Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 19 (9.3.1903)
- Date
- 1903-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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414 •3 "i Sohne einen ohnedies schon knapp bemessenen Theil, nahm der Vater noch etwas davon ab aus Furcht, es könnte dem Knaben schaden. Ueber diese Aendernng. im Benehmen des Vaters befragt, antwortete er: „Du hast recht, mein Kind, scheinbar stimmen Deine Mutter und ich in der Handlungsweise überein; aber die Ursache hierzu ist doch verschieden. Sie hält Dich knapp aus Geiz und Uebelwollen, bei mir aber geschieht es aus Liebe zu Dir, damit Du Dich nicht übersättigen sollst und Deine Gesundheit nicht wieder Schaden leidet." So erklärt sich das Verhalten Mordechais und Hamans den Juden gegenüber. Während jener sicher seinen Genossen alles Gute, ihnen alle Freuden unverkürzt gönnt, war dieser von der schwärzesten Mißgunst gegen sie erfüllt und suchte sie allenthalben zu schädigen. Bei diesem Festmahle stimmten beide überein, indem sie beschlossen, auf Niemanden einen Zwang auszuüben. Mordechai war dabei von dem Motiv geleitet, die Juden möchten durch Theilnahme an dem Mahle sich versündigen, und in der That soll auch das ganze Purimvorspiel eine Strafe dafür gewesen sein, weil urryco wn v.'.rr bv sie sich nicht zurückhalten ließen, an dem Volksessen theilzunchmen. Haman gönnte es ihnen aber nicht aus Mißgunst und llebelwollen. Ihm konnte es nicht gefallen, daß die Juden Susas wie persische Bürger behandelt würden, er konnte die konfessionelle Gleichberechtigung nicht anerkennen; legt er doch in seiner Anklage den Schwerpunkt auf tca cn-rrr: ci? — sie haben ja ganz andere Gesetze. Diese uralte Begebenheit ist doch wiederum recht modern. Unwillkürlich muß man dabei an den neuzeitlichen Haman, Grafen Pückler, denken; er hat doch manche Aehnl'ichkeit mit dem Haman aus dem Lande der Perser. Diesem fehlte zwar die bilderreiche Sprache des Grafen zu Klein-Tschirne, er wäre auch gar nicht vor Gericht geladen worden, da eine „Ministerverantwortung" auch im Lande des Panbabylonismus nicht bestand, aber auch die Neiterkunststücke fehlen nicht, nur war es damals der Jude Mordechai, der sie ausführte. Verfolgen wir aber die Vorgänge nicht weiter, fönst kämen wir an das bekannte Holzgerüst, das für den Juden erbaut wurde, an dem aber ein persischer Minister baumeln mußte, und den Grafen Pückler möchte ein Gruseln überkommen. Mag er die Juden fressen — natürlich nur bildlich ausgedrückt — sie wünschen ihm doch alles Güte. Am Purimtage zieht Fröhlichkeit bei uns ein; ja unsere Alten lehren, man soll dem Weine so zusprechen, daß man nicht mehr zu unterscheiden weiß zwischen ,'vn -n'rr und ’ma -pa. Wie, wir sollten uns wirklich betrinken? Wir sollten diese echt teutonische Sitte auch üben, wenn auch nur einmal im Jahre? Wie leicht könnte ein Arier einen betrunkenen Juden am Purim . sehen, und aus ist es mit der vielgerühmten Nüchternheit und Mäßigkeit im Trinken der Juden. Nein, so haben die Alten es nicht gemeint. In dem alten Liede heißt es nämlich: -ana 'Tzx1? vpz fr» -oax, die Anfangsbuchstaben der drei Wörter zwischen *sra {an und *mo ”712 bedeuten varr-Trauer. Am Purim soll der Gedanke der Trauer um Zion, dem sonst auch an Festtagen Rechnung zu tragen ist, schwinden. Wir kennen leine Rache und keinen Haß gegen die, welche uns Böses zufügen, wir bitten nur, daß die Bosheit von der Erde verschwinden möge. Wir aber bleiben Juden, was auch kommen möge. Mordechai war längst Minister an Hamans Stelle geworden, die Megilla nennt ihn doch immer beharrlich nra '2-.18. Blickt hin auf ihn, ihr Männer, die das Glück auf einen höheren Posten gestellt, bewahrt jüdische Denkungsart, Glaubenstreue. Ueberzeugungstiefe, sie veredeln euch, erheben euch, und wie in den Tagen des Achaschwrrosch wird euch und ganz Israel werden ptm nnasr» .m**c ipv. „Licht und Freude. Ehre und Würde immerdar und überall." Zeitnngsttachrschtett und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. März. Aus Jerusalem erhalten wir von den Herren Oberrabbiner Salant und Rabbiner Rabinowitz ein längeres Schreiben, in welchem dieselben die höchst traurige Lage unserer Brüder in der heil. Stadt schildern. Durch die in Palästina herrschende Cholera hat aller Handel und Verkehr aufgehört, und sind die Handwerker ohne Arbeit, so daß die Roth auf's Höchste gestiegen ist. Das Zentral-Komitee der „Vereinigten Gemeinden" ist in Folge dessen gezwungen, außergewöhnliche Geldmittel aufzuwenden, insbesondere für billiges Mehl und Kohlen zu sorgen, und den Handwerkern Darlehen zu gewähren. Außerdem müssen die ärmlichen Wohnungen nach ärztlicher Vorschrift einer gründlichen Reinigung unterzogen, für alle Stadttheile die vorgeschriebenen Arzneimittel und Geräthschaften angeschafft und in jedem Stadtbezirk eine Volksküche errichtet werden, sticht minder groß ist das Elend in den anderen Städten des heil. Landes, in denen die Cholera stark gewüthet hat. Wir richten daher an alle unsere edlen und barmherzigen Brüder und Schwestern die dingende Bitte, in ihrem Wohlthun gegen unsere bedauernswerthen Glaubensgenossen nicht zu erlahmen, ihrer am Purim und zu dem herannahenden Peßachfeste wohlwollend zu gedenken und ihnen durch eine kräftige Unterstützung thatkräftig unter die Arme zu greifen. Frankfurt a. M., 7. März. Die „Frankfurter Neueste Nachrichten" schreiben: „Das dritte I u b i l ä u m." Außer der Muster- und Elisabethenschule feiert auch die hiesige