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Der Israelit · 1903-03-16 · Heft 21 (16.3.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 21 (16.3.1903)
Date
1903-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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neue sö'fruchtbaren, gesegneten Boden und seinen mit allem Komfort'der Neuzeit Zebauten und eingerichteten großartigen Städten, stehen die . Guten und. Tüchtigen an.der Spitze, und die windige Gesellschaft von Anno 1903, die Friedrich Loewenbergs Flucht aus der Kulturwelt veranlaßt hatte, spielt gar keine Rolle mehr. Der alte-Bullenheißer Kingscourt,-, der Friedrich Loewenberg auf eine Annonce hin kennen lernt und ihn zwanzig-Jahre lang fern von qlleyi neuzeitlichen Leben als seinen Gesellschafter bei sich behält, er ist gar nicht der Menschenfeind, als den wir ihn glauben sollen. Er poltert und flucht nur, hat aber im Grunde immer das Bedürfniß gehabt-, etwas Menschliches um sich zu Haben, eine „Ansprach" zu genießen., Von wirklich poetischem Reiz ist die Darstellung des Verhältnisses, in das das kleine-Fritzchen zu ihm tritt und die Sorgen um das bedrohte Leben des Kindes, das der Alte der Menschheit wiedergew'onnen,- bilden wohl die poetischsten Szenen des Buches. , ' ' Eine Entwicklung in den Charakteren findet überhaupt nicht statt. Loewenbevg ist nach zwanzig Jahren noch ganz derselbe. - Daß David Littwak, den wir als armseligen Hausirerjungen kennen lernten, sich bei seinem Wiedererscheinen nach zwanzig Jahren zu einem tiefen Denker, einem Staatsmann, einem Volkswirth, einem Weisen, einem Mustermenschen entwickelt hat, das müssen wir von dem Verfasser auf Treu und Glauben hinnehmen; auch die Organisationskünste Joe Levys, der immer und überall auf dem Platze ist, müssen wir-für denkbar halten; doch schwer wird es uns, zu glauben, daß die alten Littwacks, die so viele Jahre lang in Elend und Niedrigkeit lebten, sich.auch geistig und in ihrem ganzen Auftreten so sehr in die Höhe arbeiten konnten.. Die sozialen, politischen, wissenschaftlichen, rechtlichen. erziehlichen Einrichtungen der „neuen Gesellschaft", die -das alte Palästina zu einem neuen Eldorado gemacht haben — etwa wie dies in kleinerem Maßsiabe. und schlichterer Weise der Held von Zschokkes „Goldmacherdorf" mit. diesem zuwege bringt — werden uns auf dem Wege dex Erzählung an die staunenden Besucher der glänzenden, neuen Hafenstadt. Haifa mitgetheilt. Zum Theil lernen wir sie aus, einen; langen. Vortrag Joe Levys kennen, der uns durch eine Phö.nögraphenwalze vermittelt wird. Anfangs wird man. lebhaft instressirt und gefesselt durch die Geschicklichkeit, mit der der Verfasser aller Schwierigkeiten Herr wird,, mit der er. Pümpfe"austrocknet. dem Boden neue'Fruchtbarkeit verleiht. Handel. Industrie, Wissen-, schaft xind..Techsiik zur. Vlüthe bringt, für alle schlech-. kunste doch ermüdend, und., wenn bei einem indischen» Pässah-Feste ein Pope, ein Franziskaner und ein Re-' verend am „Seder"tische sitzen, ohne daß irgend etwas Trennendes zwischen sie tritt, an und für sich und nach den Vorschriften der jüdischen Religion ist das ja möglich, aber wenn es zur Regel wird, dann sind . eben Wolf und Otter und Basilisk nicht mehr das, was sie waren, dann ist die Prophezeiung Jesaigs' in Erfüllung gegangen. Die Menschen, die an der Spitze der „neuen Gesellschaft" stehen, reden mit so überzeugender Kraft und Wärme, daß dadurch manche, auch nur einigermaßen eindrucksfähige Leser mit fortgeriffen werden. Auch hat der Verfasser es verstanden, feine, phantastischen Gebäude mit so realistischer Kunst aufzustellen, sie.uns so darzustellen, daß man gar nicht dazu kommt, das Neberspringen wichtiger Voraussetzungen gebührend zu würdigen, und wirklich glaubt, die Wunderdinge erklärten sich alle auf natürliche Weise. So haben wir selbst beobachtet, daß nüchterne Geschäftsleute, als sie etwa bis zur Hälfte des Buches gediehen waren, mit wahrer Begeisterung davon sprachen und der Meinung Ausdruck gaben, das sei wirklich der Zionistenroman, wie man ihn nur wünschen und. sich kaum eine wirksamere Propaganda für diese Bestrebungen denken könne. Damit kommen wir zu. der Seite, die eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Buche erheischt..' Hätte Herzl uns nur seine hübschen Phantastereien ohne anderen Zweck, als den der Unterhaltung geboten,, dann verlohnte es sich kaum der Mühe, sc lange dabei zu verweilen, da die künsterischen Qualitäten der Erzählung' zu einer eingehenden Behandlung keinen Anlaß geben. Aber er hat ein Tendenz- und Thesenbuch schreibe» wollen. Schon vor Jahren hat Herzl in seinem Buche „Der Judenstaat" allen Ernstes den Gedanken verfochten, die über die Erde verstreuten Juden zu einer Nation zu vereinigen. Seine Vorschläge sind von Anton Bettelheim klar und kräftig zurückgewrefen worden (1892). Gefährlicher als die damalige Methode ist die in dem vorliegenden Buche eingeschlagene, das Vielen als die Probe auf das Exempel erscheinen wird, das durch die Geschicklichkeit bestechend wirken muß, mit der der Verfasser, wie gesagt, seinen phantastischen Gebilden den Schein der Wirklichkeit-zu verleihen wußte. Herzl hat sich offenbar mit solcher Wärme und Innigkeit in die Gestaltung seines Ideals hineingelebt, daß er schließlich? dazu gekommen scheint, selbst an die. Möglichkeit seiner; Verwirklichung zu glauben. Dabei aber hat er ein, sehr Wesentliches außer acht gelassen, an das man nur zu denken braucht, um zu erkennen, auf. welch' Unsicherem Grunde sein ganzes Prachtgebäude aufgerichtet ist. Wie ist es mit der Sprache in dem neuen Lande, der Ex-, . füllung alter Sehnsucht? Und aus welchen Ländern, : saioren bewähren?- Der.Chaxte^. 'der-.-dqr Muen.Mf, sellschaft" vom Sultan gewährt worden ist, setzt für die-

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