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Der Israelit · 1903-03-09 · Heft 19 (9.3.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 19 (9.3.1903)
Date
1903-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vereinsvorstand, und brachte den Dank und die hohe Anerkennung der Gemeinde für den Vereinsvorstand zum Ausdruck. Nun hielt unser ehrwürdiger Raw, Herr Dr. Cohn, die Festrede, geistreich und feinsinnig wie immer, dabei voller Humor und wiederum belehrend und äufmunternd zu fernerem edlem Thun. Es folgten dann noch andere Toaste, von denen diejenigen der Herren Rechtsanwälte Epstein und Reich ihres geistreich und fröhlich launigen Inhaltes besonders erwähnenswerth sind. Herr Obercantor Singer trug einige Lieder vor, und dessen vornehm künstlerische Leistung gewährte Allen einen hohen Genuß. An anderen Fefivorträgen und theatralischen Aufführungen wurde auch noch viel und nur Gutes geleistet. Einen nachhaltig heiteren Eindruck erregten die von Herrn Dr. Glogauer verfaßten witzigen und geistreichen Programme, er selbst war leider durch Unwohlsein verhindert, dem Feste beizuwohnen. S. Ans Franken. Unter vorstehender Ueberschrift bringt die ,.Bay. Lehrerzeitung", das Organ des großen, über 18,000 Mitglieder (ca. 13,000 Lehrer) zählenden Bayerischen Lehrervereins die folgenden, sehr beachtenswerthen Ausführungen über die auch im „Israelit" schon beregte derzeitige „Nürnberger Schulfrage": „Wie in politischen Blättern schon mehrfach erwähnt wurde, existirt eine nochauf das Konto des verflossenen Kultusministers v. Landmann zu setzende Ministerialverfügung, derzufolge die Stadt Nürnberg veranlaßt wäre, die beiden z. Zt. an ihrer Simultanschule wirkenden israelitischen Lehrkräfte von ihren Posten als Elementarlehrer zu beseitigen und isr. Lehrkräfte an der Simultanschule überhaupt nicht mehr anzustellen, um — wie von Seiten der Simultanschulgegner verlangt wird — den christlichen Charakter auch der Simultanschule zu wahren. Nach unserer Meinung möchte eine derartige Forderung vielleicht da noch den Schein einer Berechtigung haben, wo Zwangs- Simultanschulen (sog. konfessionell-gemischte Schulen oder Kommunalschulen) bestehen, den Eltern also keinerlei Wahl bleibt, sich das ihnen am meisten zusagende Schulsystem zu wählen, obschon die Sache auch insoferne ihre Kehrseite hat, als ja in solchem Falle auch die Israeliten wegen Beschulung ihrer Kinder demselben Zwang unterworfen sind und auch jene billige Rücksichtnahme erfahren sollten, welche der andere Elterntheil für sich in Anspruch nimmt, zumal doch auch die isr. Schüler Kinder von Mitbürgern der Gemeinde und des Staates sind, deren Väter ihren Bürgerpflichten vollauf gerecht zu werden haben. Keineswegs indeß erscheint uns die oben erwähnte Forderung da.am Platze, wo es sich um eine Simultanschule, wie in Nürnberg, handelt, deren Besuch im allgemeinen als freiwilliger zu bezeichnen ist, freiwillig nämlich für Katholiken und Protestanten, nicht freiwillig aber für Israeliten, da eine israelitische Elementarschule hier nicht besteht. In Nürnberg haben also die Eltern der christlichen Bekenntnisse die Wahl, ob sie ihre Kinder in die Konfessionsschule (kath. oder Protest.) oder in die Simultanschule schicken wollen, und wie die Erfahrung lehrt, hat sich die Simultanschule der weitaus größten Frequenz zu erfreuen, trotzdem einige isr. Lehrkräfte daran wirken. Schon über ein Vierteljahrhundert hindurch unterrichtet ein israelitischer Lehrer unbeanstandet und mit großem Erfolge an der NürnberLer Simultanschule: ja man fand das ganz natürlich, daß auch die Israeliten im Lehrkörper vertreten seien, und sehr gerbe führten die christlichen Eltern ihre Kinder dem geschickten Vorbereitungslehrer zu. Erst der neueren Zeit war es Vorbehalten, dagegen Stellung zu nehmen. Von gewisser Seite legt man heutzutage ungemein viel Gewicht auf Durchführung des prozentualen Verhältnisses der Angehörigen der verschiedenen Religionsbekenntnisse in den öffentlichen Stellungen. Wir meinen, was dem Einen recht ist, das sei dem Andern billig, und es sei an den Simultanschulen dieselbe Zahl israelitischer Lehrkräfte als Elementarlehrer anzustellen, als nach Maßgabe der israelitischen Schüler zur Gesammtschulerzahl hierauf treffen. Dadurch würde der christliche Charakter der Schule noch lange nicht verwischt, zumal die religiöse Unterweisung der Simultanschüler den im Sinne der Kirche berufensten Organen, den Geistlichen, zufällt, die hierfür noch besonders honorirt werden. Welcher Schaden aber den Kindern daraus erwachsen soll, wenn der Profanunterricht einmal von einem isr. Lehrer ertheilt wird? Gibt es etwa ein katholisches Rechnen, ein protestantisches Lesen, ein jüdisches Schreiben? Und sind die isr. Lehrkräfte nicht auch — gleich den andern — auf staatlichen Anstalten vorgebildet? Thut nichts, der Jude muß verbrannt werden!" Es lassen sich z. Z. kaum Vermuthnngen aussprechen. wie die Sache noch zum Austrage gelangen wird. Jedenfalls ist anzunehmen, daß späterhin kein jüdischer Lehrer mehr für diese Schule die Bestätigung der Kreisschulbehörde erlangen wird. Sollte nicht die jüdische Gemeinde Nürnberg die Konsequenzen aus diesen Vorgängen ziehen und jüdische Elementarschulen errichten? Vielleicht würde die Stadtverwaltung Nürnberg dieselben auf den städtischen Haushalt übernehmen. Und wenn auch nicht, so bestimmt ja das neue bav. Schulbedarfsgesetz, daß Angehörige einer Konfession, welche aus eignen Mitteln eine Schule ihres Bekenntnisses unterhalten, von den gemeindlichen Schullasten befreit sind. Für den jüdischen Lehrerstand wäre ein solcher Entschluß freudig zu begrüßen, da hierdurch die Zahl der öffentlichen Schnlstellen für die jüdischen Lehrer wesentliche Mehrung erfahren würde. Leider! sind gerade in den bayrischen Städten höchst selten is-

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