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Der Israelit · 1903-03-16 · Heft 21 (16.3.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 21 (16.3.1903)
Date
1903-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44* Jahrgang. M 21 Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. . V Begründet von ' DeHrrrsnrr r« Montag, de« Ein Zionistenroman. „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Pardel bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe; wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh treiben." „Und ein Säugling wird seine Lust haben an der Höhle der Otter, und ein Enkwöhneter wird seine Hand stecken in die des Basilisken.". Welch' ein Jdealzustand wäre ein solcher Friede unter aller wandelnden Kreakur! Mer'als Jesaias dieses Zukunftsbild vor seinem geistigen Auge erscheinen sah, da war er sich wohl klar darüber, daß es immer Zukunftsbild bleiben werde, so lange wenigstens, bis Wolf und Löwe, Otter und Basilisk, ihre ureigensten Eigenschaften verloren haben. Und für die Menschen ein Zusammenleben in idealster Weise herbeizuführen, das wird eben auch nur gelingen, wenn man sie zu Jdealwesen macht. Seit dem Propheten Jesaias sind manche aus der Wirklichkeit in das Reich der Träume geflüchtet, sei es, daß sie mit dieser Wirklichkeit nicht zufrieden waren, mit ihren politischen, wirthschaftlichen oder gesellschaftlichen Zuständen, sei es. daß sie ihrer Phantasie hinsichtlich der weiteren Ausgestaltung der technischen Errungenschaften die Zügel schießen ließen. Dabei aber mußten sie immer etwas als gegegeben annehmen, was in der Wirklichkeit nicht gegeben ist, und sie mögen sich alle darüber klar gewesen sein, daß die Leichtigkeit, mit der ihre dichterische Einbildungskraft schwierige Voraussetzungen überwand, sie nicht dazu verleiten dürfe, die gleiche Methode für den Boden der Thatsachen anwenden zu wollen. Das gilt von Thomas Morus' „Utopia" und von Cabets „Boyaae en Jcarie", von Edouard Laboulayes hübschem Romane „Paris en Am6rique", und bis zu einem gewissen Grade von den Büchern von.Bellamy, Jules Berne, Kurt Laßwitz .... So weit der Roman 17. Ada* 5663 16. Marz 1903. „Altneuland" (Leipzig, Hermann Seemann Nächst) von Theodor Herzl auch nur ein Erzeugniß der Phan-. taste sein will, ist er nur nach dem Maßstabe zu beur- ■ theilen, den wir für solche Erzeugnisse anlegen. Herzl selbst läßt übrigens einmal die Erinnerung an solche Phantasieerzeugnisse vor uns aufst'eigen, wenn er seinem David die Worte in den Mund legt: „Es. gab auch rosigere Wolken, zum Beispiel die berühmte Wolke des Amerikaners Bellamy, der in. seinem „Rückblicke aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887"..eine - edle, kommunistische Gesellschaft darstellst. Dort kann Jeder aus der allgemeinen Schussel so viel essen, als er mag. Der Wolf weidet neben dem Lamm. Schön, sehr schön! . Nur sind dann die Wölfe keine Wölfe, und die Menschen keine Menschen mehr. Nach Bellamy kam der Staatsromantiker Hertzka und entwarf seine Utopie „Freiland", ein sehr brillantes Zauberkunststück, vergleichbar dem unerschöpflichen Hute des Taschenspielers. Es sind schöne Träume, oder, wenn ihr wollt, Luftschiffe, aber lenkbar sind sie nicht." Herzl hat damit sein eigenes Werk be- und verurtheilt. Mit der Romanhandluntz von „Altneuland" wären wir schnell fertig. Sie ist auf sehr phantastischen. Voraussetzungen aufgebaut und dem Zufall wird — auch abgesehen von der Hauptfabel, der Errichtung einer Art von idealem Judenstaat, in dem neu kolonisirten Palästina — eine übermäßige Rolle zugewiese». Die Personen sind in ihrer Mehrzahl keine Menschen von Fleisch und Blut, sondern wandelnde Sinnbilder von Edelmuth, Aufopferungsfähigkeit, Geistestiefe, kurz allen idealen Vorzügen. Freilich, die jüdische Gesellschaft, der wir zuerst im Jahre 1902 in Wien begegnen, ist in einem sehr wenig freundlichen Lichte gezei'gt. Diese Witzlinge Blau und Grün, diese Familien Löffler und Laschner, die Schiffmann, sind.mit stark kari- . kirendem Skiste gezeichnet.' Aber üm's Jahr 1923, in dem herrlich entwickelten Palästina, mit seinem auf's

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