Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 21 (16.3.1903)
- Date
- 1903-03-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449911--57844-2520594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
von gleichgesinnten Mitarbeitern, unter den schwierigsten Verhältnissen die Mittel zur Ausführung des großen Werkes erlangen ließen. ' So soll denn, da er selbst nicht mehr unter uns weilt, diese Stiftung unter feinem Namen dazu beitragen, unsere Anstalten für alle Zeiten auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten,, und sie in den Stand setzen, den vielfachen neuen Aufgaben, die an sie herantreten — wir nennen beispielsweise nur die zeitgemäße Ausgestaltung der allgemeinen und beruflichen For bildung — in vollkommenerer Weise zu entsprechen. _ Es ergeht daher unser. Ruf an alle ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft, an alle, die in Samson Raphael Hirsch die große Persönlichkeit verehren, wie nicht minder an jene, die ohne selbst durch unsere Schule gegangen zu sein, durch Gleichheit der Ueberzeugung. zu ihren Freunden gehören, unseren Plan durch Spendung eines der Wichtigkeit des Unternehmens wieder Seltenheit der Feier angemessenen Beitrags zu unterstützen." DasKomi teeehemaliger Schüler. . I. A.: Louis Feist, Vorsitzender. Nordhansen,-12. März. „Zur Geschichte der Juden in- .Nordhausen" hielt jüngst der hiesige Lehrer Karl Meyer einen auf urkundlichen Quellen beruhenden Vortrag, dem wir Folgendes entnehmen: Schon im 13. Jahrhundert haben in Nordhausen Juden gewohnt, die ihre Synagoge in der Hütersgasse und 'ihren Friedhof in der Südostecke des Rähmenplatzes gehabt haben. Die vorhandenen Quellen berichten über die kleine Nordhäuser Judengemeinde seit dem Jahre 1.300. Im Frühling 1349 sind die hiesigen Juden erschlagen, bezw. am 6. Mai 1349 auf ihrem Friedhose auf dem Rahmen verbrannt worden. Seit dem Anfänge * des 14. Jahrunderts befand sich die zweite Synagoge in der Jüdengasse bis 1644. wo sie der Rath verkaufte. König Karl I V. hat das Gut der in Nordhausen 1349 erschlagenen Inden dem Grafen Heinrich von Hohn- 'tein-Sondershausen verliehen, und dieser hat es für 400 Mk.'löthigen Silbers an den Rath der Reichsstadt Nordhausen abgetragen. Von 1360 an kamen wieder einige Juden nach Nordhausen, die aber, wie die Juden im ganzen deutschen Reich, unter König Wenzel um 1391. eine arge Bedrückung erfuhren. Aus dem 16. Jahrhundert sind vier Grabsteine mit hebräischen Inschriften, die.von dem Judenfriedhof auf dem Rahmen stammen, an dem auf dem Rahmen stehenden sog. „Judenthurm" eingemauert. Bis zum Jahre 1644 saß in dem Judenhaus in der Jüdengasse der Rathsschutzjude, bei dem dessen von auswärts kommende Glaubensgenossen Rnchtherberge finden konnten. Im 16. Jahrhundertsuchte-der-Rach den-rGeschästsvnkehr. der.Juden in Nordhausen einzuschränken, verbot ihnen das.' Begräbniß ihrer Todten auf dem Judenkirchhof z« Nordhausen und gebot ihnen das öffentliche Tragen des Judenzeichens (eines großen gelben Ringes) am Arm. In Folge einer leichtsinnigen Aeußerung des Rathsschutzjuden Joachim Färber über den Stifter der christl. Religion im Herbst1660 ging der Rath, angereizt durch eine Predigt und Vorstellung von Dr. Justus Jonas, energischer gegen die Juden vor und verschaffte sich vom Kaiser Karl V. ein Privilegium, in dem den Juden das Wohnen in der Stadt Nordhausen verboten wurde. Der Rath wies die Juden nun aus der Stadt, und schaffte um 1568 auch den Rathsschutzjuden ab. Den bisherigen Judenfriedhof übergab er den Tuchmachern als Rähmenplatz. Das dritte und letzte Judenhaus (Synagoge) befand sich von 1644 bis 1658 in der Kiekersgasse (neuen Straße). Kaiser Ferdinand I. gab 1669 dem Rath der Reichsstadt Nordhausen eine Urkunde, in der das Pribilegium Kaiser Karl's V. bestätigt und dahin ausgedehnt würde, daß den Juden aller Handels- und Geldverkehr mit den Nordhäuser Bürgern verboten wurde; Kapital und Zinsen sollen als verwirkt dem Nathe zufallen. Der Nordhäuser Rath verbot nun seinerseits den Bürgern, Handels¬ und Geldgeschäfte mit den Juden, die von auswärts in die Stadt komMen, zu treiben. Seit 1661 hatten dir Juden im Nachbardorf Salza gewohnt. Jetzt zogen sie von Salza fort nach Sülzhain und Werna, wo sie unter dem Schutz des Herrn v. Spiegel wohnten, und nach Jmmeröde, wo sie unter dem Schutz des Grafen von Schwarzburg wohnten. Von 1668 bis 1808 haben Juden nur vorübergehend in.Nordhausen gewohnt. Erst als Nordhausen eine westfälische Stadt geworden, wurde am 1. Juli 1808 wieder ein Jude als Nordhäuser Bürger ausgenommen; er hieß Meyer Jlberg. Seitdem sind nach und nach die Juden von Sülzhain, Werna und Immenrode größtentheils wieder nach Nordhausen gezogen; 1822 waren in Nordhausen 160 Juden, jetzt gegen 600. Sie erbauten sich am Pferdemarkt eine Synagoge, die am 12. September 1846, und nach einer Renovation abermals am 17. August 1888 eingeweiht worden ist. x Oesterreich. Wien. (Gewalt geht vor Recht.) Es gab in Wien wieder Lehrer-Ernennungen und damit verbunden abermals einen Akt der schrankenlosesten Willkür. Die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen wurden nämlich bei dem Avancement wieder übergangen. Man muß sich nur das gewaltsame Unrecht, das seitens der herrschenden Partei in der jetzigen Wiener Gemeindeverwaltung an diesen Lehrpersonen begangen wird, vor Augen halten. Trotz langer Dienstzeit — Manche der Präterirten haben' sogar 20 und mehr Dienstjahre zu .verzeichnen —- und trotz vorzüglicher Qualifikation und äüsgezeichne?e'r ' Prüfüngserfolge,. werden "die" Beyi *V;ü: