Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1904)
- Date
- 1904-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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46 stelle gefunden wurden, sammeln und auf dem jetzigen israelitischen Friedhof in einem Massengrabe beisetzen. Einge Tage später versammelte Herr Oderrabbiner Dr. Netter die israelitische Gemeinde an der neuen Grabstätte. Nachdem die im Talar erschienenen Religionsdiener der Gemeinde verschiedene, der Bedeutung der Feier entsprechende Psalmen rezitirt hatten, ergriff Oberrabbiner Dr. Netter das Wort und schilderte mit zu Herzen gehenden Worten den Zweck der Versammlung; ft gedachte der großen jüdischen Gelehrten, deren Gebeine überführt werden mußten und ermahnte die Gemeinde, die Religion, wie dieses ihre Vorgänger gethan. als höchstes Gut hochzuhalten. Auf jeden einzelnen der Anwesenden hat die vortreffliche Rede des Oberrabbiners einen tiefen Eindruck gemacht. Xantcn, 8. Jan. Der frühere Bürgermeister Schloß ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Der Name des Bürgermeisters ist wohl noch aus dem Lantener Prozeß in vieler Leser Erinnerung geblieben. Der Verstorbene, der sich von dem damaligen Treiben nicht beeinflussen ließ, hat sich um die von ihm verwaltete Stadt mancherlei Verdienste erworben. Oesterreich. Wien, 5. Jan. Die Kischinewer Juden erzählten in Bukarest, es seien umfassende Maßregeln zum Schutz gegen die Ruhestörungen, welche für die orthodoxe Weihnachtsfeier beabsichtigt waren, getroffen worden. Für die Feiertage wurden aber trotzdem von den Juden viele Pässe ins Ausland verlangt, aber nicht ausgefolgt, da die Behörden jede Gefahr bestreiten. Rumänien. Bukarest. Die Gemeinde Vraila sandte an alle anderen Landesgemeinden das folgende Rundschreiben: „Den vom Kongreß der jüdischen Gemeinden zu Jassy getroffenen Verfügungen gemäß, haben wir den Eidschwur in der Synagoge verboten und unterem Rabbiner untersagt, einer solchen Eidesleistung beizuwohnen. Da von der Verfassung die freie Religionsübung zugesichert wird, so steht es nicht in der Macht irgend einer Behörde zu befehlen, daß ein Tempel oder eine Svnagoge zu einer Eidesleistung, nämlich im weltlichen Interesse, einer Privatperson geöffnet werde. So wie es den Priestern anderer Konfessionen nicht zukommt einer Eidesleistung beizuwohnen. so sollen sich auch unsere Rabbiner nicht daran betheiligrn. da ihre Anwesenheit bei solcher nicht religiösen Angelegenheit der Würde unserer Religion widerspricht, bei solcher nicht religiösen Angelegenheit der Würde unserer Religion widerspricht. Unserer Ansicht waren zu wiederholten Malen manche Gerichtshöfe und Ortsgerichte; sie verzichteten auf die Synagoge und auf das Beisein des Rabbiners bei der Eidesleistung. Wir bitten Sie also, dem von uns gegebenen Beispiel zu folgen. Sicher ist. daß wenn alle Gemeinden so verfahren, dem Eid „More judaico" und der abgesonderten Lage, die für die Juden dadurch' entsteht, bald ein Ende gemacht sein wird; auch wird es mit diesem Possenspiel, das unserer Glaubensgenossen unwürdig ist, zu Ende sein.* Amerika. Nclv-Z)ork, 4. Jan. (Roosevelt intervenirt nicht zu Gunsten der russischen Juden.) Präsident Roosevelt hat es vorgezogen, sich nicht zum zweiten Male in Petersburg eine Abweisung zu holen. Der Vertreter der New-d)orker Israeliten, der frühere Generalkonsul Wolfs, wurde von ihm nicht empfangen. und als er beim stellvertetenden Staatssekretär Loomis vorsprach, dementirte dieser auf Grund eines offiziellen Berichts des amerikanischen Konsular-Agenten in Odessa die Meldung überhaupt, daß eine neue Judenhetze einsetze. Dieses Dementi Lberhebt nach Ansicht der amerikanischen Regierung diese aller weiteren Schritte in dieser Angelegenheit. Herr Wolfs versuchte dann den deutschen Gesandten Speck von Sternburg für die Sache der russischen Juden zu interessiren. wurde aber von ihm, als er den Zweck seines Besuches angab. nicht empfangen. Palästina. Jerusalem. Hier ist starker Regen und Kälte eingetreten. worunter besonders die arme Bevölkerung stark leidet. Die Verwaltung der Blumenthalschule, die von vielen armen Waisenkindern besucht wird, richtet an die geehrten Leser des „Israelit* die ergebenste Bitte, ihr für diese bedauernswerthe Kinder baldmöglich warme Kleider zukommen lassen zu wollen. Feuilleton. ^Rahrheit und Wichtung. Von Friedrich Rott. m „Ich würde mich in Wirklichkeit glücklich schätzen, wenn Herr Krawanni durch meine Aufsicht recht großen Nutzen haben würde, und ich werde nach dieser Richtung mein Möglichstes thun.* „Das weiß ich und das weiß der Krawanni auch und eben deßhalb behaupte ich. er hat noch ein weit besseres Geschäft gemacht, als Sie. Aber rvas werden Sie mit Ihrem Geschäft hier anfangen?*