Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 20 (12.3.1903)
- Date
- 1903-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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427 förmlich vor Augen. Nach seiner Rückkehr in den Saal trifft er zum Ueberflusse noch Haman in einer Situation, die seine Eifersucht im höchsten Grade erregt und den Verdacht in ihm aufsteigen läßt, die anscheinende Leidenschaft Haman's für Esther würde vor keinem Mittel zurüüschrecken, auch nicht vor einem Königsmord. Bestärkt hierin wird er noch durch Charbona — der allerdings „nicht aus Liebe zu Mordechai, als vielmehr aus Haß gegen den übermüthigen Emporkömmling" — auf den Galgen hinweist, den Haman für Mordechai angefertigt "jVcr; bv so in wx weil er zum Wohle des Königs geredet, d. h. der Haß gegen Mordechai hat seinen Grund in der Vereitelung des Mordplanes durch Mordechai. — Nach dieser Erkenntniß der wahren Gesinnung Haman's ist seine Hinrichtung für den König ein Gebot der Selbsterhaltung, zugleich aber auch ein Akt der Dankbarkeit gegen seinen Lebensretter, die ihren besonderen Ausdruck findet in der Abwendung der Gefahr von seinen Glaubensgenossen, zu deren Andenken das Purimfest eingesetzt wird. „Diese Purimtage sollen nie untergehen unter den Juden und ihr Andenken nie schwinden von ihren Nachkommen." Unsere Weisen knüpfen daran die Bemerkung: xb cT.cn '2' ■ bis ftas* cmycn bi. „Alle Feste werden einst aufhören, Purim aber wird nie aufhören." Es wird eine Zeit komMen, wo neue Wunder das Andenken an die alten verdrängen werden; Purim aber wird immer das größte Ereigniß bleiben. Denn nie hat es eine Zeit gegeben, wo fast ganz Israel, die Bewohner von 127 Ländern, in Lebensgefahr geschwebt, wie in der Purimgeschichte. Dazu kommt noch, daß auch unsere heil. min Haman verhaßt, und auch diese abzuschaffen mit der Zweck seines Planes war. Daher die Bemerkung: min u mix nn\n n-nmb. „den Jehudim ward Licht, damit ist die nun gemeint," es herrschte Freude in Israel über die Rettung des Gesetzes. — Aber auch nach einer anderen Seite hin ist das Andenken an jene Zeit sehr wichtig und lehrreich, erre: n"ev inv njoen men n1?:-:;;* „Die durch Erhebung Haman's über Israel heraufbeschworene Gefahr hat mehr bewirkt, als die 48 Propheten mit ihren Mahnenden Reden es vermocht haben," sagen unsere Weisen. Diese Erfahrung, sowie viele ähnliche in der zweitausendjährigen Leidensgeschichte unseres Volks lehren uns. alle Leiden und Bedrückungen, die uns heimsuchen, als Himmelsboten anzusehen, von Gott gesandt. uns zu bessern. Dieses gilt für alle Zeiten, wie nicht minder für die gegenwärtige. Als am Anfänge des verflossenen Jahrhunderts die Sonne der Freiheit über Europa aufgegangen und ihre Strahlen auch durch die Ghettomauern gedrungen waren, wurden unsere Vorfahren.so geblendet, daß sie vermeinten,., des Lichtes und der Wärme, die die Thora Jahrtausende lang ihnen gespendet, nunmehr entrathen zu können; die Folge davon war, daß sie sich immer mehr vom jüdischen Leben entfernten, ja, daß sogar ein großer Theil vom Judenthüm abfiel. Vor einem Vierteljahrhundert etwa trat ein kleiner Umschwung zur Besserung ein, hervorgerufen durch jene Geißel in der Gestalt von Antisemitismus, der, wenn auch ungewollt, unsere Glaubensgenossen aufrllttelte und sie zum Bewußtsein brachte, daß sie Juden seien. Seitdem werden nun allerlei Mittel und Mittelchen erfunden und angewandt, um das Judenthum zu heben; aber die verschlagen sehr wenig. Denn eine Krankheit kann nur dann radikal geheilt werden, wenn nicht auf die Symptome allein, sondern auf das Grundübel derselben eingewirkt wird. Wenn der Verfall des JudenthumS durch das Lossagen von der Thora herbeigeführt wurde, so kann eine Besserung nur durch die Rückkehr zu derselben erfolgen. Fast scheint es, als ob diese Erkenntniß hie und da sich geltend zu Machen anfängt; in größeren Gemeinden werden vielfach Vereine gegründet, wo belehrende Vorträge aus dem jüdischen Schriftthum gehalten werden, in denen svgar die me: hervorgeholt wird. In manchen Religionsschulen wird die Jugend nicht mehr mit der Essenz eines „Katechismus" abgespeist, sie wird vielmehr ersreulicherlveise an die lebende, ewig sprudelnde Quelle der Thora geführt. Möge dieser.Geist in immer weitere Kreise dringen und die Krone des Judenthums im alten Glanze wieder erstrahlen lassen, ■vwi mm ZeiturrgsnachriHten und Eorresporrdenzerr. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem achtünddreißigsten Rechenschaftsbericht des „Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland" (für das Jahr 1802) entnehmen wir: Zur Unterstützung unseres menschenfreundlichen Werkes haben wir uns auch im verflossenen Jahre beträchtlicher Zuwendungen zu erfreuen gehabt, wofür wir hier unseren herzlichsten und aufrichtigsten Dank den gütigen Gebern aussprechen. Im verflossenen Jahre hat sich die Zahl der von der „Achawa" durch jährliche Pensionen unterstützten Pensionäre auf 102 belaufen; darunter 31 durch Altersschwäche oder Gebrechen dienstunfähig gewordene Lehrer mit größerer und kleinerer Famisi.e, ferner 12 Wittwen mit 17 unmündigen Kindern, sowie 39 alleinstehende Wittwen. — Außerdem wurden, in,, besonders