Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-03-12 · Heft 20 (12.3.1903) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 20 (12.3.1903)
Date
1903-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449910--57813-2520562
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

dringenden Fällen an 27 Parteien unserer aktiven Mitglieder auch außerordentliche Unterstützungen aus dem Reseroefond im Betrage von Mk. 1375 bewilligt. Zum zweiten Male gelangten ferner, auch diesmal die Zinsen unseres im vorigen Jahre durch eine Schenkung' neu gegründeten und seitdem auch durch einige Zuweisungen schon erhöhten Spezial-Reservefonds zur Vertheilung. . Die Empfänger sind bedürftige Töchter früherer aktiven Mitglieder, die ihre Eltern bis in's höchste Greisenalter gepflegt und ihnen dadurch ihre ganze Jugend geopfert hatten; hiermit konnten wir das Andenken Heimgegangener, braver Lehrer und die kindliche Aufopferung für Eltern ehren. Die Summe der diesmaligen Pensionen beträgt Mk. 18.300. in 122 Theilen zu Mk. 150. und mit Hinzufügung der aus beiden Reservefonds bewilligten außergewöhnlichen Unterstützungen im Betrage von Mk. 1550, ergibt sich für das Jahr 1902 eine Gefammt- Ausgabe von Mk. 19,850. Das'Vereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Verkeilung kommenden Summe 275,351.35 Mark, gegen Mk. 263.363.34 im vorigen Jahre. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug Ende 1901 373. Die Zahl unserer Ehrenmitglieder hat sich auf etwa 1160 erhöht. Kattowitz, 10. März. (Rabbiner-Ver-. s a m m l u n g.) Der „Oberschlesische Rabbinerver-* band" trat vor einiger Zeit zu einer Versammlung zusammen. Erschienen waren die Herren Rabbiner Dr. Eohn-Kattowitz, Dr. Miinz-Gleiwitz, Dr. Kopfstein- Beuthen, Dr. Loewenthal - Tarnowitz, Dr. Kaatz- Zabrze, Dr. Rorden-Myslowitz, Dr. Rau-Pleß und Dr. Bäck-Oppeln. Der Vorsitzende. Dr. Cohn, widmete dem Heimgegangenen Kollegen. Dr. Vlumenthal-Ratibor, einen ehrenden Nachruf. Wie wir erfahren, gehörten zu den Berathungsgegenständen mehrere religionsgesetzliche Fragen, sowie verschiedene Schulangelegenheiteu, darunter auch die Dispensation der jüdischen Schüler an den Feiertagen. Strastburg, 9. März. In der Sitzung des Landesausschusses für Elsaß-Lothringen, vom 5. d. Mts., kam es wegen des Etats der Kultusverwaltung zwischen den Abgeordneten Emmel (Sozialdemokrat) einerseits, Winterer und Wetterl6 andererseits, zu einer Auseinandersetzung über die grundsätzliche Stellung des Staates zu den Religionsgemeinschaften. Die Auseinandersetzung ging davon aus, daß Emmel die Forderung ausstellte, die Kosten des Religionswesens sollten die einzelnen Religionsgemeinschaften tragen, ohne daß Staat und Gemeinde dadurch belastet würden. Da dies nicht angängig sei. verlangt er ein langsameres Umgehen in der Errichtung von Kirchen, und bessere Vertheilung der Pfarreien. Abgeordneter Winterer meinte: Es ist die Aufgabe eines Mitgliedes der Sozialdemokratie, das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat zu vertheidigen und den Standpunkt zu vertreten: „Religion ist Privatfache." Die Trennung von Kirche und Staat steht nicht in unserer Verfassung, und so lange darf man hier nicht sagen, was wir hier zu thun hatten. Wir müssen auch für das Schulgeld der Kinder der Sozialdemokraten mitzahlen. Abgeordneter Wetters sagte: Ich habe bis jetzt geglaubt, daß bei der Sozialdemokratie nur die gesellschaftlichen Probleme aufgestellt werden, die religiösen aber bei Seite gelassen werden. Es freut mich, von einem berufenen Vertreter der Sozialdemokratie heute meine Ansicht bestätigt zu finden, daß die Sozialdemokratie und Religion einander ausschließen. Ich stelle aber trotzdem in Abrede, daß in Mülhausen der religiöse Geist so gesunken sei, wie der Abgeordnete Emmel behauptet. Abgeordneter Kraft schloß sich den Erörterungen der beiden genannten Abgeordneten mit folgenden Worten an: Wir, die wir Alle uns zu einer Religion hekemren. stehen auf der Seite der Herren, die eben gesprochen haben, und wir Alle erheben Protest gegen die Angriffe des Abgeordneten Emmel. Schließlich griff auch Untcrstaatssekretär Dr. Petri in die Debatte eim Er betonte. der Satz „Religion ist Privatsache", ist von der Theorie noch nicht in die Praxis übergegangen, und wir sind froh, daß dem so ist. Von dieser Stelle aus wird alles geschehen, daß diese Theorie nie zur Praxis werde. Es ist eine der schönsten Aufgaben des Staates, dem Volke die Religion zu erhalten, dafür zu sorgen, daß auch die materiellen Bedürfnisse der Kirche nach allen Richtungen hin geprüft werden. Im Laufe der weiteren Erörterungen ertheilte der Unterstaatssekretär Dr. Petri eingehende Auskunft über die in Folge des Gesetzes vom 6. Juli 1901 geschaffene Lage: Gehaltserhöhungen u. s. w. beim protestantischen Kultus, die aus besonderen Umlagen zu bestreiten sind. Bei dem israelitischen Kultus bemerkt der Abgeordnete Manheimer: Ich wollte heute das Wort ergreifen betreffs des israelitischen Kultus. In letzter Stunde erhielt ich aber verschiedene Wünsche, Bitten und Briefe, die ich nicht mehr prüfen kann. Ich werde mir also erlauben, bei Petitionen bei der dritten Lesung auf diese so wichtigen Sachen näher einzugehen. Daß in den verschiedenen Wünschen. Bitten und Briefen, welche Herr Abgeord. Manheimer in der letzten Stunde erhalten hat, auf welche er bei Petitionen bei der dritten Lesung näher einzugehen verspricht, das Thema: „die Mängel unserer israelit. Konsistorialverfassung und Schritte zur Abhilfe," worüber der Oberlehrer Dr. Gl. Lewy aus Mülhausen am 2. April vorigen Jahres im großen Saale des „Englischen Hofes" einen Vortrag hielt. — berührt wird, unterliegt meiner festen Ueberzengung nach, keinem Zweifel. Ebenso zweifellos dürfte cs sein, daß Herr Manheimer, der bekanntlich von dem Standpunkt ausgeht: „Dr. Gk. Lewy's Neuerungsbestrebungen nichts weniger als Frie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.