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Der Israelit · 1903-03-09 · Heft 19 (9.3.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 19 (9.3.1903)
Date
1903-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r . genannte Recensent unter anderem — zeigt die Belesenheit, die Gründlichkeit, den weiten Blick und den feinen Takt des Verfassers, getragen von einer leichten, schlichten, systematisch geordneten Art der Darstellung in einer Weise, die demjenigen, der sich in das Studium des Ganzen vertieft, geradezu einen Ausruf des freudigen Erstaunens abringt. Nach einer eingehenden, sach- und fachverständigen Kritik wurde das in Rede stehende Geistesprodukt als ein phänomenales bezeichnet, dem verdienstvollen Herausgeber desselben, Sr. Ehrw. dem Herrn Oberrabbiner Tobias Fischer in Sarwar, für die Hebung dieses Schatzes die ihm gebührende Anerkennung gezollt, und schließlich die Förderung dieses litterarrschen Unternehmens auf das Wärmste empfohlen. Seither ist bereits ein Jahr verflossen. Beseelt von dem Wunsche, mir durch die Beschaffung des zweiten Theiles einen weiteren Hochgenuß zu sichern, wandte ich mich dieser Tage direkt an Se. Ehrwürden, den genannten Herrn Rabbiner, um die Fortsetzung des Werkes. Wie mußte ich aber erstaunen, als ich nun erfuhr, daß die Drucklegung desselben bislang aus dem Grunde nicht möglich geworden sei, weil der größere Theil der Druckkosten selbst des ersten Theils noch immer nicht gedeckt erscheint. Der Eindruck, den diese Mittheilung auf mich geübt, war ein solch' frappirender oder vielleicht richtiger: ein solch' konsternirender, daß ich für die Bezeichnung desselben kaum Worte zu finden vermag. Sie erweckte wahrlich ein sonderbares, theils beschämendes, theils betrübendes Gefühl in mir. Sollte denn gerade in unserer Zeit im rechtgläubigen Judenthume jeder Sinn für das wahrhaft Schöne und Erhabene auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur abhanden gekommen sein. Das wollte ich denn doch bezweifeln. Wenn ich mir nun gestatte, die Aufmerksamkeit derer, die hierfür wirklich Sinn und Verständniß besitzen, auf das besagte vorzügliche Geistesprodukt zu lenken, so geschieht dies nicht allein im Interesse der Förderung eines uneigennützigen litterarischen Unternehmens, sondern auch, damit dieser Schatz nach und nach ein Gemeinschatz Vieler werde. Schließlich möchte ich dasselbe insbesondere meinen geehrten Verufsgenossen aus Rah und Fern gelegentlich des nahenden Purimfestes auch zum ros r-Hv Zwecke bestens empfohlen haben. I. U. aus F. Rußlan d. Petersburg. Von einer merkwürdigen Verhandlung in der Stadtverwaltung von Kursk berichtet die „Petersburger Zeitung". Mehrere Stadtverordnete hatten den Antrag auf Begründung einer Börse gestellt, wobei darauf hingewiesen wurde, daß gegenwärtig die Geschäfte in den Kneipen oder auf der Straße abgewickelt werden, wobei zudem weder die Käufer, noch die Verkäufer die Möglichkeit haben, sich über die Marktpreise zu orientiren. Das Stadtamt befürwortete das Projekt; nur ein Mitglied des Stadtämts, der Kaufmann Ssapunow. beantragte, den Punkt des Projekts zu ändern, durch welchen Personen aller Glaubensbekenntnisse der Besuch der Börse'gestattet wird. Hierbei betonte Ssapunow, daß Juden unter allen Umständen der Besuch der Börse zu verbieten sei. Hiergegen protestirte ein Stadtverordneter und erklärte, daß eine Börse ohne Juden undenkbar sei. Ein anderer Stadtverordneter erinnerte daran, daß, nachdem der Gouverneur den Juden den Besuch des Jahrmarktes verboten hatte, der Jahrmarkt mit seinen vordem so großen Umsätzen bald vollständig eingegangen sei. Hieraus zog der Redner den Schluß, daß Juden zur Börse zugelassen werden müßten, weil sie in Handesgeschäften erfahren und geeignet wären, Leben in die Börse zu bringen — durch die Nichtzulassung der Juden könne die Börse nur verlieren. Das Städtoberhaupt legte nun das Projekt zur Mstimmung vor; von 37 anwesenden Stadtverordneten sprachen sich nur zwei für das Projekt aus, 35 Stadtverordnete stimmten gegen das Projekt, weil sie gegen die Juden waren. Feuilleton. Von Kobert Känkeirr. l23 „Die Frage macht Dir alle Ehre, Abraham." erwiderte mit einem Liefen Seufzer der Pater, „aber ich hoffe, daß es mir gelingt, sie Dir so zu beantworten, daß Du mich nicht für einen Heuchler hältst, der das bischen Flitter, welches mich hier umgibt, höher schätzt, als die reine, jüdische Wahrheit selbst in der dürftigsten Armuth." Abraham machte eine abwehrende Handbewegung, um der Meinung entgegenzutreten, als halte er seinen Lehrer für einen Heuchler. Dieser ergriff die kleine Hände und sagte mit bewegter Stimme: „Ich könnte Dir denselben Vorwurf machen und Dich fragen, warum Du hier als Christ lebst, während Du durch Erziehung überzeugter Jude bist. Ja. ich gestehe Dir. daß ich im ersten Jahre Deines Hierseins oft vor dem Gedanken gezittert habe. Du könntest einmal die Flucht ergreifen und eine jüdische Gemeinde aufsuchen wollen, um dort ungestört als Jude zu leben. Deine Augen gestehen mir, daß Du Dich gewiß auch oft mit dieser Absicht getragen hat; es ist aber ein großes Glück, daß es bei der Absicht geblieben ist. Man

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