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Der Israelit · 1904-01-14 · Heft 4 (14.1.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 4 (14.1.1904)
Date
1904-01-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. xde Aeilage zu js 4 Ms „Ksraetit". ki» $lfl Mt» Hm««»«ktllach ».Stil, Iottsälts'. Es ist eine allbekannte Thatsache, daß wenn i?ch zwei Leute streiten, der Dritte leicht Nutzen daraus zieht. Unsere Stellung, die der Juden nämlich, ist ebenso, und umgekehrt, wir pflegen gewöhnlich immer auch da mit in's Spiel gezogen zu werden, wo stch zwei Fremde streiten. War da eine preußische Generalsynode, auf welcher die Frage aufgeworfen wurde: „Ob das Duell Sünde sei oder nicht?" Merkwürdigerweise meinte der eine der Herren Synodalen, daß es zwar eine Sünde sei, aber die Ehre vor den Menschen sei mehr zu wahren, als die Ehre vor Gott. Der andere — Herr von Gerlach — ging noch weiter, und erklärte das Duell als ein Akt berechtigter Nothwehr, ein Krieg en minialure und so wenig dieser Sünde sei, sei es auch das Duell. Ueber diese Anschauung groß Entsetzen bei zwei Seiten, nämlich erstens von Freund Stöcker, der da nicht gern hat. wenn man jetzt über die Generalsynode hämische Bemerkungen machen wird, und zweitens bei dem „Vorwärts", der stch nicht darüber beruhigen kann, daß Vertreter solcher Anschauungen Mitglieder christlicher Generalsynoden sind und ihnen räthou cst la juive --zum Iudenthum überzutreten, welches nach maßgebender Ansicht der Redaktion des „Vorwärts" der richtige Schlupfwinkel für finstere Rachegedanken ist. . . Racbeaebot des alten Testaments . . . Aug um Auge, Zahn um Zahn.. . und wie der erbaulichen Dinge mehr sind. Daß der „Vorwärts" seine Bibelauslegung des „Auge um Auge" dem Judenthum in die Schuhe schiebt, und die im Talmud als 2 :7; gegebene, als rechtsgültig festgesetzte. ignorirt, nehmen wir ihm nicht übel. Ein „Vorwärts-"Redakteur braucht keine talmudischen Studien zu betreiben, aber etwas Logik darf man doch erwarten. Also es handelt sich darum, ob das Juden tl-um gestattet, die vermeintlich oder wirklich verletzte Ehre selbst zu rachen. Als Beweis dafür, daß das Judenthum das Duell gutheißt, spricht der „Vorwärts" vom „Rache-Gott." Unser bischen Menschenverstand folgert das Gegentheil. und meint gerade, weil „der Herr gesprochen": „Mein ist die Rache", so ist die Celbstrache und damit das Duell ausgeschlossen. Wo gibt's Menschen, die es verstehen, wie wir Juden unser Blut — das wahrlich ebenso heiß ist, wie arisches — j zu dämmen und zu zügeln unsere Leidenschaften, auf- ... zuhalteN die zum Schlage erhobene Hand. Und nicht zum geringsten Theil hat an unserer Selbstbe-., herrschungsgabe jenes Verbot o*.p'n rrtz „N i.ch^ . .. rächen und nicht nachtragen sollst du,^..>- schuld. ' . *' Wie oft hat man uns. sowohl aus Unwissenheit.. . als auch aus Böswilligkeit, unser Gebet um Wche . vorgeworfen, wie klug dünkten sich die Herren Re- . former, wenn sie diesen „Stein des Anstoßes.7 . dieses. „Ueberbleibsel einer barbarischen Zeit." fein säü6erlich aus dem Wege geschafft hatten. Und doch zeigt' 'uns. : . auf Gottes weitem Erdenrunde noch ein zweites VE . das verachtet, verfehmt, verfolgt bis auf's Blut. ’ an . seinen Verfolgern und Pressern sich nicht vergreift', sondern nur die Bitte zu dem gerechten Richter der. . Menschen aus dem gequälten Herzen emporschreit, daß er sich der verfolgten Wahrheit und Unschuld annehme. fyp b'jn Jakobs Stärke ist nur sein Gebet,, während Esau's Kraft in seinen Muskeln, liegt. Aber abgesehen von dem Gesagten liegt noch eine . andere tiefe Wahrheit darin, daß wir Gott die Sache überlassen. Der Begriff der Rache hat nur eine. Berechtigung, wenn das zu sühnende Unrecht wieder gut gemacht wird, wenn gezeigt wird, daß zuletzt das. Unrecht doch nicht triumphirt, daß das Gute zuletzt doch den Sieg davon trägt. Das ist die hohe, sittliche'und einzig berechtigte Bedeutung der Rache. Wer aber hier auf Erden ein Unrecht thnt. auch gegen, seine Mitmenschen. der hat in allererster Reihe nicht gegen diese, sondern gegen Gott sich vergangen, der die Gesetze von . Gut und Böse geschaffen, und sie im Menschenkreise befolgt wissen will. Das Recht auf Rache hat demzufolge der Geschädigte gar nicht, sondern nur, Gots, dessen Wille unerfüllt geblieben. Und die Strafe Gottes allein ist es. welche als warnendes Beispiel sitt- , . lich fördernd wirken kann. Darum hat Gott ge- , . sprachen: cHn er: 'b Für meine heilige Sache iftX wenn ich rächend die Verletzung meines. Willens ahnde.' ' . .. Und dieser Gedanke ist's, der uns z. P. das Ab hörachamim"-Gebet sprechen läßt, der uns den allmächtigen _ Richter anrufen läßt, daß er zeigen möge, daß nicht'/" umsonst jene Märtyrer der Wahrheit geworben, sondern, . / für alle Zelten ein leuchtendes Vorbild der Enkel seist/.', möaen. Die Her ren Gebe tbüche rversasser - aber., du /, , da ängstlich bemüht waren, jedes, Wort, .das "nur an . „Rache" erinnert, aus den Gebetbüchern zu streichen,. die sind die Ursache gewesen für die falsche Astschauüna^ die über die Art dieser „Rache" herrschte, deren Aus- "* wuchs jener ,.Vorw8rts"-Artikel ist. . X.

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