Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1904)
- Date
- 1904-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 Die Wohnung war menschenleer, aber aus dem finsteren Keller drangen Hilferufe herauf. Nachbarsleute befreiten nun die armen Leute aus ihrer traurigen Lage und riefen die Polizei. Die Thater sind leider entkommen. Eduard Segall. Bamberg, 27. Dez. Heute wurde die Wahl für die israelitische Cultusgemeinde dahier vorgenommen. Als I. Vorstand wurde der Rechtsanwalt Dr. Werner wiedergewahlt. Als Is. Vorstand wurde an Stelle des beliebten freiwillig wegen Gesundheitsvcrhältniffe zurücktretenden Handelsrichters Heinrich Morgenroth, der Bankier Emil Wassermann mit überwiegender Majorität gewählt. Dir Wahl Wassermanns ist als Sieg der konservativen Sache zu betrachten. Eichteroheim (Baden). Ende Dez. TO TO „Denn mit meiner ganzen Kraft habe ich gedient." Dieses Zeugnis;, das Jakob inx beim Verlassen seines Wirkungskreises im vollen Bewußtsein seiner langjährigen, aufopfernden Thätigkeit im Dienste Labans sich ausstellte. können auch wir mit freudigem Herzen unserem verehrtesten, vom Großh. Oberrathe in Ruhestand versetzten Herrn Lehrer Rothschild ausstellen, als er einige Tage nach xir: den Wirkungskreis unserer Gemeinde verließ. Ja. mit seiner ganzen Kraft, das wiederholen wir an dieser Stelle, hat der Scheidende auch uns gedient. Mit süßem Bewußsein kann Herr Lehrer Rotschild auf eine 28jährige. unuuterbochene. segensreiche Thätigkeit in unserer Gemeinde, zu unserer vollsten Zufriedenheit, zurückblicken. Erwähnt sei nebenbei, daß Herr Lehrer Rotschild vergangenes Jahr im siebzigsten Lebensjahre, bei voller körperlicher und geistiger Frische, sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte, bei welcher Gelegenheit er auch mit der goldenen Verdienstmedaille seitens Sr. Kgl. Hobeit des Großherzogs von Baden gnädigst und huldvollst dekorirt wurde. Wahrlich, in treuem Pflichteifer, mit unermüdlichem Fleiße. der Verantwortlichkeit seines heiligen, hohen Berufes sich voll und ganz bewußt, stellte derselbe in selbstlosester Weise, in edelster Absicht und großem Geschicke seine ganze Kraft sowohl als Seelsorger, wie als Lehrer in den Dienst der Gemeinde. ' der Schule und des Gesammtjudenthums. Dafür sei dem schon fern von uns Weilenden an dieser Stelle nochmals unser tiefster Dank gezollt. Welcher Beliebtheit und hohen Achtung sich derselbe in Folge seines einnehmenden Charakters auch kei der christlichen Gemeinde zu erfreuen hatte, das bewies eine Abschiedsfeier, die ein aus verschiedenen Bekenntnißkreisen bestehender, geselliger Verein, dem Herr Lehrer Rotschild als langjähriges Mitglied angehörte, zur Ehre des Scheidenden gab. Mt stolzer Genugthuung und erhebendem Gefühl konnten wir zu unserem'Vergnügen bei dieser Gelegenheit wahrnehmen, welche Ehrung man dem Gefeierten, und noch in einer Zeit, wo man uns Juden so gerne verkennt, zu Theil werden ließ. Eine ausführliche Schilderung dieser Feier würde zu weit führen. Wahrlich, das beste Denkmal, das man sich setzen kann, hat sich Herr Lehrer Rotfchikd bei unserer Gemeinde, feinen dankbaren Schülern und Freunden gesetzt, ein Denkmal gesegneten und ehrenden Andenkens. Als leuchtendes Vorbild und nachahmenswerthes Beispiel kann derselbe allen Kollegen vorangestellt werden; von ihm können jüngere Kollegen Muth und Ausdauer schöpfen zum rüstigen Weiterkampfe für ihren dornenvollen^ aber edlen und heiligen Berus. Mit wehmüthigem Herzen sahen wir unseren verehrtesten Herrn Rotschild, unseren Lehrer. Führer und Berather von uns scheiden, und mit aufrichtigem Herzen wünschen wir demselben in einem langen, glücklichen Lebensabend auf seinen wohlverdienten Lorbeeren im Kreise seiner Lieben zu Straßburg ausruhen zu können und sich der herrlichen Ernte seiner geistig ausgestreuten Saat noch lange zu erfreuen. Gott gebe es. "b «pp» d-rm w s]D3 ya. „Heil Dir. so Du Deiner Hände Arbeit genießest, Heil Dir: Dir geht es gut." Der Synagogenrath. Grosr-Nn,stabt. Am ersten Tag Chanukah wurde unter Theilnahme eines großen Trauergefolges der irdische Theil der Frau Bulle Kahn, Gattin des Herrn Moses Kahn, zur ewigen Ruhestätte gebracht. Die Verewigte, die ein Alter von 72 Jahren erreichte, war von Jugend auf fromm und goitesfürchtig und erzog mit ihrem Gatten ihre Kinder und Enkel zu braven, frommen Jehudim. Den Armen war sie eine edle Freundin und übte Zedoko und Gemilus Chasodim in des Wortes schönster Bedeutung. Mit Recht konnte sie vor ihrem Hinscheiden sagen: ich kann ruhig sterben, ich habe keinen Feind. Mögen ihr Gatte, ihre Kinder und Enkel Trost und Beruhigung finden in dem rr? ihrer frommen Mutter, ihr Andenken aber bleibt zum Segen. —a— Hatten, 28. Dez. Am 24. dss. Mts. wurde der 05jährige israelitische Lehrer M. Silber berg hier unter Begleitung von ca. 30 Lehrern des Kantons Sulz u. W. zu Grabe getragen. Rabbiner Bloch- Sulz u. W. betonte besonders den großen Willen des Verstorbenen und seine Anhänglichkeit zur Schule. Einer seiner Schüler. Lehrer I. Ioseph in Niederrödern, widmete dem Verblichenen zum Abschiede Worte des Dankes und der Liebe. Am Grabe sprach Lehrer G. Heldt von Oberbetschdorf im Namen des. Lehrervereins. Stuttgart. (Die jüdische (judendeutsche) Sprache und Litteratur.) In der Halbmonatsschrift „Aus fremden Zungen" (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart und Leipzig) lesen wir: „Die Juden in Polen. Litauen und Südrußland haben zwei