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Der Israelit · 1904-01-14 · Heft 4 (14.1.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 4 (14.1.1904)
Date
1904-01-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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70 ZettrmgSuachrlchte« ttnb Correspondenze«. 'Ä5t: u r sch l an b. I ^^Etsch, im Jan. Unter Bezugnahme auf einen ini vergangenenLahre an den Regierungs-Präsidenten 'Märienwerder. gerichteten Erlaß des Herrn- Min^ttrs für Händel uyd Gewerbe. welcher durch eine Eingabe des „Central-Derems deutscher Staatsbürger rudischen. Glaubens/ betreffend die Dispensirung jüdischer, Lehrlinge bpn dem Fortbildungs-Schulunterricht an den Sabbaten und Feiertagen veranlaßt worden ist, hätt' ich. mich an den Vorstand der hiesigen Fortbildungsschule gewandt und um die gleiche Vergünstigung für die jühischen Zöglinge gebeten. Mein Gesuch wurde niit beb Begründung abgelehnt, daß der betressende EtläßMr für den . Regierungsbezirk .Marienwerder Giltigkeit Habe.. Auf meine an die Königl. Regierung zu Posen gerichtete Beschwerde ist mir durch den Herrn Mrgermerster der nachstehende Bescheid geworden, den ich, des/ allgemeinen Interesses wegen im Wortlaute iMheile)'?. ... r. r «Auf Ihren, an den Herrn Rezicrungs-Präsidenten,zu Posen gerichteten Antrag auf Befreiung jüdischer Schüser vomrFyrtbildungsschulunterricht theile ich im Aufträge des Herrn Regierungs-Präsidenten ergebenst. Mst, daß , nach dem Erlaß des Herrn Ministers für Handel.und Gewerbe vom 14. November 1902 bezw.. 26. Ndvember.1903 jüdische Schüler auf Antrag der Elfern., oder deren Stellvertreter an .den Samstagen und an den hohen jüdischen Feiertagen von dem Schulbesuch zu dispensiren sind. Sofern der Unterricht in den Abendstunden ertheilt wird, ist mit Rücksicht darauf» - daß? der religiöse Ruhetag am Abend mit Sonnenuntergang endete in der Zeit vom 15. September bis 14.^ März die Dispensation der jüdischen Schüler-nur für den Vorabend, in der übrigen Zeit aber für dey Ruhetag selbst zu genehmigen." Rabbiner Dr. I. C o h n. MLuchen, 10. Jan. (Die „ Iüdenblätter." D a Iüll n g e z i e f e r.") Wenn man die Verhandlungen der 'Abgeordnetenkammer liest, sollte man meinen, ganz Bayern sei voll- Juden, denn es verging in den'jüngsten Verhandlungen fast kein Tag» an dem nicht vop Juden die Rede war. Der konservative Abgeordnet^D^khsprach, über die Juden Folgendes: „Ays Politischen'Gründen.sollte man nie Darlehens-, kaffen-:ünd ^Genossenschaften gründen, Indern nur aus. wirthschaftlichev-, - höchstens-noch .aus Antisemitismus; um nämlich den Juden und Judengenoffenschäften das Wasser abgraben zu können.? Da min Dr. Heim gegenüber d^ A^Ssüh^unsten Memminger's stch..qps -mich Mn .-M Jch^^n^e^wÄl-h^st^^^ennMemminger davor. warnt, sich von den Darlehenslassenvereinen und -Genossenschaften gar zu viel zu versprechen, was sie nicht leisten. Die Hauptschuld daran trägt gerade das Gebühren des Dr. Heim. Wer glauben wollte, daß Dr. Heim ein Freund aller Genossenschaften sei, der ist sehr im Jrrthum. Es hat sehr den Anschein, als ob Dr. Heim die Genossenschaften zu politischen Zwecken in der Hand hat (Abgeordneter Priezer: Hort!), ich will nicht sagen, zu Zentrumszwecken, aber zu Zwecken der Partei Heim innerhalb des Zentrums. Alle die Genossenschaften, welche sich nicht von Dr. Heim dirigiren lassen, alle diese Organisationen haben es zu büßen, (Abg. Prieger: Hört!) und sie können dann in den berühmten Zentrumsblättern „Postzeitung" und „Bayerischer Kurier" gemeine persönliche Angriffe lesen, wie fie selbst die Judenblätter nicht gehässiger schreiben können." — In ganz Bayern gibt es nicht ein einziges politisches sog. „Judenblatt", wozu also diese Phrase? Ferner sagte Herr Bekh: „Anlangend den Haufierhandel, so gäbe es allerdings auch anständige Hausierer, die den reellen Geschäftsleuten viel weniger Schaden zufügen, als die Waarenhäuser; leider nehmen aber auch hier jetzt die Juden sehr überhand, und er höre, daß namentlich die galizischen Juden in Bayern ein förmliches Dorado gefunden haben sollen und das Land mit ihren schlechten Waaren überschwemmen. Diesen Leuten sollte der Minister ordentlich auf die Finger .sehen. Man bekämpft jetzt die Rebläuse und anderes Ungeziefer, warum sollte man nicht auch diese Leute abschaffen können? (Heiterkeit.) , Präsident: „Der Herr Abgeordnete hat . hier Menschen mit Ungeziefer verglichen; ich glaube doch, * daß dieser Vergleich, der Menschen, welche im '„Ebenbild Gottes" erschaffen sind, wie „Alles, was; Menschenantlitz trägt," auf eine Stufe mit Rebläusen?und anderem Ungeziefer bringt, durchaus unzulässig ist. Uebrigens trifft er Menschen, die einem Volke angeh'ören, welchem nicht nur die Propheten, der Psalmsänger David, entstammen, sondern aus dem sogar die Apostel hervorgingen." .... So hätte der Präsident sprechen können, er hat es aber nicht gethan. Im Anfänge der Sitzung führte der erste Präsident. Dr. v. Orterer, den Vorsitz. Aber kurz vor der angeführten Aeußerung hat, nach dem Berichte der „Augsb. Abendzeitung", Vizepräsident von Leistner den Abg. Bekh unterbrochen. Wer den Vorsitz führte, als Bekh den .geschmackvollen Vergleich zog, ist aus dem Berichte nicht -ersichtlich. Daß ein Münchener Blatt schon einmal -wegen groben Unfugs bestraft worden ist, weil es die -Juden mit Ungeziefer verglich, scheint Herrn Bekh und idem Präsidenten entgangen zu sein. So nähert man .sich in München immer mehr dem Tone, welcher im Gei meiyderath, Landtag und Reichs ith in Wien: der Herrschende ist... Herr Dr. Schädler hat dazu jüngst in, -Wiru .dys Beispiel, gegeben, in den? er wünschte, durch .

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