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Der Israelit · 1904-01-18 · Heft 5 (18.1.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 5 (18.1.1904)
Date
1904-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4S. Jahrgang. M S. sr» tzentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenlstum. Begründet tan Dr DohmaMt in Dl«L«r. Montag, den 1^. Schebat 5664. 18. Januar 1984. MMiihtk m M )ts Wechus. Einer der schwerwiegendsten Jrrthümer bei Beurtheilung des Judenthums ist die Anschauung, als habe das rechtgläubige Judenthum irgend welche Wissenschaft und Erkenntniß auf rein menschlichem Gebiete zu fürchten. In Wahrheit verhalt es sich umgekehrt.- Jeder wahre Fortschritt auf rein menschlichem Gebiete wir> auch vom orthodoxen Juden mit Freuden begrüßt werden; denn da es nur eine Wahrheit gibt, so sieht das Judenthum in jeder neuen Errungenschaft des Wissens und der Kultur nur einen freudig zu begrüßenden Bundesgenossen auf dem Wege zur Verbreitung der Wahcheit. Der große Unterschied zwischen jüdischer und rein menschlicher Ertcnntniß ist nur der, daß unsere Welt- und Lebensanschauung keine von Menschen ausgeklügelte, sondern eine von Gott als unantastbares Heiligthum uns übergebene ist. Menschliche Erkenntniß aber ist allezeit dem Jrrthume unterworfen. Es kann uns daher wohl die Thora der Maßstab — und zwar der untrügliche Maßstab njw ra® m® fwr — für die gesammte Erscheinungswelt und was wir m Bezug auf sie erkennen — fein. Aber nicht darf uns irgend ein von Menschen erdachtes System also als absolute Wahrheit erscheinen, daß wir die Richtigkeit der Thora von der Uebereinstimmung mit diesem System abhängig machten. Systeme wechselt man wie die Kleider, und was vor zwanzig Jahren als Gipfel aller Weisheit angesehen wurde, wird man in zwanzig Jahren als überwundenen Standpunkt belächeln. Gerade aber deßhalb, weil so oft Falsches für richtig angenommen wird, ist es nothig, das zu erkennen, was wirklich wahr. Und achte Wissenschaft ist uns nicht nur willkommen, sondern geradezu nothwendig. Und n« war sie uns nothwendiger, als heutzutage, als in einer Zeit, die unter dem Deckmantel oberflächlicher Afterwissenschaft so gern unsere Thora als antiquirtes Menschenwerk erklären möchte. In einer Zeit, in welcher in anderen Kreisen der schärfste Gegensatz zwischen Kirche und Schule, zwischen Kanzel und Katheter besteht, ist es doppelt Pflicht, darauf hinzuweisen, daß wir die feste Ueberzeugung haben: .Je tiefer wir in die G e s e tz e der Thora eindringen, umsomehr enthüllt sich uns auch jedes andere Wissensgebiet, und je mehr wir die wahre Wissenschaft kennen lernen, umso klarer, umso verständlicher werden uns die Gesetze der Thora." Es ergibt sich übrigens das, wenn wir genau überlegen, mit geringer Nothwendigkeit von selbst. Man verzeihe uns einen Vergleich. Wollen wir genaue Auskunft haben über ein Kunstwerk, über die Idee und Absicht, die der Schaffung desselben zu Grunde gelegen, wenden wir uns da nicht am liebsten an den Künstler selbst und halten seine Aussprüche für die authentischen, und gewähren ihnen das Attribut der höchsten Wahrheit? — Um nun aber auch wirklich den Standpunkt de- Judenthums zu den einzelnen Disziplinen der Wissenschaft darzulegen, ist zweierlei nöthig; die Erkenntniß des Judenthums, wie es in schriftlicher und mündlicher Lehre dargesteüt, und ferner genaue Kenntniß der betr. Wissenschaft. Es mag wohl an der Schwierigkeit und. Größe der Aufgabe liegen, daß (unseres Wissens wenigstens) bis jetzt noch in keiner Disziplin eine derartige Beleuchtung und Durchleuchtung mit dem Licht unserer heiligen Thora geschehen ist. Wir meinen selbstverständlich hier nicht historische Arbeiten (wie Steinschneiders Mathematik bei den Juden u. dgl.), die nur historischen Werth haben. Wir haben vielmehr Darstellungen im Auge, die den Standpunkt des JudenthumS zu den einzelnen Fächern der Wissenschaft darlegen. Solche Darstellungen müßten, wenngleich

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