Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1904)
- Date
- 1904-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2449990--59845-2520690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 nämlich bedenken, daß das Volk Israel, dem man von Seiten der Aegypter die Schuld an den Plagen und der Verwüstung des Landes beimatz, im Pharaonenlande gehaßt und angefeindet war. so muß es uns geradezu mit Verwunderung erfüllen, daß diese Feinde mit einem Male nun noch kurz vor dem Auszüge Israels so freigebig werden und gutwillig ihre besten Schätze. Gold und Silber, dahingeben. Um diese Anwandlung von Großmuth einigermaßen zu begreifen, müssen wir jedoch in Erwägung ziehen, daß die Israeliten unmöglich alle ihre Hausgeräthe mit sich fortführen konnten, daß sie vielmehr einen großen Theil ihrer beweglichen Habe und alle unbeweglichen Güter (s. 1. B. M. 47, 27) den Aegyptern zurücklassen mußten. Aber noch immer gehörte p.bie Gunst Gottes, dazu, um die Aegypter zu einem annehmbaren Tausch geneigt zu machen. So hatten die Israeliten bei ihrem Auszuge noch nicht ein vnri großes, vermehrtes Eigenthum. sondern nur einen Entgelt für die zurückaelassene Habe erhalten. Erst am Meere erfüllte Gott die volle Verheißung, indem er seinem Volke eine große Beute zu Theil werden ließ. Dies aber beweisen die Alten durch die Worte der Schrift rx bxw* xii 2'N bv no Israel sah die Aegypter. (welche) lobt am Ufer des Meeres (lagen). Das Meer hatte nämlich die Verfolger, nachdem diese in den Fluthen den Tod gefunden, an das Land gespült, und mit ihnen alle die Schätze, die sie mit sich geführt hatten. Diese sielen nun den Kindern Israels als Beute anheim, und die Verheißuno v'iz ifo'c p war damit erfüllt. II. Der zweite Grund für b» «wp war aD’pnV» nii? Israel vermittels der Ehrenwolkcn zu umgeben und zu schützen. Nach dem Auszuge aus Aegypten zog nach dem Bericht der Schrift die Wolkensäule den Kindern Israels bei Tage voran, und in der Nacht leuchtete die Feuersäule. In der Entscheidungsnacht am Meere ließ Gott nicht wie sonst die dunkle Tageswolke verschwinden, sondern Er ließ sie am Himmel im Rücken Israels bestehen, also daß sie zwischen dem Lager Israels und dem der Aegypter stand und hier alles mit Finsterniß umgab, während die Feuersäule den Weg Israels durch's Meer taghell erleuchtete. Die Folae war: nb'N bm bx ni 2*1 p x* Erst mit Tagesanbruch, als bereits Israel am jenseitigen Ufer des Schilfmeeres war. konnten die Aegypter ihren Weg sortsehen. Sie geriethen dabei in's Meer, das alle in seinen Wellen begrub. So hatten die Wolken Israel umgeben und geschützt. Warum, aber hatte Gott gerade diese zur Vermittlung seines Schuhes erwählt? Nun, das in zweifacher Absicht: zur Belehrung für die Aegypter und zur Ermunterung für Israel. Pharao war Astrologe und glaubte aus dem Stande der Himmelsgestirne Israels Schicksale herauslesen zu können, seine Prophezeiungen in dieser Beziehung aber besagten nichts Gutes. Wir erinnern uns. daß der König schon vor Eintritt der achten Plage die Erlaubniß zum Fortzuge mit einer kleinen Einschränkung gegeben hatte, und daß er bei dieser Gelegenheit die Worte, die wie eine ernste Mahnung klingen, den Gottesboten entgegenrust: nzz nvn "o un =2':b „Sehet, daß Böses vor eurem Angesichte steht! (2. B. M.. 10. 10.) Der Midrasch deutet bekanntlich diese räthselhaften Worte folgendermaßen: Pharao wollte zu Mosche und Aron sagen: „Ich lasse euch alle ja gerne ziehen, aber in eurem eigenen Interesse rathe ich euch, von eurem Begehren abzulaffen; denn ich sehe aus der Konstellation der Sterne nur den njn den Unglücksstern hervorleuchten." Diese Mahnung des - Köngs, der sicherlich schon oft Proben seiner Wahrsagerkunst gegeben, war gewiß auch den Mitgliedern des Volkes Israel nicht geheim und ebenso sicher nicht ohne Eindruck auf deren Gemüther geblieben. Wir entnehmen dies aus dem Vorwurf, den sie dem Mosche in der großen Noth am Meere machten. „Haben wir dir in Aegypten nicht schon gesagt: Laß ab von uns. daß wir den Aegyptern dienen; denn besser den Aegyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben!" Also schon in Aegypten wollten sie Kenntniß von unglückseligen Schicksalen in der Wüste erlangt haben, und wir! gehen sicherlich nicht fehl bei der Annahme, daß diese Kenntniß von der angeblichen Wissenschaft des Königs herrühre. Diese Wissenschaft nun mußte in der W ü st e vor den Augen der Israeliten und Aegypter zu Schanden (gemacht) und beiden Theilen einleuchtend gemacht werden, daß Gott auch als ■m? als -mt* WiPön Beseitiget der Konstellation, über dem All steht. Um dies zu bewerkstelligen, mußten T.23 i n der Wüste ihr Schutzwerk vollfuhren. iir. Der dritte Grund für das Wunder am Meere war nach dem Midrasch cn r» vb znpdi das Meer vor den Augen von ^sns» bz zu spalten. Die Trockenlegung des Schilfmeeres für die Zeit des Durchszuges unserer Väter und das Zusammenschlagen der Wellen über den Köpfen der Feinde war ein Ereigniß. das Israel nicht bloß mit Staunen, Begeisterung und Freude erfüllen mußte, sondern auch den Glauben an die göttliche Sendung Mosche's zur Folge hatte. Der Auszug aus Aegypten an und für sich allein hatte es nicht'vermocht, die Gläubigkeit Gesammtisraels herbeizuführen; denn im Volke lebte durch Tradition der Glaube an ein vierhundertjähriges Sklavenlos. dessen Ende man beim Auftreten Mosches und beim Auszuge aus Aegypten noch nicht als gekommen berechnete. Viele in Israel betrachteten den Exodus gar nicht als Gottes Werk, ja. sie waren von dem Wahne befangen, daß dieser nicht einmal nach dem Willen des Allerhöchsten,