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Der Israelit · 1904-01-07 · Heft 2 (7.1.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 2 (7.1.1904)
Date
1904-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 Talmudgelehrte Belehrung über Talmud und Thora ertheilen. . Bet der leider immer mehr abnehmenden Kenntnitz dieser erhabendsten aller Wissenschaften, die wie keine andere geeignet ist, Ethik zu verbreiten, laufen wir dringend Gefahr das heiligste Vermächtniß unserer Väter, um dessen Erhaltung dieselben so unendlich gelitten, verloren zu sehen, und damit zugleich untergraben wir unser Ansehen und unsere Würde. Thora will das Gotteswort sein, unser Wegweiser auf Erden und Orientirung in unserer irdischen Welt.. Wir wollen sie erhalten und um sie zu erhalten, sie verbreiten. Di? Vorträge werden bis auf Weiteres in den Räumen Schillerstraße 46, Quergebäude parterre, jeden Samstag Nachmittag 3 Uhr, jeden Sonntag Nachmittag 4 Uhr abgehalten, und wir erlauben uns. Sie .hierdurch freundlichst zu denselben einzuladen. Ferner bitten wir Sie sehr unsere Bestrebungen durch freundliche Zuwendungen zu fördern. Hatten. Ende voriger Woche starb im 65. Lebensjahre unser Lehrer Silberberg. Vor circa zehn Jahren traj er die hiesige Stelle an und waltete seines Amtes nach Kräften. Außer der Gemeinde nahmen etwa 60 Kollegen an der Beerdigung theil, bei welcher Dr. Bloch- Sulz dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt. Neumarkt. 4. Jan. (Elhrung. eines jüdischen Lehrers.) Zum ersten Male geschah es in Bayern, daß ein jüdischer Schulmann gelegentlich der Neujahrsordens-Verleihungen den Titel eines Oberlehrers erhielt, welche Ehre Herrn Salomon Kahn Hierselbst am 1. Januar 1904 zu Theil wurde. Derselbe, bereits mehr als 40 Dienstjahre zahlend, wurde am Morgen des glückbringenden Tages per Depesche durch den Kultusminister von Wehner in München beglückwünscht und erhielt im Lause der nächsten Stunden Gratulationen schönster und erfreuendster Art von dem Präsidenten der Oberpfalz, Excellenz von Lutz. Negierungsdirektor von Hochkirch, Kreisschulinspektor Leipold, der noch das Attribut „königlich" hinzufügte, erster Vorstand des oberpfälz. Kreisausschusses Leißel in Regensburg, und noch von zahlreichen Freunden und Bekannten aus der Nähe und Ferne. Diese Auszeichnung des Einzelnen bedeutet zugleich eine Dekorirung des Standes im allgemeinen und der isr. Lehrerschaft im besonderen, und ist ferner ein Beweis wohlthuender Gerechtigkeitsliebe, toleranter Gesinnung, gesunder Zustände, wie solche G. s. D. dem erlauchten Fürsten. Luitpold und seinen höchsten Beamten zum köstlichsten Ruhme und dem bayerischen Lande zur Zierde gereichen, woselbst man ohne Unterschied der' Konfession nach dem goldenen Prinzipe schaltet und waltet: „Dem Verdienste seine Krone." Jst'3 auch nur ein „Titel ohne Mittel" — da bekanntlich keinerlei Gehaltserhöhung damit verbunden ist. so entschädigt diese Erhöhung für viele Beschwerlichkeiten des Berufes mehr, als irgendwelche persönliche Zulage, die Befriedigung gewährt, der Pflicht genügt zu haben. Möge sich Oberlehrer Kah» daran erquicken. Oesterreich. Lemberg, 4. Jan. Die Ermordung des Pächters Engel und Frau in Chlopice wurde durch drei Strolche verübt, die im vorigen Jahre zu Arreststrafen verurtheilt wurden, weil sie Branntweinflaschen zertrümmert hatten; sie verabredeten, den Mord in der Sylvesternacht bei Engel auszuführen, kehrten um Mitternacht zurück und erschlugen Engel, als er ihnen öffnete und zerhackten seine Frau im Bett in viele Stücke; sie vergewaltigten und würgten auch die Magd, die jedoch während der Theilung des Raubes entkam. In dem galizischen Dorfe Pikulice wurde in der vorigen Woche ein jüdischer Händler ebenfalls grausam ernwrdet. Unter den Juden herrscht in Folge dessen eine große Panik. Lemberg, 3. Jan. Hiesigen Polenblättern zufolge wird aus Warschau gemeldet: Den in Port 'Arthur ansässigen Juden wurde durch einen Erlaß des Gouverneurs Alexejew der fernere Aufenthalt in Port Arthur verboten. Dieselben sandten Delegirten nach Warschau, um die Gestattung ihrer Uebersiedelung nach Warschau oder Lodz zu erwirken. Frankreich. Paris, 5. Jan. Ein gewisser H. Levinsohn aus Berlin hat neulich in Hamburg die Herren Wörmann, bedeutende Schiffsrheder aus dieser Stadt, aufgesucht und denselben mitgeiheilt, daß er von der Allianz Jsraelite Universelle beauftragt sei, sich nach dem billigsten Passagierpreise nach Südafrika zu erkundigen, da diese Gesellschaft beabsichtige, in diesem Jahre circa 10,000 russische Juden nach Südafrika zu schicken. Der „Allianz" ist, wie uns von zuständiger Seite mitgetheilt wird, dieser H. Levinsohn völlitz unbekannt, und diese Gesellschaft hat sich nie mit diesem Entwürfe befaßt. Palästina. Jerusalem, 19. Kislew. Der Gesundheitszustand in Jerusalem und Umgegend ist in der letzten Zeit ziemlich gut. Die Spuren der Cholera sind fast gänzlich verschwunden, und die Quarantaine von Betlehem. Caiffa und dem Jenseits des Jordans von Salt und Choran, wie auch von Port-Said, Egypten, wurde aufgehoben. Nur gegen Alexandrien allein gibt es noch eine eintägige Ouarantaine, die auch bald aufgehoben sein wird. Doch herrscht unter der hiesigen Bevölkerung eine Besorgnrtz wegen Mangel an Wasser, weil bis heute kein genügender Frühregen hier . war, und die Cisternen allmählich leer werden. In allen hiesigen Synagogen wird täglich das spezielle Gebet um Regen verrichtet. '

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