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Der Israelit · 1904-01-07 · Heft 2 (7.1.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 2 (7.1.1904)
Date
1904-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JU.WMBH.JWI 23 leuiUd o n. 5/gftlf?>§lk ^Mahrheit und Wichtung. Von Friedrich Rott. Dann aber schloß sie die Thür und eilte in das andere Zimmer zu ihrem Manne. „Ist er noch drinnen?* fragte dieser im Flüsterton. Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Nun?* fragte er. Sie nahm seine beiden Hände und blickte ihn mit glücklichem Lächeln in's Angesicht. „Gott hat uns geholfen, ich werde mich nicht mehr so anstrengen muffen wie bisher und die Kinder werden nicht mehr beständig rechnen müssen, wie wir am billigsten satt werden.* Sie theilte ihm nun alles mit, was sie mit dem Gutsbesitzer vereinbart hatte. Dem noch sehr schwachen Manne stürzten die Thränen aus den Augen, laut schluchzend barg er das Antlitz in den Händen seiner Frau,'die sich vergebens bemühte, ihn zu beruhigen. „Nicht Heinrich, nicht. Du darfst Dich nicht derart aufregen, Du könntest, Gott behüte, wieder krank werden und dann müßten wir den Umzug verschieben; das wäre sehr, sehr unangenehm. Da kommen auch die Kinder, sie werden erschrecken, wenn sie Dich so sehen.* Die Kleinen kamen in Wirklichkeit soeben in das Zimmer und blieben bestürzt auf der Schwelle stehen, als sie den Vater weinen sahen; die Mutter aber nickte ihnen freundlich zu. „Kommt nur, Kinder, kommt, es ist kein Unglück geschehen, der Vater weint nur vor Freude, weil der liebe Gott uns geholfen hat und unsere Noth nun zu Ende ist. Heute über acht Tage, so Gott will, werden wir nach Neudorf übersiedeln auf das Gut des Herrn Krawanni; ich werde dort alles beaufsichtigen und dafür werden wir dort wohnen und alles bekommen, was wir gebrauchen, ohne daß ich mich so übermäßig anstrengen muß, wie in jüngster Zeit.* Die Kinder brachen in lauten Jubel aus. „Lasset Euch nur vom Vater alles erzählen,* sagte Frau Müller, „ich muß hinaus in die Küche, das Mittagessen zuzubereiten.* „Darf ich das Feuer an machen?* fragte Mar. „Gewiß darfst Du das, ich komme dann, umso rascher wieder zur Arbeit.* „Ich will Dir auch helfen.* rief Paul, „ich werde die Glaser spülen, den Tisch decken und Wasser hereinbringen.* „Und Selma muß hier bleiben, wenn der Vater vielleicht etwas will. Ihr seid meine lieben, braven Kinder, Ihr helft mir ja alle.* Sie begab sich in die Küche, die Kinder thatea ihr Möglichstes, ihr behilflich zu fein, wahrend Selma's liebliches Plappermäulchen den Vater unkrhielt, das verstand Niemand so gut wie sie. „Höre nur, Mutter, wie der Vater lacht,* sagte Paul, „wer weiß, was Selma für Faxen macht.* Frau Müller athmete erleichtert auf, die übergroße Aufregung ihres Mannes hatte sie bereits ernstlich beunruhigt. „Aber was werden wir denn mit dem Geschäft machen?* ftagte Max. „Wir werden die Waare verkaufen und das Verkaufsgewölbe und unsere Wohnung hier hoffentlich vermiethen. Gleich nach dem Essen kannst Du zu unserm Nachbarn. Herrn Schwarz, gehen, kannst ihm von unserem bevorstehenden Umzug erzählen und ihm sagen, ich ließe ihn bitten, so bald er Zeit hat, zu uns zu kommen, weil ich Verschiedenes mit ihm überlegen möchte. Ich würde zu ihm kommen, aber ich bin durch den Besuch des Herrn Krawanni und durch die freudige Erregung über seinen Vorschlag so sehr aufgehalten worden, daß ich eilen muß, wieder zu meiner Arbeit zu kommen, sonst könnte ich dieselbe nicht zu der bestimmten Zeit abliefern. Ihr werdet doch das Geschirr spülen und die Küche wieder in Ordnung bringen?* „Ganz gewiß. Mutter.* versicherten die Knaben, „wir werden alles spülen und putzen und in Ordnung machen. Du brauchst Dich um gär nichts zu kümmern.* Sie nickte ihnen freundlich zu. „Ich weiß, daß ich mich auf Euch verlassen kann.* „Und der Herr Schwarz wird sich auch sehr freuen,* sagte Max. „noch gestern hat er zu uns gesagt: Kinder, Kinder, was Ihr für eine Mutter habt, eine solche gibt's nicht noch mal in der Welt, wenn der's der liebe Gott nicht bald gut gehen läßt, dann konnte man glauben, daß Er sich um gar nichts kümmert.* Frau Müller schüttelte mißbilligend den Kopf. „Herr Schwarz ist sehr gutherzig und uns ein sehr guter Freund. Aber an Gottvertrauen fehlt es ihm, Ihr sehet doch, daß er den Sabbat entweiht, deßhalb dürft Ihr nicht auf alles hören, was er sagt. Aber nun kommt hinein, wir wollen essen.* In heiterster Stimmung nahmen Elteru und Kinder das einfache Mahl ein, das cSfen vortrefflich mundete. Noch bevor sie es beendet hatten, klopfte eS an der Thür, und auf d.as einladende „Herein* des Hausherrn trat ihr Nachbar, der.bereits erwähnte Herr Schwarz, in das Zimmer. * ' „Wünsche allseitig guten Appetit,* siezte er, indem er dem leidenden Freunde die Hand drückte und sich auf den Sessel niederließ, den einer der Knabm ihm zuschob; „aber bitte sich nicht zu stören. Sie speisen heute

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