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Der Israelit · 1904-01-04 · Heft 1 (4.1.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 1 (4.1.1904)
Date
1904-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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8 Sprachen, die sie ihr eigen nennen, und in beiden besitze» sie bedeutsame, zum Ttzeil hoch entwickelte Litteraturen: die „hebräische und die judendeutsche, schlechthin „jüdische" genannt. Das „Jüdische" ist Mittelhochdeutsch. mitvielen althochdeutschen Elementen durchsetzt, aber phonetisch weitergebildet. Die ältesten Litteraturbenkmäler dieses Idioms rühren aus dem 14. Jahrhundert her. Im. Verlaufe der Zeit hat es viele hebräische Elemente und Formen und. am Ausgange des Mittelalters nach Polen verpflanzt, auch viele slawische ausgenommen und umgebildet. Das Hebräische war die Litteratursprache der Intellektuellen, das „Jüdische" dir Sprache des Volkes. Gebet-, Erbauungs- und Gesangbücher. Erzählungen und Liedersammlungen für das Volk waren in dieser Sprache stets vorhanden, aber erst in der neueren Zeit, etwa ein Jahrhundert, nachdem das „Jüdische" in seiner Urheimath, unter den deutschen Juden, ausgestorben war, entwickelte sich in Polen und Litauen . eine jüdische Litteratur im höheren Sinne des Wortes. Ursprünglich bedienten sich die Schriftsteller und Dichter ihrer bescheidenen und primitiven Kunstmittel, um die Masse zu bessern, zu „erleuchten" und zu heben. Allmählich rang sich die eigentliche Litteratur von der Vublizistik los. und die künstlerische Darstellung des Lebens — stets jedoch im engen Anschluß an den Volkston — wurde immer mehr Selbstzweck. Unter den Dichtern der älteren Generationen mögen hier in erster Reihe wenigstens die folgenden genannt werden: die Galizier Wolf Ehrenkranz, dessen prachtvolle Lieder und Balladen eine unvergleichliche Volksthümlichkeit erlangt haben, und Beirach Schafir, die Litauer Abraham Goldfaden und Eljakum Censor. Der große hebräische Dichter Jehuda Leon Gordon hat ein Bändchen prächtiger, jüdischer Balladen und Romanzen hinterlaffen. Im Roman und in der Novelle haben Schalom Jakob Abrahamowicz in Odessa, ein großes episches Talent, ferner Salomon Rabbinowicz in Kiew, ein bedeutender Humorist. I. L. Perez und M. Spektor in Warschau hervorragende Leistungen aufzuweisen, die freilich in Folge ihrer spezifisch jüdischen Milieuschilderung auf ein lebhafteres Interesse des fernstehenden Publikums nicht rechnen können, aber vom rein künstlerischen Standpunkt die regste Beachtung verdienen. In neuester Zeit hat sich eine Anzahl jüngerer Schriftsteller der Schilderung des Proletariats zugewendet, sie behandeln also Probleme und Zustände, die dem europäischen Publikum viel näher liegen. Der Litauer David Pinsky ist unter den Jüngeren einer der begabtesten. Er verfügt über eine scharfe Beobachtungsgabe, ein frisches, realistisches Erzählertalent und eine intime Kenntniß der jüdischen Arbeiterwelt seines Heimathlandes, die er mit großer Sympathie und Wärme.doch ohne jede Voreingenommenheit und mit liebenswürdigem Humor schildert.* Rußland. Petersburg. Der Redakteur und Herausgeber L. A. Rabinowitfch erhielt die Konzession, in St. Petersburg eine Tageszeitung io hessischem Jargon und in russischer Sprache ums de» Name» „Der Tog" erscheinen zu lassen. Der Redakteur und Herausgeber der Zeitung „Hamelitz", Leon Abramowitsch Rabinowitfch^ schrieb im Jahre 1887 für die Zeitschrift „Nature", im Jahre 1888 redigirte er die Zeitung „Hamagid", im Jahre 1889 erhielt er auf der Pariser Weltausstellung dir höchste Auszeichnung: die große, goldene Wmille in dem Diplom für Arbeiten auf dem Gebiete der Physik; er wurde dem Präsidenten Carnot vorgestrLt. Im Jahre 1890 wurde er einstimmig zum Mitgliede der Moskauer Abtheilung der Kaiserlichen Techassche» Gesellschaft erwählt, in welcher er verschiede« Borträge hielt, die in den „Memoiren" der obengenannten Gesellschaft abgedruckt sind. Seit 1893 ist er der Redakteur und Herausgeber der ersten m Rußland üglich erscheinenden Zeitung in althebraischer Sprache „Hamelitz". die in St. Petersburg erscheint. I» derselben Sprache gab er mehrere wissenschaftlich-literarische Bücher und Journale heraus. Außerdem hat er einige Dutzend populär-wissenschaftlicher Broschüren in hebr. Jargon verfaßt. Er gibt eine große Kimkordanz augenblicklich unter dem Titel „Hamatimot" heraus. .Feuilleton Wahrheit und Richtung? Von Friedrich Rott. ,9 „Alsdann Frau Müller, ich habe mir die Sache überlegt und komme nun. Ihnen eiueu Vorschlag zu machen, bei dessen Annahme, davou biu ich überzeugt, wir uns beiderseits gut stehen würde». Darum hoffe ich auch, daß Sie darauf eingeheu werde». Ich hocke Ihnen bereits gestern gesagt, ich habe das größte Vertrauen zu Ihnen, denn ich bin überzeugt, wenn da vor Ihnen eine Million lieg^ würde und Sie auch nicht einen Kreuzer hätten, um ihren Kindern Brod zu kaufen, so würden Sir sich dennoch nicht verleiten lassen, auch nur einen Kreuzer von der Million zu «hmen. Habe ich nicht recht?" „Ich hoffe es." entgegnen sie lächelnd. „Ich weiß es," versetzte er mit Bestimmtheit. „Und — wie ich Ihnen gleichfalls bereits gestern mitgetheilt habe — ich bin dem Verwaller auf meinem Gute hier *) Neu eingetretene Abonnenten benJlnfaaj| dieser Erzählung soweit noch vorratmg auf Wruqa» witum» (jetteten.

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