Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1904)
- Date
- 1904-01-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeigen, wie eS ihnen ergehen tat», wenn fie nicht braver werden. Dur aus diesen Erscheinungen heraus lassen sich die Gräuel von Kischinew klaren, bei denen unschuldige, friedliebende Wrger, Seschastsleute und Handwerker, aus höhere Ordre grausam hingeschlachtet wurden. Eine Gegenbewegur^, die hier unter den Juden begonnen, und die unter der Leitung der Rabbiner striktes Festhalten an russisch» «ad jüdischem Gesetze gebietet, wird, hoffen wir, diel zur Beseitigung der traurigen Lage unserer russischen Glaubensgenossen beitragen. Denn entgegen bei Ansicht vieler hervorragender Glaubensgenossen, die das Heil für die Juden Rußlands nur in der Auswanderung erblicken, sind wir der Meinung, daß die russische Zudensrage nur in Rußland selbst gelost werden kann. Ein Oeffüe» des großen russischen Ghettos nach dem Innern Rußlands hin kann den Juden mehr Segen bringen, als alle Kolonien und exotischen Lander. Trauriges ist auch noch immer von Rumänien zu berichten. Hier kann im Gegensatz zu Rußland nur eine Auswanderung Helsen, denn die herrschenden Klassen und Stande dieses Landes haben es auf eine systematische Vernichtung ihrer jüdischen Mitbürger abgesehen. Bezüglich der übrige» Länder Europas können wir uns mit kurzen WortenbeMÜgen. In Ho lland, Italien und Ungarn haben unsere Brüder in keiner Weise sich zu beklagen. Auch die Schweiz, Belgien und die skandinavischen Länder sind den Israeliten günstig gesamt. In Amerika nimmt die Einwanderung trotz der strengeren Prohibitivmaßregeln immer noch zu, doch die weiten, unkultivirten Länderstrecken im Innern dieses Erdtheils sind wohl im Stande, noch einen großen Theil des Volkes Israel aufzunehmen und zu treten. Der Rückblick auf das Jahr 1903 ist für uns Juden ein tief trauriger. Wird es für 1904 besser werden? Zettungsnachrichtea mrd Csrrespondevzen. Deutschland. Berlin, 29. Dez. Auf Einladung des Herrn James Simon. VorsitzeiSeu des ^Hilfsverein der Deutschen Juden", hatte sich am Samstag. 26. Dezember, in dessen Privatwohnung eine stattliche Anzahl jüdischer Notabeln eingefunden, um einen Bericht über die bisherige Thätigkeit und b« Erfolge des Hilfsvereins eutgegenzunehmen. Herr James Simon begrüßte die Erschienenen und berichtete über die propagandistische Thätigkeit des Hiffsvereins im abgetanst»» Jahre. Die Organisation des Hilfsvereins hat sich über ganz Deutschland verbreitet. Neue Provinziale, resp. LandeSkomitees find gegründet worden in: Kattowitz, Gleiwitz, Zabrze, Königshütte, Bochum, Dortmund, Witten, Essen, Wiesbaden etc. Die Mitgliederzahl des Hilfsvereins ist von 3000 inl Jahre 1902 auf rund 4800 gestiegen. Die Jahresbeiträge betragen 40,000 Mk. Einen erfreulichen materiellen Zuwachs hat der Hilfsverein durch das Bermächiniß der verstorbenen Frau Baronin Cohn-Oppenheiin fin Benage von 300,000 Mk. erfahren, die vor allem für Schulzwecke bestimmt sind. Für Kischinew sind 843,006 Mt. gesammelt worden. Der Verein kann seinen großen Aufgaben aber nur dann gerecht werden, wenn sich alle Glaubensgenossen demselben anschlirßen. - Hierauf ergriff Herr Dr. Paul Nathan daS Wort, uni in kurzen aber eindrucksvollen Worten ein Bild der Thätigkeit des Hilfsvereins ^u entwerfen. Rumänien, Galizien, Rußland und die Türkei bilden das hauptsächliche Arbeitsgebiet des Hilfsvereins. In Rumänien ist das grausame Handwerkergesetz in Folge der Entrüstung der öffentlichen Meinung der civilisirten Welt praktisch nicht zur Durchführung gelangt. In Galizien sind die Hausindustrien eingeführt worden. Eine nicht kleine Anzahl unserer Glaubensgenossen finden jetzt einen Lebenserwerb. In Rußland hatte der Hilfsverein in Folge der blutigen Maffacres von Kischinew und Hömel Gelegenheit, eine segensvolle Thätigkeit zu entfalten. Auf Initiative des Hilfsvereins hat in Berlin eine Konferenz sämmtlicher jüdischer Organisationen der Welt stattgefunden, auf der die Hilfsorganisation für Kischinew berathen worden ist. Der Hilfsverein hat sich ferner angelegen sein lassen. Thatsachenmaterial zu beschaffen, auf Grund dessen es erst möglich geworden ist, der zivilisirten Welt die Wahrheit über die verübten Scheußlichkeiten mitzutheilen. v In der Türkei ist mit der Gründung von Schulen vorgegangen worden. Der Hilfsverein errichtet Schulen in der Warburg'schen Kolonie Karaja und Sazala. In Jaffa und Jerusalem sind Kindergärten gegründet worden. Ferner wird im Anschluß an die Lämel-Schule in Jerusalem ein Lehrerseminar errichtet, das dem Mangel an geeigneten Lehrern für den Orient in zweckmäßigster Weise abhelfen soll.-' Andere interessante Mittheilungen, die Herr Dr. Nathan machte, sind für die Oeffentlichkeit nicht bestimmt. Herr Landtagsabgeordneter Justizrath Cassel betonte die Nothwendigkeit und den Segen von deutschen Schulen fü« jene unserer. Glaubensgenossen im Orient, die bereits Deutsch, wenngleich ein schlechtes Deutsch, den sog. Jargon sprechen. Herr Generalkonsul Eugen Landau richtete einen warmen Appell an die Anwesenden, bei sich bie-