Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1904)
- Date
- 1904-01-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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5t Verstorbene in seiner beispiellosen Humanität Niemandem versagte. Und was die Freundschaft anbetrifst — nun, die Freundschaft Justizrath Hirsch's war eine Perle, die dieser sich wohl gehütet haben wird, vor das „Franks. Jsr. Familienblatt" zu werfen, das ihm, wie wir genau wissen, durch seine theils gänzliche Farblosigkeit, theils zionistische Uebertünchung, durchaus missfallen musste und missfallen hat. Wir theilen seinen Geschmack. Breslau, 9. Jan. Heute früh verschied nach kurzem, schweren Leiden die Wittwe des bekannten früheren hiesigen Rabbiners Dr. I o L!, im Alter von 69 Jahren. Frau Joel war die Schwiegermutter des Nürnberger Rabbiners Herrn Dr. Ziemlich, sowie des Bambergcr Rabbiners Herrn Dr. E ck st e i n. Eharlottenburg. (Kanaan in vorisraelitischer Zeit.) Der in weiten Kreisen bekannte Pfarrer Dr. A. I e r e m i a s an der Leipziger Luther- Kirche hielt dieser Tage vor Mitgliedern der Vorderasiatischen Gesellschaft und zahlreichen Hörern aus den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung im Musiksaale der neuen Charlottenburger Hochschule einen durch die Fülle des dargebotenen thatsächlichen Materials wie durch die vielfachen allgemeinen Anregungen ungemein interessanten Vortrag über das Thema „Kanaan in vorisraelitischer Zeit." Dem Redner gelang es, durch die anschauliche Art seines Vortrages sowie durch eine ausserordentlich geschickte Verwerthung sowohl der litterarischen wie der künstlerischen Funde aus jenen Urzeiten der Menschheitsgeschichte die Hörer in der gespanntesten Aufmerksamkeit zu erhalten und ihm auf ein doch im Ganzen für die Laien schwer zugängliches Gebiet zu folgen. Herr Dr. Jeremias wies mit Hilfe schöner Lichtbilder nach, daß schon in den entrücktesten Vorzeiten unserer Geschichte, zurückgehend bis auf das vierte Jahrtausend unserer Zeitrechnung, ein ungemein lebendiger Zusammenhang zwischen den großen zentralasiatischen Weltmonarchien einerseits und dem sogenannten Westlande, sowie Egypten andererseits bestanden hat. Man kann vielleicht die Behauptung aufstellen, daß ein Theil des vorderasiatischen Gebietes, Syrien. Kanaan, eine Art von Pufferstaat zu einer Zeit gebildet haben mag zwischen Egypten und den zentralasiatischen Großstaaten, namentlich Babylon. Es ist durch die neuerdings gemachten litterarischen Funde nachgewiesen, daß thatsächlich Kanaan von babylonischen Kulturelementen förmlich durchseht gewesen sein muß. Der Vortragende brachte aus den in der letzten Zeit entzifferten Keilschriften und namentlich aus den neuerdings entzifferten Papyrusfunden eine Fülle von Mittheilungen, die eine frappante Aehnlichkeit mit vielen der bekannten Erzählungen aus dem ersten Buche Moses daboten. Aus der Frühzeit des vorisraelitischen Kanaan, das damals noch Emori hieß, gab Herr Dr. Jeremias eine Anzahl interessanter litterarischer Proben und eine Fülle von bildnerischen Darstellungen, die durch ihre Kunst geradezu verblüffend wirken. Besonders hervorzuheben ist die Nachbildung des Siegelcylinders des sagenumwobenen Königs Sargon von Lagasch. Ferner die Abbildung einer wundervollen Silbervase aus dem Funde von Felloh. sowie eines Merkurstabcs von der Vase des Königs Gudea. Alle diese künstlerischen Reste stammen aus dem vierten Jahrtausend vor der gew. Zeitrechnung. Im Verlaufe seines Vortrages erörterte Herr Dr. Jeremias eingehend die Denkmäler von Nahr-el-Kelb, würdigte die sog. Hammurabi-Zeit eingehend und kam ausführlich auf die politischen Beziehungen zwischen Egypten und Syrien zu sprechen. Er schilderte in großen Zügen die Oberherrschaft zur Zeit Tutmes III., um dann mit der Amasua-Zeit unter Amanöphis III. und I V. abzuschließen. Sehr interessante Streiflichter ließ Herr Dr. Jerimas auf das romantische Volk der Hetiter fallen, dessen litterarische Denkmäler noch unentziffert sind. Merkwürdig ist es, wie der Vortragende mit Recht hervorhob, daß in Palästina selbst noch so wenig Funde gemacht werden konnten. Allein man darf sich nach einigen unerwarteten Ausgrabungsergebnissen des Wiener Professors Sellin der Hoffnung hingeben, daß es nach und nach doch gelingen, werde, dem palästinensischen Boden weitere werthvolle' archäologische Schätze abzuringen. München. Ani Sonntag, 3. Januar, wurde die Kunstausstellung der Bildergallerie der Gebrüder Hei ne mann in dem neuen Prachtbaue am Maximiliansplatz eröffnet. Seine kgl. Hoheit der Prinzregent, sowie der Prinz Leopold, Prinzessin Therese, die Minister von Krailsheim Ex. Riedel, von Wehner und der erste Bürgermeister Hofrath Dr. v. Boescht waren erschienen, und verweilten über eine Stunde. Seine Kgl. Hoheit der Prinzregent sprach seine volle Befried digung aus sowohl bezügl. der Arrangements, als auch der ausgestellten Bilder. Vor mehreren Tagen machte der hohe Herr in der Heinemann'schen Bildergallerie , Prinzregentenstraße, mehrere Einkäufe. — Die hiesige Religionsgesellschaft .tsjv:5' will eine eigene neue Synagoge erbauen lassen, da der Raum in dem bisherigen Betlokal, Baderstraße 65, bereits die Mitglieder nicht mehr fassen kann. O e st e r r e i ch. Prag, 1. Dez. (Absichtlich verspätet.) Am letzten^ Erew Chodesch wurde hier eine nen in des Wortes wahrster Bedeutung zu Grabe getragen. Es war dies die fromme und gottesfürchtige Gattin des in weitesten Kreisen bestbekannten Herrn Stiftsrabbiner Austerlitz enn Frau Cäcilie Austerlitz geb. Graf. Ohne mit Glücksgütern gesegnet zu sein, war sie stets bestrebt in ihrem engen Wirkungskreise