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Der Israelit · 1903-03-16 · Heft 21 (16.3.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 21 (16.3.1903)
Date
1903-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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453 legenheit, die in den Paragraphen 4 hineingetragene Härte zu mildern oder gänzlich zu beseitigen. Köln, 10. März In einer der jüngsten Repräsentantenversammlungen richtete Herr Moses Gottschal k an die Verwaltung die Anfrage, wie weit die Angelegenheit betr. des Verkaufs von Koscherfleisch gediehen sei. Herr Js. Dülken erwiderte, der Vorstand habe unter Zuziehung der Herren Rabbiner in mehreren Sitzungen die Frage gründlich erörtert, ob es zu ermöglichen sei, 'Metzger zu finden, die den Verkauf des Koscherfleisches unter die Aufsicht der Herren Rabbiner stellen. Die sehr eingehenden Erörterungen dieser Frage hätten zu der Ansicht geführt, daß es zur Zeit ganz unmöglich sei, der Sache näher zu treten. Die Schwierigkeiten, die sich der Ausführung der Idee hier entgegenstellten, seien kaum zu überwinden. Der Vorstand sei indesten gerne bereit, in einer späteren besonderen Repräscntanten-Versammlung das Ergebniß der stattgehabten Verhandlungen in ausführlicher Darstellung mitzntheilen, und der Repräsentanz so Gelegenheit zu geben, zu der Frage Stellung zu nehmen. Welche Garantie besteht also für das Kaschrus des Fleisches? Breslau, 12. März. Wegen Gehorsamsverweigerung. Beharrens im Ungehorsam und Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft stand vor einigen Tagen der frühere Kanonier Kurt Bock vom Landwehrbezirk Kattowitz in Breslau, vor dem Oberkriegsgericht des sechsten Armeekorps als Berufungsinstanz. Der Angeklagte war vom Kriegsgericht der zwölften Division zu Reiste zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden, hatte gegen das Urtheil aber Berufung eingelegt. Darauf hatte das Oberkriegsaericht die Strafe auf vier Moncte Gefängniß herabgesetzt. Gegen dies Urtheil hatte der Angeklagte Revision beim Reichsmilitärgericht angemeldet, und dieses' hat das Urtheil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Oberkriegsgericht zurückverwiesen. Der Angeklagte ist jüdischer Konfession und Kaufmann. Er diente im Artillerieregiment Rr. 21. Am 12. April v. % befahl ihm Unteroffizier Rogos das Putzen eines Pferdes, dabei soll der Unteroffizer den Mann als „verfl.... gemeines Judenast" (Judenaas!) angeredet haben. Der Unteroffizier gibt diese Ausdrücke zwar nicht zu, bestreitet sie aber auch nicht, und meint, in der Aufregung könne er wohl so gesprochen haben. Bock sei wegen seiner jüdischen Konfession vielfach geneckt und auch geschlagen worden. Rach den Zeugenaussagen hat Bock trotz wiederholten Befehls des Unteroffiziers sich geweigert, das Pferd zu putzen und erklärt, der Unteroffzier habe ihm nichts zu befehlen, er gehe nicht in den Stall, er lasse sich nicht schlagen und mit Pferdemist werfen, es sei ihm gleich, ob er dafür auf Festung komme. Er sei der einzige Jude) man mache mit ihm, was man wolle. Der'Vertreter der Anklage, Ob.-Kriegsger.-Rath Laub, rügt den Ausdruck ..Judenast", die Konfession spreche beim Militär nicht mit und das religiöse Empfinden des Kanoniers hätte nicht verletzt werden dürfen. Er beantragte im Hinblick hierauf gegen Bock drei Monate einundzwanzig Tage Gefängniß. Das Oberkriegsg'ericht erkannte nur auf zwei Monate und vierzehn Tage Gefangniß, indem es dem Kanonier zu gute hielt, daß er durch die Beleidigung des Unteroffizers gereizt worden sei. So ist die Strafe von drei Instanzen von sechs auf vier, zuletzt auf zwei Monate reduziert Worden? F r a n k r e i ch. Paris, 9. März. Vor einer Woche hat ganz Frankreich das Andenken eines seiner größten Söhne gefeiert, der ebenso groß als Bürger, wie als Denker war. Herr Loubet und sämmtliche Minister haben der Hundertjahrfeier Edgar Quinet's, die in den ehrwürdigen Hallen der Sorbonne stattgefunden hat, beigewohnt. Der Abgeordnete Buisson, dessen Dictionaire p6dagogique einen Weltruf genießt, hat. einen vorzüglichen Vortrag über Edgar Quinet gehalten, dessen Leben und Wirken nur ein Ziel hatten: Völkerfreiheit. Völkerfrieden und Völkerglück. Unter den übrigen Festrednern befanden sich auch der französische Unterrichtsminister und der rumänische Botschafter in Paris. Herr Ghika hat in schönen und trefflich gewählten Ausdrücken gesagt, welch' großen Dank Rumänien nicht nur Quinet. sondern auch seinen zwei großen Freunden und Vcrbannungsgenossen, Michelet und Viktor Hugo, schuldet. Herr Ghika hat geschildert, wie sich diese drei großen Männer des bedrängten Volkes angenommen und laut ihre mächtige Stimme zum Schutze des unglücklichen rumänischen Volkes erhoben haben. Ich möchte nun Herrn Ghika ganz ergebenst folgende Frage stellen: „Wie! Ihr Volk hat gelitten^ eS war geknechtet und geknebelt, nur dem Einschreiten großer und freiheitsliebender Männer verdankt es seine Unabhängigkeit? Und Ihr Volk, das doch am. besten wissen sollte, was leiden heißt, scheut sich nicht, jetzt, da es im Besitze der heißersehnten Freiheit ist, Tausende von Juden ihrer Menschenrechte zu berauben, es trägt kein Bedenken, diese armen Männer, diese unglücklichen Frauen und diese schwachen und zarten Kinder in der denkbar schlechtesten Weise zu behandeln? Ist nicht das rumänische Volk es dem Andenken der Männer, die für seine Befreiung gekämpft haben) schuldig. auch anderen Stämmen gegenüber Freiheit und Tcleranz. wofür sie gelebt und gelitten haben, walten zu lassen?" . - - .. -Pi» England. London, 7. März. (M i n i st e r B a ff o u t u n d die B i b e!.)- In'dem „MaUsionhöuse" fand - Hestern" 'M-Jckh rürldet-kfeier"i)er Mtzlischeit 'Bibelgesellschaft statt. Der Lordmayor, Sir Samuel, der bekantlich Israelit ist, erklärte bei der Eröffnung der

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