Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 21 (16.3.1903)
- Date
- 1903-03-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44* Jahrgang., 44* Jahrgang. zu jß 21 des Literarisches. Hie Babel, hie Bibel! Anmerkungen zu des Professors Delitzsch zweitem Vortrag über „Babel und Bibel", vop M. A. Klausner, 29. S., Berlin, S. Calvary L Cie. 1903. 60 Pfg. Als Delitzsch im vongcn Jahre zum ersten Male von hervorragender Stelle aus seine Angriffe.gegen die _ Bibel erhob, gingen Viele zu dem Gelehrten, um sich darüber zu -vergewissern, ob wirklich die Thontäfelchen Babyloniens in verworrener Keilschrift schon im grauesten Alterthume das Große berichteten, was der glückliche Finder aus ihnen zu sehen glaubte. Da ein Professor gesprochen hatte, hielten es auch bedeutende Universitätslehrer nicht unter ihrer Würde, in ernsten Worten und durch bedächtige Untersuchungen ihrem Kollegen entgegenzutreten, um in zum Theil vorzüglichen, streng-wissenschaftlichen Abhandlungen die Behauptungen, die in jenem Vortrage in der Berliner Singakademie als feststehende Thaisachen öffentlich verkündet wurden, als jeder Grundlage entbehrend, hinzustellen. Ein Kopfschütteln ging durch die wissenschaftliche Welt über den bisher geschätzten Philologen, der sich als Phantast und Fanatiker entpuppt hatte. In diesem Jahre nun wurde das zeitunglesende Publikum in Erstaunen versetzt, als der Telegraph die ungeheuerlichen Behauptungen mit Blitzesschnelle überallhin trug, die der vielgenannte Vabylophile in einem neuen Vorträge mit gewaltigem Pathos verkündete. Als dieser Vortrag aber vor einigen Wochen im Druck vorlag, da machte das Erstaunen einem mitleidigen Lächeln Platz: denn die Beweise für neue Auffassungen der ernstesten Dingen glichen fast der luftigen, haltlosen Begründung, die sonst studentische Vierredner oder philiströse Karnevalsgrößen zur Freude der Zuhörer unmöglicher Lehrsätze zu geben pflegen. Es ist dieses Mal unnöthig. mit den Gelehrten sich zu berathen. Jedem Bibelkenner drängen sich bei der Lektüre des zweiten Vortrages Professor Delitzschs die Widerlegungen von selbst auf. Das gefährliche der tibelfcindlichen Schrift liegt jedoch einerseits darin, daß leider Bibelkenntniß heute wenig verbreitet ist, und daß andererseits.mit dem Schein unfehlbarer Sicherheit vcrgetragene Phantastereien auf naive Gemüther immer wieder Eindruck machen. Es ist darum sehr zu begrüßen, daß ein geistreicher Schriftsteller, der das aufmerksame Biöellesen nie vernachlässigt hat, wie Klausner/als einer der Ersten aus dem Platze erscheint/um iii^ einein''/flott und'äliziehend' 'geschriebenen' Aufsätze die völlige Haltlosigkeit der neuesten babylonischen Phantasien klar zu erweisen. Schon wegen der fesselnden Schreibweise sei „Hie Babel, Hie Bibel" zur Lektüre ' empfohlen. Zeitungsnachrichten und EorresponSenzen. Deutschland. '; Frankfurt a. M. 16. März. Das „Komitee zur Errichtung einer Samson Raphael Hirsch'schen Jubiläums-Stiftung" versendet den nachstehenden Aufruf an alle ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsanstalten der isr. Religionsgesellschaft ' ich Frankfurt a. M.:;/'• „Fünfzig Jahre werden am 1. April des kommenden Jahres verflossen sein, ftit die Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft in's Leben getreten sind. In diesen 50 Jahren haben unsere Anstalten entgegen allen Zweifeln, die ihre Entstehung begleiteten, ihre Existenzberechtigung in glänzendster Weise dartzethan. In" den ihnen bei der Gründung vorgezeichneten Bahnen haben sie Generationen von' Schülern und Schülerinnen heranzubilden das Glück gehabt, die den dreifachen Leitsatz des ersten Pro-, gramms „Gewinnung des Geistes für die Wahrheit, des Herzens für die Gottesfurcht, die Ertüchtigung aller Kräfte für den künftigen Beruf," im Leben sich zu verwirklichen sich bemühen. Der Tag, an dem die Schule einen so bedeutungsvollen Abschnitt ihrer Entwicklung beschließt, soll daher nicht Vorbeigehen, ohne daß ihre ehemaligen Zöglinge den Gefühlen des Dankes gegenüber der Bildungsstätte ihrer Jugend, wie die Freunde und. Gönner unsrer Anstalten der warmen Theilnahme, die sie beseelt, einen sichtbaren, bleibenden Ausdruck verleihen. /, Von diesem Gesichtspunkte geleitet, sind die Unterzeichneten zusommengetreten, um iiVii vereinten Kräften für die Errichtung einer Jubiläums-Stiftung' zu wirken. ,; . Die geplante Stiftung soll den Namen des Mannes führen, dessen hehre Gestalt mit unseren Anstalten unauflöslich und für immer vereint ist: „Samson Raphael Hirsch". Sein Feuergeist war es, der dem Gedanken der „jüdischen Realschule" im'Sinne inniger Verschmelzung universeller und jüdisch-reli-" giöser Bildungselemente das Leben gab, seinem Ör-4 ganisationstalente verdankt die Anstalt chre.Lehrvet-" l fassung'uüd^ ruMag®f ih?es' 'unpassenden'"Lehr-' Plans, sein eiserner Wille, seine unermüdliche Schaffensfreude endlich waren es, die ihn, unterstützt