Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1904)
- Date
- 1904-01-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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71 Neuzion ganz von den Juden befreit zu werden «je eher, desto bester." Dieses edle Vorbild des Führers der Partei, des Herrn Domdekan, erweckt bei den kleinen Geistern Nacheiferung. Schwerin a. W. (Schächte« erlaubt.) Nach der bisherigen Schlachthofordnung war im städtischen Schlachthofe das Schächten verboten. Nunmehr hat die Polizeiverwaltung eine dahingehende Bestimmung erlaffen, daß bei dem nach jüdischem Ritus zu schlachtenden Vieh die Betäubung unterbleiben darf. Pose«, 10. Jan. Eine erfreuliche Antwort hat die Regierung zu Posen auf die antisemitischen Tiraden eines hiesigen Korrespondenten deutsch - nationaler Blätter gegeben, die angeblich die Auffassung der leitenden Regierungskreise in Posen widerfpiegeln sollten. Mit Bezug hierauf schreibt die „Posener Zeitung": „Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die Posener Regierung dem mehrfach charakterisirten hiesigen Korrespondenten auswärtiger Blatter völlig fernsteht und daß sie insbesondere nichts mit dem von diesem Herrn aus Anlaß der letztest Stadtverordnetenwahlen in der Provinz Posen veröffentlichten Artikel zu thun hat. Die Regierung ist weit davon-entfernt, die in jenem Artikel zum Ausdruck gebrachten antisemitischen Tendenzen zu billigen, sie wird vielmehr nach wie vor auf das Zusammenfassen aller deutschen Elemente der Provinz großen Werth legen." Zweibrücker». Der Konflikt zwischen Rabbiner und Gemeinde ist leider noch nicht beigelegt. Die Klage der Gemeinde Zweibrücken gegen den Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer wegen Vertragsauflösung wurde zwar durch Urtheil der ersten Zivilkammer des königlichen Landgerichts dahier wegen Unzulässigkeit des Rechtsweges zurückgewiesen, leider aber wird gegen dieses Urtheil von seiten der Kultusgemeinde Berufung beim königlichen Oberlandesgerichte dahier eingelegt werden. Entscheidet das Letztere gleich dem Landgerichte. so liegt der Fall vor. daß die Verwaltungsbehörden — Regierung und Ministerium — sich für unzuständig erklärt haben, weil die Sache zivilrechtlicher Natur und deßhalb den Gerichten unterstellt fei. während andererseits die Gerichte wieder entschieden hätten, daß nicht sie. sondern die Verwaltungsbehörden zuständig seien. Es müßte alsdann von Seiten der Klägerin bei dem Kompetenz-Konfliktshofe in München beantragt werden, daß dieser die Stelle bezeichnet, welche in der Sache Recht zu sprechen hat. Diese also bestimmte Stelle hätte dann endgültig über den Rechts- - streit zu entscheiden. (Ist denn eine friedliche Einigung, absolut unmöglich? Die Red.) ~ .K> *, Oester?r e l-'ch.-:.--:.r * Krakau, (S ch -l acht a und -Iüd den Wahlen in Galizien sind dir Juden großenthtils ) Bundesgenossender regierenden Partei kr 'Schlachter? Die Schlachta versteht es nun in ausgezeichneter Weisel die Versprechungen, die sie zu Wahlzeiten macht, nicht einzuhalten. Xodles oblige. So z. B. haben die Krakauer Schlachzizey zweimal ihr Wort gebrochen. Die konservative Stanczykenpartei hatte beiden Wahlen aus der Stadt Krakau immer einen , schwere». Standpunkt, denn dir Mehrzahl der Wähler ist-dort demokratisch gesinnt und stimmt gewöhnlich für oppositionelle demokratische Kandidaten. Um nun de» konservativen Kandidaten zum Siegle . zu verhelfen, schlossen die Stanczyken mit den Juden, deren politisch«, Organisation der Vorstand der. KultüSgemeinde. .darstellt. einen Pakt, laut welchem von den vier Landtags- Mandaten der Stadt Krakau drei den Konservatives, und eines den Juden zufallen sollte. Die Juden hiel-- ten ihr Wort ein und stimmten für dre Konservativen^ Aber eine ansehnliche Zahl konservativer christliche^ Wähler stimmte nur für die drei Christen, und die Folge davon war, daß drei Konservative gewählt wurden, während das vierte Mcindat bei der Stichwahl einem christlichen Demokraten in die Hände fiel. Dünn, wurde wieder eine Abmachung bezüglich der Wahl, des Stadtpräsidiums getroffen, und wieder sind die Juden aufgesessen. Für die Unterstützung eines Konservativen, bei seiner Bewerbung um die Stelle des Dizebüxgermeisters sollte ein Jude die Stelle eines Direktors der städtischen Sparkasse bekommen Doch nach Vollziehung der Wahl des konservativen VizebürgermeisterS beschloß der Gemeinderath, von der Besetzung, der Stelle eines überzähligen Direktors her Sparkaffe A.bstand zu nehmen. Vielleicht werden die Judenddch durch den Schaden klug werden.' ... ... .. Bel g l e n. «vf Antwerpen, 11. Jan. Diesen Samstag wär-der. Rabbiner von Valenciennes, Herr Felix MeyrrT hier zur Probepredigt. Freitag Abends-predigte er: französisch und Samstag? deutsch. ' Wie verlautete wird er zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt- . werden.-. . . r >• i\ Rußland. BobrniSk, im Jan. Ein hiesiger hervorragendes Zionistenführer, Herr - M. L o s i n s k y. ein * sehr' frommer Mann, Schüler des Berliner Rabbkntt-' Seminars, starb vor einigen-Wochen.- Seine Mütter stiftete aus diesem Anlaß 1000 Rubel füt die jüdischt Bibliothek in Jerusalem und gab 7000 Rubel zUt-Dttgrößerung der hiesigen jüdischen Volksküche.' Mkt dem- 'Zionismus scheint es'etwas kühiger gewordenM sich;!