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Der Israelit · 1904-01-18 · Heft 5 (18.1.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 5 (18.1.1904)
Date
1904-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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w populär geschrieben, dennoch die Tiefe und Höhe besitzen, um hauptsächlich unserer akademischen Jugend als treuer Führer und fester Halt gegenüber den Sirenenrufen des Apikorsus zu dienen. Aber auch soweit es nur möglich ist, müßte schon unseren Heranwachsenden Kindern gelehrt werden, die Welt mit jüdischen Augen zu betrachten. Leider sind, wie schon erwähnt, solche Werke bis jetzt nur frommer Wunsch. (Nur eine sich trefflich dazu eignende Abhandlung über rr.npp-ß öott dem Begründer dieser Blätter s. A. ist uns bekannt, und behandelt diese in geistvoller Weise die Beziehungen des Judenthums zur Natur.) Der im Aorstehenden angeregte Gedanke ist nicht neu. Bereits im „Jeschurun", Band 4, S. 96/97, hat mit dankenswerther Gründlichkeit Direktor Dr. Mendel Hirsch s. A. darauf hingewiesen. Wir begnügen uns hier damit, folgendes daraus anzuführen: ... . . Wo haben wir, um beispielsweise das Nächstliegende hervorzuheben, eine Bearbeitung der Weltgeschichte vom Standpunkte des Judenthums? Eine Riesenarbeit, mehr als ein Menschenalter erfordernd. Denn sie erfordert einerseits das tiefste Eindringen in den Sinn der göttlichen Institutionen der Thora, vor Allem denn auch ein Sichversenken in den Geist, der durch v'rr'v: und d'sud weht, der nun eben vom Standpunkt des göttlichen Willens in der göttlichen Ordnung, wie in 'doa ,2i'rr oie Verhältnisse zunächst des Einzellebens, in cwa: die des jüdischen Nationallebens und der völkergeschichtlichen Entwicklung betrachtet. Andererseits erfordert sie selbstverständlich das hingebendste Studium der Geschichte selbst, einen Geist, der von den Niederungen der Citate und Collektionen der Quellenstudien sich zu den höchsten Höhen der Spekulation zu erheben weiß. Jahrtausende müßte er überschauen, den kleinsten Moment in der ganzen Complikation .der ihn erzeugenden kombinirten Ursachen zu erfassen müßte er befähigt sein. Mit vorwärtsgewandtem, gottbegeisterten und -erleuchtenden Blick schauten die Propheten über Äonen der Zukunft, sie waren Propheten; mit rückwärtsgewandtem Gott fühlenden und schauenden Sinne müßte er, wenn er wirklich der Berufene, die Jahrtausende der Vergangenheit überblicken. Warum hat sich bisher kein Berufener gefunden?" Wir kennen nur allzugut unsere eigene Schwäche und die Größe der Sache, um uns für den Berufenen zu halten. Nichtsdestoweniger wollen wir mit Gottes Hülfe versuchen, wenn auch nicht eine Weltgeschichte, so doch den Abriß des Fundaments einer solchen, vom Standpunkte des Judenthums aus betrachtet, darzulegen. Was nicht falsch daran ist, mag. vielleicht einem Begabteren als Stein, zuck Weiterbau dienen, und auch aus der Bekämpfung des Falschen und Irrigen, dem es gewiß nicht fehlen. wird, kann sich das Richtige und Mahre ergebest. Da wir — um es noch einmal ausdrücklich zu betonen — nur die Absicht haben, in möglichster Kürze nur die Hauptpunkte anzudeuten, so haben wir auch eine äußerliche Gruppirung gewählt, die uns dazu am geeignetsten schien. In seinem Kommentar zu irana knüpft der peei an den Vers verirr erg c*:» sjbx und an die darauf von unseren Weisen s. A. gegebene Erklärung, daß tausend Jahre gleichsam für Gott einen Tag bedeuteten, die Bemerkung an, daß den sechs Schöpfungstagen entsprechend, die Menschheitsentwicklung auch sechs Jahrtausende dauern; und weist der navi nun die Beziehungen zwischen den Geschehnissen in den einzelnen Jahrtausenden und den an dem betr. Wochentag erschaffenen Dingen nach. Von dieser Anschauung ausgehend, glauben wir nicht zu irren, wenn wir ähnliche Deutung in dem jeweiligen dt *nme, den die an den verschiedenen Wochentagen im Tempel sagten, suchten. Und so glauben wir denn hier einen Anhaltspunkt zu linden, wie Weltgeschichte vom jüdischen Standpunkte aus betrachtet sein will. —o— (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 15. Jan. Der unter Leitung des-Seminardirektors Holzmann stehenden jüdischen Lehrerbildungsanstalt hat der Reichskanzler die Befugniß eingeräumt. Zeugnisse über die wissenschaftliche Be-, fähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst ouszustellen. Soviel wir wissen,.haben dieses Recht bisher nur die staatlichen Schullehrerseminare in Preußen besessen. — In der diesjährigen Sitzung des Kuratoriums des Rabbinerseminars wurden die Herren Provinzialrabbiner Dr. L. M u n k aus Marburg und Distrikts-. rabbiner Dr. P. K o h n aus Ansbach als Kuratoren kooptirt. Dresden, 14. Jan. (Ein Judengesetz f ü r S a ch s e n.) Es ist zu erwarten, daß ein königliches Dekret an die Stände, den Entwurf , eines Gesetzes, die israelitische Religionsgemeinde betreffend, in den nächsten Tagen zur allgemeinen Be-' raihung kommt. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß.es unserem^ Sachsenlande wieder einmal als .Rückständigkeit" aus-- gelegt wird, daß man bei uns noch im zwanzigsten: Jahrhundert nöthig hat. Judengesetze zu machen. Es:» handelt sich aber natürlich bei dem vorliegenden- Gesetz nicht um den Genuß der staatsbürgerlichen, und bur^m gcrlichen Rechte — in dieser Beziehung sind die Juden in Sachsen den Christen längst gleichgestellt —r sondern^ darum, die bestehenden Verschiedenheiten in der Rechtsstellung der Israeliten zu ihrer Religionsgemeinschaft! r.i

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