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Der Israelit · 1904-01-14 · Heft 4 (14.1.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 4 (14.1.1904)
Date
1904-01-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1 79 kann allein die Midraschübersehung dem Volke wieder zurückgeben. was dem Volke nacherzählt^worden. Denn welches Werk spiegelt so sehr die Anschauungen einer Volksseele wieder, als der Midrasch, was das Volk sich erzählt, die Wunderibaten, die Allegorien, die frommen Sagen, in Midrasch wurde es gesammelt. Das jüdische Volk soll sich im Midrasch wiederfinden. Anläufe zu diesem Unternehmen wurden seit Jahren gemacht; aber sie litten alle an dem einen Fehler, daß sie den Midrasch als ein wissenschaftlich zu behandelndes Werk ansahen. nicht aber als ein religiöses, gemütvolles Erbauungsbuch. Unsere Weisen im Mittelalter kannten da den , Geist imferee Volkes besser, als sie im Menorath Ha-! moor, Simcboth Hanefesch, Leb tob u. a., vor allem! aber inr stcenoh ureenoh der schlichten Volksmenge uni mittelb \r- *?!i Inhalt des Midrasch in gemeinverständ- Hofier S arache (Jüdischdenisch) vermittelten.! Die bisherigen Arbeiten litten ferner an dem Feh- : ler, daß sie einzelne Stücke mitten aus dem Midrasch herausristdu, z. B. die Josefgeschichte, die Mosessagen, u. s. iv. Mau beginnt seht von mehreren Seiten, die Mischna, den babulonkschen und selbst jernsalemischen Taln"'d tcnen näher zu bringen, die sich an die llrquelle selbst n ehr heranivagen können. Wo bleibt der Midrasch? Der Midrasch, einfach und schließt überseht, ansangend mit wr'x-.. endigendmit b$v*n. Das ist eine Ausgabe, werth des Schweißes eines oder mehrerer vereinigter st'elehrten. Ter Anfang dazu ist in den leigten Wochen trefflich gemacht worden.*) Der Schövsungsbcricht in midraschischer Auslegung liegt nunmehr Vor. In schlichter, aber ansprechender Weise wird hier der Midrasch wörtlich übersetzt. W-isienschartliche Fußnoten unterstützen das tiefere Versiändnist. ohne den Tert zu überivuchern, wie dies so oft der Fall ist. Mögen diesem ersten Heft bald das zweite und. viele andere Nachfolgen, diesem Werke, das verdienstvoll schon dadurch, daß es den Anstoß geben wird zur Nacheiferung. Heben wir noch hervor, daß auch die Ausstattung der Druckerei alle Ehre bereitet, um mit dem Wunsche zu schließen, daß das Buch den Leserkreis finden möge, den es verdient. Ter Verfasser würde vielleicht seinem Zwecke noch mehr dienen, wenn er die wissenschaftlichen Anmerkungen noch mehr einschränken und auf das Notwendigste beschränken wollte. " •) Tie Sckövfunasurkunde nach Darstellung des Mid ras cd von Rabbiner'S. Äauiberger in Wandsbek. — Mainz. Hob. Wirth'sche Hofbnchdruckerci l‘JÜ3. I Hesr. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. . Ztratzburg i. E. (Eine galizisch-jüdischeKolonieinSüdwestdeutschland.) So lautet die Ueberschrift eines interessanten Aufsatzes, den wir in Nr. 1523 der in Czernowitz erscheinenden „Bukowinaer Post" finden. Herr E. Lichtendorf schreibt: Wer an einem Freitag Nachmittag den Ausgängen des Straßburger Bahnhofes einiges Interesse zuwendet. den fesseln unter den ankommenden Reisenden Gestalten, die uns an die orientalischen Märchen aus der Kindheit erinnern. Da kommt ein Mann mit einem Koffer auf dem Rücken in ganz gebückter Haltung, der große schwarze Bart ist ungepflegt, die Kleidung dürftig, und Hut und Siicfel sind „außer Rand und Band"; dort kommt ein anderer - der kleine Handkoffer, den er unterm Arm trägt, scheint schon manchen Siurm erlebt zu haben; auf dem Kopfe sitzen die Ueberreste eines Hutes, der Uebcrzieher ist fadenscheinig und non unbestimmter Farbe, der Gesichrs-ansdruck s-Koch verräth ein tiefinner-'s Behagen. Da wiedee sieh! uran einen kleinen, breitschullrigew Mann mit schleppendem Gang, der Bart ist zerzaust, die Hosen zerfranst, die Miene finster. Dort kommen zwei, drei, dort vier — ein großer Dheil ist auch gut gekleidet, und verschiedenen sicht man es an. - daß sie von der westlichen Kultur ein wenig belebt sind. Die Männer sind hierzulande -mnz ungeivöhn licke Gestalten durch ihre Tracht, vrrrch ihr ''' sit-eten. durch! ihre Sprache und ihre Ge «Kn. ..Gr-'zien" c Kräbrt dem Munde des Hieüaen beim Anblick der Fremden. (5? ist Freitag Nachmittag, da sieben sie ans allen Himmelsgegenden zur Stadt zurück, um am Montag in aller Hergottsstübe, wie sie gekommen, wieder auszu- , schvoärmen. ‘re sind Hausirer, die an Wochentagen im Elsaß und in Lothringen, sowie in der angrenzenden Pfalz und in Baden allerhand Waaren anbieten, so z.B. Messer, Gabeln, Lössel, Seife. Geldbeutel, Kämme, Hosenträger, Knopfe, Strümpfe, Faden. Stricksvolle. '"Tücker. Nadeln und dergleichen mehr. So wandern sie über Land von Dorf zu Dorf, von Gehöft zu Gehöft.! Neben den Männern betreiben auch Frauen und : Mädchen den Haustrbandel, und man findet unter dre-! sen viele sympathische Gestalten, wie sie überhaupt auf die eigene Person und Kleidung mehr Sorgfalt veri wenden. Es sollen in Straßburg an 300 galizisch-jüdische - Hausirer leben, die hausirenden Frauen und Mädchen , inbegriffen. An 150 leben mit ihren Familien, hier. . so daß die Kolonie an 600 Köpfe stark fein durfte; ' einige Familien haben 10—12 Kinder zu ernähren.

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