Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1904)
- Date
- 1904-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 tender Gelegenheit auch durch testamentarische Zuwendungen den Hrlfsverein in späterer Zeit zu fördern. Herr Geheimrath Professor Senator dankte Namens der Anwesenden in bewegten Wortendem Vorstande für seine unermüdliche, erfolggekrönte Thätigkeit zu Gunsten unserer bedrängten Glaubensgenossen. Hamburg, 29. Dez. Die Wahlen zum Repräsentanten-Kollegium. welches sich, aus 15 Mitgliedern bestehend. mit je drei Jahren vollends erneuert, fanden am Montag, den 21. d. Mts statt. Von öffentlichen Kundgebungen resp. Wählerversammlungen, wie solche in früheren Zeiten stattgefunden, war diesses Mal keine Spur zu bemerken. Die sogenannte Tempelpartei war die erste, die zwei Tage vorher mit einem Wahlzettel und Aufruf hervortrat, der die bis dahin gleichgiltig gebliebene Synagogenpartei, die schon wegen des Synagogenbaues ein dringendes Interesse an den Wahlen hätte bekunden sollen, aus ihrem Schlummer erweckte. Mittlerweile war auch von zwei kombinirten Parteien respektive Komitees — nennen wir sie neue Damm und Liberale — ein anderer sog. blonder Wahlzettel erscheinen, der von einem langathmigen. aber nichtssagenden Circular begleitet war. Beide Zettel aber waren sich darin einig, daß sie die langjährigen Vertreter der ihnen unbequem gewordenen Orthodoxie verdrängen wollten. Darauf wurden eiligst von zwei Seiten Wahlaufrufe und Zettel versandt. die wohl eine Zersplitterung herbei führten, jedoch ihren eigentlichen Zweck nicht mehr zu erreichen vermochten, es hatte eben die einheitliche Leitung gefehlt. Dadurch ist manches für die Gemeinde sowohl, wie für den Synagogenverband nützliche und dringend Wünschenswertste. als da sind: Vereinigung im Vegräbnitzwesen, höhere Subvention der Talmud-Thora- Realschule und Synagogenbau. wenn nicht aufgehoben, jedenfalls aber aufgeschoben. Triumphirend gefiel sich ein neologes Gemeindemitglied in der Aeutzerung: ..Die Orthodoxie habe eine schmähliche Niederlage erlitten, sie liege am Boden und werde sich wohl niemals wieder erheben können; es sei in der Hamburger Gemeinde kein Raum für orthodoxe Bestrebungen." So schlimm ist es nun aber nicht. Der Herr scheint doch die hiesigen Verhältnisse und Personen kaum zu kennen. Abgesehen davon, daß im Reprafentanten-Kollegium immerhin — zwar unter 15 — noch drei fromme Mitglieder vorhanden, befinden sich die eigentlichen Kultuseinrichiungen in Händen des Synagogenverbandes, dessen Statuten den Schulchan Aruch als unvermeidbare Grundlage haben. Allerdings hat, wie bemerkt, der Synagogenverband durch seine engeren Beziehungen zur Gemeinde, wie diejenige des Tempelverbandes, ein dringendes Interesse daran, durch eine größere Zahl frommer Mitglieder im Reprasentanten-Kollegium der Gemeinde vertreten zu sein, und ist es daher nicht zu verstehen, wetzhalb man eine dahingehende Wahlagitation von zuständiger Seite unterlassen. Aber auch die der Gemeinde zustehenden Verwaltungszweige: Schulwesen, Armenkollegium und Begräbnitzwesen u. s. w. erfordern Männer, die von jüdischem Geiste beseelt und die Werth darauf legen, der altehrwürdigen Deutsch- Israelit. Gemeinde zu Hamburg ihren Ruf als eine jüdische Mustergemeinde zu erhalten. Wir wollen hoffen, datz während der dreijährigen Legislaturperiode dieser Ruf nicht erschüttert werde, datz vielmehr etwaige dahingehende Befüchtungen sich als hinfällig erweisen mögen. H. B. Frankfurt a. M. Zum Beweis, datz die Treue zum alten, unverfälschten Judenthum und zu seinen heiligen Satzungen in unserer alten nw rv Gott sei Dank doch noch nicht so in Abnahme begriffen ist. wie unsere. Gegner der Welt glauben machen wollen, konstatiren wir dit Thatsache, datz in einem hiesigen kaufmännischen Bureau, das circa 50 Angestellte zählt, am letzten saos nicht weniger als 27 Herren jeden Alters einen ganzen Tag fasteten. Ein derartiger wirklicher zv“ tsn-pp spricht für sich selbst und bedeutet mehr als noch so viele „Logen" und andere Gründungen. p Posen, 28. Dez. Herr Mittelschullehrer Uhlf e l d e r aus Hamburg wurde zum Inspektor der hiesigen israelitischen Waisenknaben-Anstalt gewählt. Durch den Weggang des Herrn Katzenstein von hier nach Berlin war die Stelle von Juli dss. Js. ab nur provisorisch besetzt. Der Gewählte wird in kürzester Zeit das Amt hier antreten. Die Waisenknaben-Anstalt wurde 1836 gegründet. Die Anregung und das Grundkapital dazu hat Herr Baron von Kattowitz. evangelischer Christ, gegeben. Gegenwärtig zählt die Anstalt 21 Zöglinge, die meistens aus der Stadt Posen sind. Die Verwaltungsbehörde besteht aus der Direktion, zehn Herren und neun Damen, und einem Obhutsausschutz von fünf Gemeindemitgliedern. Der Vorsitzende ist Herr Rabbiner Dr. Bloch. Cvdtkubnen, 30. Dez. (Raubanfall.) In Panimau. dicht bei Kowno, drangen in der Nckcht von Donnerstag zu Freitag drei maskirte Leute in die Wohnung des dortigen 70jährigen Rentiers I. Frank ein und verlangten, mit Revolvern bewaffnet, von demselben die Schlüssel zum Geldschrank. Nachdem die Räuber das Verlangte erhalten hatten, plünderten sie den Tresor auS. fanden aber in demselben glücklicherweise nur 105 Rubel und diverse Gold- und Silberfachen. Darauf banden sie Frank und dessen Frau und warfen die Unglücklichen, auf welche sie noch Betten und Stuble drauflrgten (wahrscheinlich, damit die Beraubten eher erstickten) in den Keller. Als Frank am nächsten Morgen nicht, wie gewöhnlich, zum Morgengottesdienste kam, wurde der Synagogendiener ausgeschickt, nach dem Befinden des Vermißten zu schauen.