Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1904)
- Date
- 1904-01-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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50 Das Zusammenschlagen eines stößigen Rindes: ist Thierqualerei; das Entkommenlassen eines angeschossenen Wildes: ist keine Thierqualerei. Der Fußtransport eines Kalbes, das erst 27 Tage alt ist, ohne Mütter: das ist Thierqualerei; wenn dasselbe 28 Tage alt ist: dann ist es keine Thierqualerei. (Regierungs-Anordnung von Wiesbaden.) Der Fußtransport eines Kalbes, das 8 Tage alt ist, ohne Mutter, 1 Kilometer Wegs: . das ist Thierqualerei; dasselbe mit der Mutter auf 60 Kilometer Wegs: ist keine Thierqualerei. (Regierungs-Anordnung von Wiesbaden.) ' Wenn ein armer Teufel einen Hund beim Ziehen stark änfirengt: das ist Thierqualerei; eine Meute auf ein Wild zu hetzen: ist keine Thierqualerei. Wenn ein Fleischer ein Kalb am Halsstrick zerrt: so ist das eine Thierqualerei; das Coupiren der Pferde: ist keine Thier—Schinderei. 'Wenn ein Geflügelhändler ein Huhn verkehrt anfaßt: so ist es eine Thierqualerei; die Gefangenschaft der Singvögel: ist keine herzlose Thierqualerei. Das Aufsitzen des ermüdeten Hundewagenführers: das ist eine Thierqualerei; das Stutzen der Ohren der Hunde: ist keine Thierqualerei. Hieraus kann man ersehen, daß die Liebe zu den Thieren oftmals, leider zu oft. sonderbare Blüthen treiben kann und dabei nicht selten die Nächstenliebe, die Menschenliebe, rücksichtslos verleugnet wird, der Mensch eine Stellung unter dem Thiere angewiesen bekommt. also in seiner Menschenwürde tief verletzt wird! Zettrmg§rrach*rHterr rmd Eorrespo«de«ze» Deutschland. F. Berlin. Heber die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika wollen wir an der Hand des von Cyrus Adler herausgegebenen diesjährigen „The Amerikan Jewish Jear Booknachstehende. für jeden gebildeten Juden überaus lehrreichen Daten geben. Im Jahre 1818 wurde die Zahl der in Nordamerika wohnenden Juden von dem bekannten Mordechai M. Noah auf nur 3000 geschätzt. Der in Folge der Deutschthümelei zu jener Kit in Deutschland herrschende Antisemitsmus hat es bewirkt, daß 30 Jahre später dir Vereinigten Staaten bereits 50,000 Juden zählte, welche namentlich aus SüddeMMaud eingewandert waren. Die Einwanderung aus Deutschland hielt auch nach 1848 an, aber bereits am Beginn der 60er Jahre fangen auch die russischen Juden, namentlich aus Westrutzland an, sich lebhaft an der jüdischen Immigration zu betheiligen. Die Zahl der Juden in Nordamerika steigt deshalb rapid und erreichte in den nächstfolgenden 30 Jahren die Höhe von 230,000 Seelen. Die eigentliche jüdische Einwanderung in den großen Freistaat jenseits des Atlantischen Oceans beginnt aber erst mit dem Anfänge der achtziger Jahre des eben verflossenen Jahrhunderts, da der Antisemitismus nach einer dreißigjährigen Ruhepause von Neuem seinen Siegeszug durch das alte Europa antrat und in Rußland zu zahlreichen Judenkrawallen und zur Dekretirung der berüchtigten „provisorischen- Maigesetze geführt hat. Die Flucht der Juden aus Europa nahm daraufhin derartige Dimensionen an. daß die Vereinigten Staaten sich bereits nach kaum acht Jahren im Besitze einer jüdischen Bevölkerung von ca. 400,000 Seelen. Die jährliche Einwanderung betrug für diese Zeit im Durchschnitt ca. 21,000 Seelen gegen nur 6000 jährlich in den vorhergegangenen dreißig Jahren. Frankfurt a. M., 10. Jan. In der letzten Nummer des hiesigen „Jsr. Familienblattesfindet sich ein Nachruf auf Justizrath Dr. Naftali Hirsch s. A., der neben manchen anderen Jrrthümern — Verfasser läßt z. B. Jnstizrath Hirsch am selben Tag sterben, wie seinen großen Vater, eine Unwissenheit, über die Jeder bei uns in Frankfurt M. die Achseln zuckt — auch die Behauptung enthalt, der Verstorbene sei ein „Freund und gelegentlicher Mitarbeitergenannten Blattes gewesen. Wie wir von wohlunterrichteter Seite erfahren, ist es mit beiden Attributen nicht weit her. Die Mitarbeiterschaft soll sich auf einige hie und da in schriftlicher Form — zur Vermeidung von Mißverständnissen erteilte Auskünfte »ach vorher erfolgter Anfrage beschränkt haben; einen Dienst, den der