Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1904)
- Date
- 1904-01-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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F i bei seinem Gotte zu verharren, und verhältnißmäßig wenig ist davon in die Oessentlichkeit gedrungen. Blos auf seinem Krankenlager hat er so manches von dieser ihm eigenen, erhabenen Gottesfurcht durchschimmcrn lassen. Wahrlich, man könnte ein Buch schreiben über die Worte der Ermahnung und weisen Lehren, die da seinem Munde entströmten, über die Ideen und jüdischen Lebensanschauungen, die er mit Feuer entwickelte. Seinen herannahenden Tod suhlend, sprach er die goldenen Worte: »Wie schön ist's, in dieser Welt zu leben, wenn man das Rechte und Wahre findet." «Hochbeglückt bin ich." rief er unter anderem, aus, «daß mir Gott die Gattin zuführte, die das Streben hatte, meiner seligen Mutter in allem es gleich zu thun, hochbeglückt durch meine herrlichen Kinder, die ich im Sinne und im Geist? meiner Eltern erzogen!"-Er war ein ebenbürtiger Sohn seines großen Vaters s. A.! — Meine trauernden Brüder! Es liegt uns fern. Vergleiche zwischen ihm und seinem Vater aufzustellen — schon sein bescheidener Sinn wurde sich dagegen auflehnen -: Eines können wir uns nicht versagen. können wir nicht unterdrücken, müssen wir Lberzeugungstreu aussprechen: die rc» «ir» seines Vaters hat er sich voll und ganz zu eigen gemacht, hat er voll und ganz geerbt!! Wie oft hat sich mein Schwiegervater s. A. mir gegenüber über ihn in wahrhaft ergreifender Weise ausgesprochen, hat er doch die rrst, daß ihn sein Vater in seinem ewn-Kommentar verewigte, indem er wiederholt auf die «treffliche Arbeit des Dr. Raftali Hirsch" hinweist. — Groß ist darum der Schmerz um den Verlust, den wir erlitten, unermeßlich groß, wenn wir uns die Worte unserer Weisen vergegenwärtigen, die sie im Anschluß an eine Stelle in unserem dieswöchentlichen Thoraabschnitt aussprechen, *ji*33 *a* rcsm, heißt es anläßlich des Todes Iakob's. «es gingen vorüber die Tage des Beweinens." Hierzu bemerken die Weisen: *33 vs> icm nvu r* iW« W33 v ran t» r>» U3N raa ^3K. Hier heißt es /"rar,, dort, anläßlich des Todes Moscheh's druckt das völlige Aufhören der Tage des Beweinen s aus, während "’nsn,. ein zeitliches, momentanes Aufhören bezeichnet. b3« ,«rn 3-rw ,cr»3 'b Tt xSp rp wo xbx .r'spii 3'N3 ,0*313 'h rrrm rs ,2pr Moscheh hatte keine Beweiner. darum heißt es Jakob hingegen hatte solche, die weinten, darum heißt es „-cn". Das Verständnis dieser an sich dunklen Erklärung unserer > Weisen wird uns klar, wenn wir die verschiedenen Zeiten, in welchen der Tod dieser beiden großen Männer Israels sich vollzog, in Erwägung ziehen. Es ist eben 1 ein großer Unterschiedin welcher Zeit ein Unglück ij sich ereignet. In einer ohnedies trüben, thränenreichen Zeit wird ein neu hinzukommendes Unglück mit doppelter Schwere empfunden. Da wird geweint und f wieder geweint und das volle Herz lauft immer wieder 999SSSR in Thronen über. In einer sonst heiteren, freudvollen Zeit jedoch wird ein etwa sich ereignendes Unglück von der herrschenden freudigen Stimmung leichter verwunden und verschmerzt. Die Zeit, in welcher Moscheh starb, war im allgemeinen eine heitere, freudvolle. Soeben schickten sich die Söhne Israels an, das verheißene gelobte Land in Besitz zu nehmen. Jüdischer Geist und jüdisches Leben waren im Aufleben begriffen und dieses Leben sollte seiner heiteren Bestimmung entgegengeführt werden. 0*313 id ti xfc new das heißt, man . hatte in Moscheh's Zeit sonst keinen Anlaß zu weinen, darum *33 *v* ivn'i, konnten die Tage des Weinens um ihn bald ein Ende nehmen. Die Zeit hingegen, in der Jakob starb, war eine kritische, traurige, nod bv L3bi bt:*p lenDiP hä iwro 1, neno psyipS iVnnn» itaren mxo. Golußsymptewe zeigten sich überall, und was das bedenklichste, traurigste war. den Kindern Iakob's stand angesichts des herannahenden ägyptischen Goluß' die schwerste, härteste Prüfung bevor, mitten im herbsten Jakobsgeschick sich als Söhne Jsrael's zu bewähren und ihrer abrahamitischen Bestimmung treu zn bleiben. In diese Zeit fällt nun der Tod Iakob's. In einer, solchen prüfungsvollen, thränenreichen Zeit mußte der Tod Iakob's nur um so schmerzlicher empfunden, das leuchtende Beispiel seiner hehren Persönlichkeit nur umso bitterer vermißt werden. c*3is £ '*n -zv*. In Iakob's Zeit gab es zu weinen und zu weinen genug. Darum w* n»3vn ir-32 hörte man wohl zu weinen auf, es trat wohl eine Pause ein, doch diese war nur vorübergehend, man weinte wieder, immer wieder, so oft man Jakob durch die Ungunst der Zeit so schwer und so schmerzlich vermißte. Ach, meine trauernden Brüder! Wenn in unserer Zeit, die augenfällig dieselben traurigen Merkmale aufweist, wie die Zeit bei Iakob's Tode, wenn in unserer Zeit, in der buchstäblich wie damals en'Z'p iore: -nsnpn n’TXQ S» v3bi überall Goluß-Symptome wahrzunehmen sind, ja, abgesehen davon, eine im Innern der Judenheit sich breit machende Verkennung und Verleugnung der altjüdischen Gesetzestreue die schwersten und härtesten Prüfungen und Versuchungen jedem wahrhaft denkenden und fühlenden Juden bringt, in der nur ein guter Jehudi zu sterben braucht, um der Lüge und dem Leichtsinn das Feld zu räumen, wenn in einer solchen traurigen, ohnedieß thränenreichen Zeit ein Mann wie Justizrath Dr. Naftali Hirsch, der es verstanden hat, bei aller modernen Weltbildung in altjüdischer Pflichttreue hervorzuragen. der so Vieles zu ergänzen wußte, was die Pflichtvergessenbeit seiner Zeitgenossen unverwirklicht gelassen, der als leuchtendes Beispiel jüdischer Gewissenhaftigkeit, jüdischer Gesinnungstüchtigkeit unter so Dielen sich hervorgethan. entrissen wird — wer will da nicht zugeben, daß 171*33 D* 112p*, daß die Tage des IS