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Der Israelit · 1903-03-09 · Heft 19 (9.3.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 19 (9.3.1903)
Date
1903-03-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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415 Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft im April d. I. ihr Mjähriges Bestehen. Diese Schule wurde vom verstorbenen Rabbiner S. Hirsch, dem „Hirsch ohne Hörner", wie er in einer gegnerischen Zeitschrift einmal genannt wurde, gegründet, als die Wogen der jüdischen Reformationsbewegung in Deutschland hoch gingen. Für die Frankfurter orthodoxe Judenhass wird sich die Feier zum allgemeinen Fest gestalten. da sehr viele Minder diese. Schule zuerst besuchen, bevor sie das Gymnasium beziehen. Es wurde ein Festkomitee gebildet und eine Damen- und Herrenkommifsion eingesetzt, die Adressen ehemaliger Schüler und Schülerinnen zu sammeln haben. Wir sind in der Lage, zu verrathen, daß u. A. der Oberbürgermeister Adickes eine Ansprache halten wird. Hamburg, 5. März. Die „Israelitische Sterbekasse von 1718" hielt ihre diesjährige Generalversammlung in Hagelstein's Clublokal, Schlachtergaffe 43/44, unter dem Borsitze des Herrn B. Blumenthal ab. Derselbe theilte mit, daß dem Verein auch im verflossenen Jahre wiederum acht neue Mitglieder beigetrcten sind, wodurch deren Zahl auf 161 angewachsen ist. Ferner sei der Vorstand in der angenehmen Lage, darauf Hinweisen zu können, daß die Jahresabrechnung für 1902 mit einem Ueberschuß von über 300 Mk. abschließt. Was die Einnahmen und Ausgaben des Vereins anbelangt, so wurden an Mitglliedsbeiträgen Mk. 899 and an Zinsen Ml. 466.10 im Jahre 1902 vereinnahmt. An Sterbe- und Trauergeld lvurden Mk. 687.50 verausgabt, weitere Ausgaben waren Botengehalt 360 Mark, kleine Ausgaben, Drucksachen etc. Mk. 17.30. Tie Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Cassirer Decharchc crtheilt. Bei den alsdann vorgcnommenen Vorstandswahlen wurde Herr I. Felbel per Acclamation wiedergewählt. Köln, 4. März. In Folge des nach langem Leiden, im Alter von 62*,/: Jahren, erfolgten Hinscheidens der Frau Wwe. Moritz Mayer, geb. Seligmann, wird hier eine jüdische Speisewirthschaft zu bestehen aufhören, die eine von den wenigen Restaurationen gewesen, die Alles das in sich vereinigte, was ein streng gesetzestreucr Jude von einer solchen Anstalt verlangen kann. Allcrpeinlichste Beobachtung des jüdischen Gesetzes bei Herstellung, Auswahl und Reinigung der Speisen und Geräthe, gute und preiswürdige Kost und mcderne. sauberste Führung. Es ist sehr zu bedauern, daß das Geschäft nicht fortgesetzt wird: Als Ersatz für dasselbe kann wohl in Bezug aus streng jüdische Führung das Restaurant des Herrn M u ß k a t, das in der Nähe sich befindet, angesehen werden. indeß wäre es erforderlich, daß dasselbe nunmehr in ein größeres Lokal übersiedeln würde. Tarmstavt, 8. März. In der Zweiten Kammer interpellirte letzten Dienstag bei Berathung des Kapitels „Volksschule" Abg. Reinhard die Regierung „über die Regelung der Verhältnisse der i s r a e t. Religionslehrer und die 'im Sinne 'des im vorigen Jahre von beiden Kammern angenommenen Antrags Backes erfolgten Schritte." Ministerialrath E i s e n h u t h erwiderte, daß dies zum Ressort des Ministerialraths Best gehöre, welcher momentan am Erscheinen verhindert sei. Durch Information von zuverlässiger Seite erfahre ich indessen, „daß die Arbeiten zur Borlage des betr. Gesetzes demnächst beschleunigt werden." L. Kattowih, 6. März. Ein Philanthrop im edelsten Sinne ist der greise Sieg m und Berge! aus Berlin, ein schlichter Kaufmann, der seit mehr als einem Menschenalter an allen Bestrebungen für hilfsbedürftige Menschen und Völkergroßen, arbeitsreichen Antheil nimmt. Vor allem sind es der große Wohlthätigkeits- und Hilfsbund „Alliance Jsraelite" und der „Hilfsverein der deutschen Juden", denen das volle Herz des unermüdlichen Mannes gehört. Zum Zwecke der Propagirung für den letzteren Verein, d. h..der Gründung einer Kattowiher Ortsgruppe, stand Herr Berge! dieser Tage an der gleichen Stelle, wo er vor zwanzig Jahren den Grundstein zur Errichtung einer inzwischen segensreich sich entwickelt habenden jüdischen Loge gelegt hatte, um die hiesigen Glaubensgenossen für die große Arbeit des genannten Hilfsvereins zu erwärmen. Der Einladung in das Stadthaus, d'ie von einem Komitee mit Stadtrath Salomon Wiener und Rabbiner Dr. Cohn an der Spitze ausgegangen war, hatte ein zahlreiches Publikum Folge geleistet und lauschte den lichtvollen Darlegungen des geschätzten Redners mit hohem Interesse. Herr Vergel weiß eindringlich zu den Herzen zu sprechen, das Mitleid für Menschennoth wach zu rufen, aber was er sagt, ist auch von.hohem, sozialem, Volks- und weltwirtschaftlichem Interesse. Wir müssen es uns leider aus räumlichen Gründen versagen, den ungemein lehrhaften Vortrag auch nur annähernd wiederzugeben. Herr Vergel liebt die Menschheit mit heißem Herzen und sein Streben, dazu beizutragen, alle seine Glaubensgenossen aus Erden den Zielen der höchsten Kultur dienstbar zu machen, war das Leitmotiv seiner Ausführungen. Das reine Wohlthun ist ihm nichts, die Arbeit Alles. Er sieht nicht nur mit dem Auge des fühlenden Philanthropen in die Welt, sondern ihn leitet dabei der klare Verstand des praktischen Volkwirths, des gediegenen Sozialpolitikers. Wie er die große Geschichte der Juden zeichnete, wie er ihren Leidensweg nach der Zerstörung politischer Selstständigkeit durch die Jahrhunderte bis zu den Anfängen der Emanzipation zeichnete, dabei brachte er so viele neue, vornehm-praktische Gesichtspunkte zur Darstellung, daß wir meinen: manche Frage der Juden wäre gelöst, griffen alle Philanthropen die Dinge so verständig und so sachlich an. Abgesehen von der Mitarbeit des deutschen Hilfsvereins, regukirend und helfend bei der

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