20 gegen Mk. 31,241.75 im Vorjahre. Hiervon waren jedoch Mk. 9305 Grundkapital - Zuwendungen, während Mk. 3l.070.20 dem Anstaltsbetriebe zur Verfügung standen. An Jahresbeiträgen wurden Mk. 16,473.30 gegen Mt. 15.994.50 im Vorjahre aufgebracht, so daß die Höhe der laufenden Jahresbeiträge um Mk. 478.80 gewachsen ist, während sie im Vorjahre um Mk. 1067 zurückgegangen waren. Zu den Jahresbeiträgen gehört auch eine Subvention von Mk. 800 von der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Ganz besonders günstig ist im Berichtsjahre das Ergebniß der Kapitalzuwendungen in Höhe von Mt. 9305. Den Einnahmen stehen die Ausgaben mit Mt. 22,354.72 gegenüber. Dazu kommen noch Mt. 6000, die im Grundkapital zu dringend nothwendigen Bauten bereitgestellt werden müssen, welche in Folge der Zerstörungen durch die ganz außerordentlichen Natur- und Witterungsereigniffe der letzten beiden Jahre sich als unerläßlich uns aufgedrängt haben. Die Anstalt war im Berichtsjahr vom 52. Mai bis zum 25. September im Betrieb. Um Aufnahme in unsere Anstalt haben 973 Personen nachgesucht. 457 wurden berücksichtigt, aber nur 405 Pfleglinge sind wirklich eingetreten. In Freistellen sind 270 Personen ganz unentgeltlich verpflegt worden; 131