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Der Israelit · 1903-03-12 · Heft 20 (12.3.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 20 (12.3.1903)
Date
1903-03-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Oesterreich. Wien. 10. März. (Statistik der Juden in Oesterreich.) Das statistische Bureau in Oesterreich hat vor kurzem die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900 veröffentlicht. Die auf die Juden bezüglichen Daten, die in mancher Hinsicht sehr lehrreich sind, seien hier einer Betrachtung unterzogen: Die Gesammtzahl der Juden in Oesterreich beträgt 1,224,899 Personen. Im Jahre 1880 lebten in Oesterreich 1.005.394. im Jahre 1890 1.143,305 Bekenner des jüdischen Glaubens. Vergleicht man diese Zahlen, so findet man, daß die Zahl der Juden, die während des Zeitraumes vom Jahre 1880 bis 1890 um 137,911 Personen zugenommen hat, während des letzten Dezenniums von 1890 bis 1900 nur eine Vermehrung von 81,694 Personen aufweist. Einen so geringen Zuwachs wie die Juden hat mit Ausnahme ganz kleiner Sekten, wie der Unitarier und Mennoniten, keine einzige in Oesterreich vertretene Religionsgenossenschaft zu verzeichnen. Während die Vermehrung der Juden in den Jahren 1880 bis 1890, in Verhältnißzahlen ausgedrückt, 13,72 Prozent ausmachte, betrug sie in den Jahren 1890 bis 1900 nur 7,14 Prozent, wogegen z. V. die Vermehrung der Anhänger römisch-katholischen Glaubens, die im Zeiträume von 1880 bis 1890 7,01 Prozent betrug, also verhältnismäßig geringer war, als die der Inden in demselben Dezennium, in den Jahren 1890 bis 1900 auf 9,12 Prozent stieg, die der Protestanten sogar 16,71 Prozent ausmachte. Der relative Rückgang im Wachsthum der Juden wird aber noch deutlicher erkenntlich, wenn man folgende Zusammenstellung berücksichtigt: Im Jahre 1890 wurden 1,143,305 Juden gezählt, in der Zeit von 1890 bis 1900 wurden lebendig geboren 414,751 Juden, es starben in dieser Zeit 228,399 Juden, so daß ein Ueberschuß von 186,352 Personen verbleibt, die mit der Zahl der Juden von 1890 zusammen eine Bevölkerung von 1,329,667 Personen ergeben sollte. Aus der Zahl der thalsächlich anwesenden Bevölkerung aber ersieht man, daß gegenüber der natürlichen Bewegung durch Geburten und Todesfälle, die mit 16,30 Prozent alle anderen Religionen überragt, sich ein Minus von 104,758 Personen ergibt, deren Verbleib sich auf folgende Weise erklärt: Erstens, und zwar zum weitaus geringeren Theile, durch Uebertritt. Die Zahl der Konfessionslosen hat im Zeiträume von 1890 bis 1900 um 1891 Personen zugenommen; von dieser Zahl waren neun Zehntel ehemals jüdischen Glaubens. Zum Katholizismus sind ungefähr fünfmal so viel Personen übergetreten, so daß innerhalb der letzten zehn Jahre über 10,000 Personen vom Judenthum offiziell abgefallen sind. Von weit größerer Bedeutung aber für die Erklärung der obigen Zahlen ist ein anderes Moment, nämlich die Auswanderung der Juden aus Galizien. Dort betrug die Zahl der Juden im Jahre 1890 772.203 Personen, lebendig geboren wurden während der Jahre 1890 bis 1900 315.073, es starben 166,696 Personen, so daß der Ueberschuß von 148,107 Personen zusammen mit der Vevölkerungszahl vom Jahre 1890 920,320 Juden im Jahre 1900 ergeben sollte. In Wirklichkeit sind aber nur 811.371 Juden bei der letzten Volkszählung gezählt worden, das ist eine Zunahme der Juden in Galizien um nur.5,07 Prozent, während die Gesammtbevölkerung sich um 10,72 Prozent in Galizien vermehrte. Da für die galizischen Juden die Taufe nur in ganz geringem Maße in Rechnung kommt, so verbleibt ein Rest von 108,949 Juden, die aus Galizien ausgewandert sind.. Von diesen sind zirka 2000 nach der Bukowina eingewandert, die in Oesterreich bleiben und an der Gesammtzahl der Juden in Oesterreich nichts ändern. Ungefähr 16,000 sind in andere Gebiete Oesterreichs, besonders nach Wien, übergesiedelt, rund 90,000 dieser galizischen Juden sind aus Oesterreich gänzlich ausgewandert. Dieser Umstand ist bezeichnend für die soziale Lage der Juden in Galizien. Diese auSgewanderten Juden, von denen ein großer Theil nach Ungarn, ein anderer nach Amerika und Palästina ging; sind fast alle gänzlich vermögenslos gewesen und hatten ihre ganze Hoffnung auf die Schaffung neuer LebenSverhältnisse gesetzt. Doch waren diese noch immerhin die Thatkrästigeren, die noch den Muth und die Kraft hatten, sich aufzuraffen, während viele Taufende diese Energie nicht mehr besitzen und im Elend ersticken. Immerhin ist die Auswanderung auch in den letzten Jahr?» nach im Steigen begriffen. Während so die Zahl der Juden in Galizien sich in steter Abnahme befinden, ist die Zunahme der Juden in den drei Kronländern Niederösterreich, Bukowina und Schlesien sogar größer, als die Bevölkerungszunahme überhaupt. In Niederösterreich waren 1890 128.729 Juden, 1900 167,278 Juden (davon in Wien 146,926 Juden), in der Bukowina 1890 82,717 Juden, 1900 96,160 Juden (davon in Czernowitz 21,587 Juden), in Schlesien 1890 10,042 Juden, 1900 11,988 Juden (davon in Bielitz 2460 Juden.) In Böhmen und Mähren, dem Eldorado der Juden in Oesterreich, ist eine thatsächliche Verminderung der Juden im Jahre 1900 eingctreten. Es waren in Böhmen 1890 94,479 Juden, 1900 nur 92,745 Juden, in Mähren 1.890 45.324 Juden, 1900 nur 44,255 Juden. Man geht nicht fehl, wenn man diese Verminderung mit der nationalen Hetze sowohl der Deutschen, als auch der Tschechen in diesen Ländern in Zusammenhang bringt. Am geringsten ist die Zahl der Juden in Voralberg. wo sie 117 Personen, in Krain, wo sie 145 und in Salzburg, wo sie 199 Personen beträgt. e

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