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Der Israelit · 1904-01-11 · Heft 3 (11.1.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 3 (11.1.1904)
Date
1904-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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46 beschaffen bei der Oppelner Handeltammer vorstellig zu werden, sie möge den Reichskanzler bitten, beim Abschluß des deutsch-russischen Handelsvertrags dahin zu wirken, daß selbstständigen Kausleuten und ihren Angestellten, welche deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind, der Aufenthalt in Rußland zur Aswickelung ihrer Handelgeschaste in gleicher Weise gestattet werde, wie nichtjüdischen Handlungsreisenden. Gleichzeitig soll der Reichskanzler durch Vermittelung der Oppelner Handelskammer in einer eingehend begründeten Eingabe angegange» lverden, nach Kräften dahin einzutrcten, überhaupt eine Reziprozität in der Behandlung deutscher Handlungsreisender in Rußland und russischer Handlungsreisender in Deutschland anzustreben. Zur Begründung wurde unter anderen ausgesührt, daß deutsche Handlungsreisende in Rußland 260 Rubel, solche jüdischen Glaubens sogar 725 Rubel ..Kopftteuer" bezahlen und ihre Waarenmuster verzollen müssen, «aahrend russische Reisende in Deutschland von diesen Lasten verschont sind, und daß jüdische Handlungsreisende den bekannten Paßschwierigkeiten und sonstigen Verunglimpfung^. in Rußland ausgesetzt sind. Der Vereinsvorstand wurde schließlich beauftragt. die Petition zugleich den kaufmännischen Körperschaften aller östlichen Grenzprovinzen zugängig zu machen. damit diese in ähnlichem Sinne Vorgehen. Es soll besonders betont wc ".<n, daß die Tendenz der Anträge keinen konfessionellen, sondern einen rein wirthschaftlichen Charakter trage. Mülhausen (Ober-Elsaß). 6. Jan. Bei den isr. Konsisiorialwahlen im Ober-Elsaß vom 27. Dezember 1903 waren 2002 Wähler eingeschrieben' und wurden 848 Stimmen abgegeben; gewählt und ernannt wurden Lazare La n tz mit 857 Stimmen, Dr. H i r H mit 804 Stimmen. Lucien Mannheimer mit 789 Stimmen. Die Gründe zu erforschen. warum zwei Drittel der eingeschriebenen Wähler durch ihre Abwesenheit von der Wahlurne glänzten, wäre sehr interessant. Am 12. November bat der hiesige Gemeinderath 4000 Mk. für die hiesige israelitische Gewerbeschule mit 15 gegen 14 Stimmen bewilligt, auch zwei Sozialdemokraten stimmten dafür, Für die nächsten Jahre aber soll der Zuschuß nicht mehr bewilligt werden. Bekanntlich hat die Ablehnung des Zuschusses zu einer Krise im Gemeinderatb Anlaß gegeben, in deren Verlauf das Gemeinderath-Mitgked. Fabrikant Molach, aus dem Gemein deratb austrat. In der Sitzung vom 25. März hatte die sozialdemokratische Nathhausmehrheit der hiesigen Stadt die bisherigen Besoldungen der hiesigen katholischen Vikare;« Höhe von 22,000 Mk.. sowie dev den protestantischen und katholischen Pfarrern «ad dem Rabbiner bisher gewahrten städtischen Zuschuß von 11,000 Mk. gestrichen. weil die Gehalter da Vikare nach Ansicht der sozialdemokratischen Gemeinderaths - Fraktion keine direkten Pflichtausgaben der Stadt im Sinne der Gemeindeordnung dar stellen, und der Gemeinderath in seiner Mehrheit grundsätzlicher Gegner der Bewilligung öffentlicher Mittel für konfessionelle Zwecke ist. Auf Beschwerde der geschädigten Vikare hat nun nach sehr langer — mehrmonatilcher — Erwägung der Bezirks- Präsident, mit Zustimmung des Ministeriums, am Tage vor den christlichen Feiertagen entschieden, daß die im Budget der Gemeinde Mülhausengestrichenen Gehälter der latholischen Pfarrer als Pflichtausgaben der Gemeinde zu betrachten seien. Für uns Israeliten hat die Entscheidung des Vezirkspräsidenten insofern eine schwerwiegende Bedeutung, als, wie ich ' von zuverlässiger Quelle höre, die getroffene Maßnahme nur auf die Subventionen der katholischen Vikare Bezug hak, nicht aber auch auf die Streichung des bisher dem hie-! sigen Rabbiner gewährten Zuschusses. Es ist nun die! Frage, welche Stellung hat das israelitische Konsisto-! rtum des Ober-Elsaß der Seitens des Mühlhausener Gcmeideraths, bezüglich der Streichung des bisher dem Mühlhausener Rabbiner gewährten Zuschusses getroffenen Maßnahme gegenüber genommen? Es handelt sich hier nicht ausschließlich um eine Geldfrage, sondern hauptsächlich um eine Prinzipienfrage, um die Gleichberechtigung der Konfessionen, die im Reickslande bisher im Allgemeinen aufrecht gehalten wird; auch handelt es sich nicht nur um eine Frage, die im Rahmen der Gemcindepolitik von einer einzelnen Stadt gelöst werden kann, sondern es ist eine Frage, die für alle mit Rabbmatsschen größeren Gemeinden des Ober- Elsaß in Beteracht kommen könnte, weil die Gemeinde Mühlhausen tonangebend für ganz Ober-Elsaß ist — deren Lösung einzig und allein in den Händen des israelitischen Konsistoriums des Ober-Elsaß liegt. Bilden ja die drei reichsländischen israelitischen Konsistorien die vermittelnden Behörden zwischen Rabbiner und israelitische Gemeinde einerseits und Rabbiner oder israelitische Gemeinde und Negierung andererseits. Eben erfahre ich von einer auf dem Metzer neuen israelitischen Friedhofe stattgefundenen erhebenden Feier. Bekanntlich befindet sich zu beiden Seiten der Straße direkt vor dem Friedhofsthor ein ehemaliger israelitischer Friedhof, der von 1585 bis 1793, also über 200 Jahre, den Israeliten der Stadt Metz als Friedhof diente. Seit dieser Zeit war die Ruhestätte als Eigenthum der israelitischen Gemeinde betrachtet worden, bis vor einigen Jahren die Militärverwaltung dieses Terrain als Eigenthum beanspruchte. Es kam zum Prozeß und die Militärverwaltung siegte in oberster Instanz. Vor Kurzem wurden nun militärische Gebäude auf dieses Terrain gebaut. Es ist bekannt, wie sehr die jüdische Religion auf die Ehrung ihrer Todten hält. Diesem Grundsätze getreu, ließ das israelitische Konsistorium die Gebeine, die auf der Bau-

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