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Der Israelit · 1903-03-12 · Heft 20 (12.3.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 20 (12.3.1903)
Date
1903-03-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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dings nur 66 von den Behörden bestätigt sind. Mitglieder dieser Vereine sind alle Juden in Rußland, die nicht selber die Hand ausstrecken müssen. Trotz dieser beispiellosen Wohlthätigkeit ist die Armuth in steter Zunahme begriffen, und sie wird nicht eher wieder abnehmen, als bis die verruchten Maigesetze, die die Armuth Hervorrufen, in der Versenkung verschwinden werden. ZeitungcrrachrichLeir und Correspoudenen. Deutschland. Frankfurt a. M., 10. März. (Die neue Rothschild-Stiftung.) Vor einiger Zeit ist die „Freiherrlich Wilhelm Karl von Roihschild'sche Stiftung für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke," die von Frau Max Goldschmidt, geborene Freiin von Rothschild, zum Andenken an ihren Vater, Frhrn. Wilhelm Karl von Rothschild, errichtet worden ist, in's Leben getreten. Das Stiftungskapital besteht: aus dem von der Stifterin überwiesenen Kapitalbetrag von einer Million, und aus etwaigen Geschenken oder Vermächtnissen im Betrag von mehr als 10,000 Mk. Zweck der Stiftung ist, wie die „Mittheilungen des Waisen- und Arm'enamts" bekanntgeben, arme Leute ohne Unterschied des Bekenntnisses, die seit mindestens drei Jahren in Frankfurt wohnen, im Winter mit Heizmaterial zu versehen oder mit Miethbeiträgen zu unterstützen; ferner soll ein Theil der Einnahmen zur Förderung der Fürsorge der schulentlassenen Jugend verwendet werden, und schließlich soll die Stiftung auch durch Erwerbung oder Erbauung von Wohnhäusern mit Vier- oder FünfziMmer-Wohnungen und Vermiethung an minderbegüterte Einwohner von Frankfurt a. M. eine Erleichterung zu schaffen berechtigt fein. Ebenso können Wohnhäuser mit Ein- oder Zweizimmer-Wohnungen erbaut oder erworben werden, um durch Vermiethung dieser Wohnungen an minderbegüterte Frauen oder Mädchen des Mittelstandes diesen die Erlangung einer passenden Wohnung zu erleichtern. Die Unterstützungen sollen niemals, auch wenn sie durch das Waisen- und Armenamt ausgezahlt werden, als öffentliche Armenunterstützung angesehen werden. Berlin, 9. März. In derselben Reichtagssitzung, in welcher der Abg. Stöcker wieder einmal abgeurtheilt wurde, hat der Abg. Schwarze-Lippstadt es seltsam gefunden, daß die jüdischen Abgeordneten in der sozialdemokratischen Fraktion so oft das Wort ergriffen, und er ftagte, wie viele jüdische Wähler denn eigentlich hinter ihnen ständen. Die Gegner der jüdischen Abgeordneten werden, sofern sie ehrlich sind, nicht behaupten wollen, daß diese die Vertretung jüdischer Interessen sich irgendwie zur Spezialausgabe gestellt haben . Aus nicht einer einzigen ihrer zahlreichen Reden ist irgendwelche, geschweige denn eine besondere Vertretung jüdischer Interessen herauszulesen. Im Gegensätze zu den Fraktionsgenoffen des Herrn Schwarze, die eine katholische Fraktion bilden und in erster Reihe katholische Interessen vertreten wollen, sind die jüdischen Mitglieder der soziademokratischen Fraktion nicht nur in erster Reihe, sondern ausschließlich Vertreter der Interessen des deutschen Volkes, soweit sie natürlich diese Interessen verstehen und vertreten zu sollen glauben. Daß sie Juden sind, daran denken sie im Sitzungssäle wahrscheinlich nur, wenn Herr Schwarze, der kein Antisemit sein will, und die Antisemiten sie offen oder versteckt, grob oder höflich daran erinnern. Köln, 9. März. Der hier erscheinende „Evangelische Gemeindebote" erbaut seine Leser mit folgender Mittheilung, die er „Umwandlung" betitelt: „Eine Enkelin des in London verstorbenen jüdischen Millionärs Sir Montefiore arbeitet (für die Mission) unter den Chinesinnen. Durch eine fromme, amerikanische Erzieherin ward sie für das Evangelium gewonnen. Gern verzichtete sie ihrer christlichen Ueberzeugung zu Liebe auf ihr reiches Erbe. Rach ihrer Taufe gedachte sie in Berlin in den Diakoniffendienst einzutreten. Dort mußte sie vor den Angriffen jüdischer Feindseligkeit unter den Schutz der englischen Gesandtschaft flüchten. Nunmehr arbeitet sie in der China-Jnland- Mission; ihr wird das Zeugniß ausgestellt: „Sie ist die eifrigste Arbeiterin km Dienste des Herrn.".- So weit das Missionsblatt. Zur Kennzeichnung dieser grotesken Notiz genügt es, daran zu erinnern, daß die Ehe des Sir Moses Montefiore kinderlos war. daß er auch kein Kind adoptirt und somit eine Enkelin überhaupt nicht gehabt hat. Der Erbe seines Namens und seines Vermögens war bekanntlich der vor einigen Wochen verstorbene Sir Joseph Sebag-Montefiore, dem übrigens gleichfalls leibliche Nachkommenschaft versagt blieb. Möglicherweise hat eine abgefeimte Schwindlerin sich als Enkelin des gefeierten jüdischen Philanthropen ausgegeben; in diesem Falle würde das Gelingen des Schwindels abermals offenbaren, wie gründlich sich die Mission über die sittlichen Qualitäten ihrer „Bekehrten" vergewissert. Wenn die Dame überhaupt existirt, dann handet es sich um eine dreiste Betrügerin, der die Lüge von den „Angriffen jüdischer Feindseligkeit", denen sie 'in Berlin ausgesetzt gewesen sein soll, . zuzutrauen ist. Ueberläufer und Ueberläu--- ferinnen prahlen gewöhnlich mit einem derartigen „Märtyrium". um durch die Verdächtigung ihrer frühren Glaubensgenossen das, Vertrauen und den — Geldbeutel ihrer Bekehrer zu gewinnen.

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