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Der Israelit · 1904-01-21 · Heft 6 (21.1.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 6 (21.1.1904)
Date
1904-01-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. zu ^iZ6 des Llv Grdevkblatt auf Isaak LichtlbavA's frisches Srak. Trauerrede von Rabbiner Dr. Max Beermann—Insterburg.! Du bist mein Licht. Ewiger, Du. mein ®o." -r-! hellest mein Dunkel! Wenn Stürme uns umtosen, auf Dich s..-.c»ev wir, wenn Wellen uns umbranden, an Dir Hallen wir. I »nenn Todesschatten uns umfangen,, zu Dir flüchten! wir; denn Deine Liebe ist die Sonne, die uns leuchtet, ist der Fels, der uns trägt, ist der Tau, der uns labt, ist die Hütte, die uns schirmt. Auch auf dem Pfade Deiner Heimsuchungen hoffen wir auf Dich. Schwer hat uns Deine Hand getroffen. „Gefallen ist die Krone von unserem Haupte, genommen ist die Wonne unseres Herzens, die Last unserer Augen." Doch Du schlägst und heilst. Du verwundest und verbindest. Denn nur bei Dir ist der Heilung Quell, in Deinem Lichte nur schauen wir Licht. Amen. Hochverehrte Trauerversammlung! Geliebte Leidtragende! Im Liede der Lieder lesen wir das wehmuthsvolle Wort: „Mein Freund ist herniedergestiegen in seinen Garten und nahm hinweg den herrlichsten Schmuck." Unsere Weisen geben hierzu die gemüthreiche 'Auslegung: Mein Freund, das ist der hochwaltende Gott, der Garten, das ist die Menschheit und der herrlichste Schmuck, das ist der Fromme, Edle und Gerechte. Doch wozu hier die Dichtung, wozu hier die Deutung, an dieser Bahre, „die einen Sturm von Schmerzen in unserer Brust entfeffclt, die eine Fluth von Thronen uns aus den Augen lockt": wozu hier Dichtung und Deutung an diesem Sarge, allwo zur bittersten Wahrheit und schmerzlichsten Wirklichkeit das Wort geworden ist: „Mein Freund ist herniedergestiegen in seinen Garten und nahm hinweg den herrlichsten Schmuck." Ach. wie haben wir seit Wochen für ihn gezagt und gezittert, wie haben wir für sein theures Leben bald gehofft und bald gefürchtet; wie haben sie für ihn gebebt und gebetet, nicht nur seine Angehörigen und Verwandten, nein, ein jeder, der ihn kannte und liebte, der ihn liebte, da er ihn kannte. Und nun ist das bange Ergebniß zur thränenreichen Gewißheit geworden, unser guter Isaak Eichelbaum ist nicht mehr, und auf unsere bebenden Lippen drängt sich der ergreifende Klageruf des Psalmisten: „Hilf Ewiger, denn ausgerungen hat ein Frommer, dahingesunken ist der Treuesten Einer unter den Menschenkindern!" Was wir an ihm verloren habe«? Fraget diel greise Mutter, die ihn ihren gottergebenen Sohn genannt, fragt die Gattin, die' mit freudigem Stolze zu; ihm emporblickte, fraget die Kinder, die in Liebe sich, um das theure Oberhaupt ihres Hauses geschaart,' fraget die Geschwister, die ihn mit Verehrung den Ihren nannten, fraget aber auch einen Jeden m Stadt und Gemeinde, denn unser Freund gehörte nicht nur seinen Religionsgenossen, allen Menschen schlug sein Herz in Liebe entgegen, fraget die Armen und Dürftigen, deren Thränen er getrocknet, deren Leiden er gemindert, fraget' das Waisenkind, das einsam sich härmte und bei ihni liebevollen Zuspruch und opferreiche Hilfe fand, sie alle vereinen sich zu dem Huldigungsrufe, der dem biblischen ' Stammvater dereinst dargebracht wurde: „Ein Fürst Gottes bist du gewesen in unserer Mitte." War ja auch seine Lebensbahn hienieden ein Patriarchenwandel voll Gottesfurcht und Menschenliebe, voll Demuth und Friedfertigkeit. Darum bekundet sich ihm, wie dereinst dem Erzvater, die Liebe und Verehrung der Mitmenschen über das Grab hinaus! . Von des Ahnen Heimgange erzählt der jüngstverlesene Schriftabschnitt, und die sinnige Sage einer späteren Zeit berichtet» daß ein dreifaches Ehrenzeichen - dem Patriarchen zu Theil geworden ist: das Immergrün der Liebe, das seine Angehörigen auf sein Grab gepflanzt, der Führerstab, den seine Glaubensbrüder darauf niedergelegt, und die Krone der Verehrung, die seine Mitbürger ihm geweiht haben.' Wohlan, Geliebte, liegt darin nicht ein schönes Gleichniß und treffendes Sinnbild dieser schmerzumhauchten Feierstunde? Ein Immergrün der Liebe von seinen Angehorigcn! Und er verdient diesen Schmuck! Wie liebevoll und zartsinnig war er gegen seine hochbetagte Mutter, in deren Nähe leben zu dürfen, er oft als eine Gnade des Herrn pries; wie treu und ergeben war er seiner ' Gattin, der er sorgsam jeden Stein des Anstoßes von - der Lebensbahn entfernte, wie stand er in Leid und Freud seinen Geschwistern zur Seite, wie hingebungs-" reich und opferfreudig war er gegen seine Kinder, für - deren Glück ihm keine Mühe zu schwer, keine Leistung zu groß erschien! Wie strahlte noch jüngst sein Auge im Sonneglanze des Glückes, als er dem Liebesbund einer theuren Tochter seinen väterlichen Segen geben konnte!' - Ach, nun hat sich in Trauer verwandelt die Freude, und ' zur Thräne ward der Jubel! * - Dahingesunken ist der Theure, und wir legen auf'- seine Bahre den F L h r e r st a b, dessen er gewaltet in ^-r Weisheit und Güte als Vorsteher unserer Gemeinde. ' Dieser Führerstab wurde in seiner Hand zu einem Friedensstabe; sanftmüthig und geduldig gegen Hoch

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