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Der Israelit · 1903-03-09 · Heft 19 (9.3.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 19 (9.3.1903)
Date
1903-03-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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406 Im ersten Kapitel wird uns berichtet, wie auf die Frage des. Königs, was mit Waschthi zu geschehen sei, Memuchan das Vergehen derselben als ein so schweres hinstellt, daß es nur im Verstoßen der Königin seine Sühne finden könne, tsws pe'p wm. bemerken an dieser Stelle unsere Weisen. „Memuchan, der unter den sieben Fürsten zuletzt genannte und demnach wohl im Range der geringste, greift mit seiner Antwort den anderen vor und schließt mit dem anscheinend wohlgemeinten Rathe, „ihre Königswürde gebe der König einer anderen, die bester ist als sie." Ja, sie gehen noch weiter und meinen: Memuchan sei identisch mit Ha man, er heiße nur deßhalb pico weil Gott ihn als Werkzeug bestimmt, Israel zu züchtigen, wenn er aber es ganz zu vernichten trachten sollte, ihn selbst zu Grunde zu richten. Bestärkt in dieser Ansicht werden durch die naheliegende Vermuthung, Memuchan selbst habe ein; Tochter gehabt, und daher mit seinem Vorschage nur den selbstsüchtigen Zweck verfolgt, diese zur Nachfolgerin der Waschthi erhoben zu sehen. Die Talmudlehrer scheinen mit ihrem tiefen Blick auch hier das Richtige getroffen zu haben. Denn in diesem ganzen Gebühren Memnchan's erkennen tdir den wahren Haman, den ränkevollen, ehrgeizigen Streber, der seine wahren Absichten hinter dem Schein von Vaterlandsliebe und allgemeinem Wohl zu verstecken versteht, und dem das Leben und das Glück Anderer nichts gilt, wenn er nur seine selbstsüchtigen Zwecke dadurch erreichen kann. Es kann uns demnach nicht mehr wundern, daß der König, von Haman immer mehr getäuscht und beeinflußt, diesem sein 'ganzes Vertrauen zuwendet und ihn schließlich zu seinem ersten Rathgeber erhebt. Vor dieser Erhebung aber, die für Israel die Zuchtruthe bedeutet, entdeckt Mordechai das Komplott gegen den König, welcher Umstand die spätere Errettung seiner Glaubensgenossen bewirken sollte. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Kapiteln tritt nun klar zu Tage: Nachdem Gott in Seiner wachenden Fürsorge die Heilung vorbereitet, durfte Haman sein lebensbedrohendes Werk beginnen, v-.'.praren rrapn .tw. Der König leistet ihm hierin, wenn auch unbewußt. Vorschub, und zwar durch den Befehl, Haman die höchsten Ehren zu erweisen. Das war für Haman eine sehr erwünschte Gelegenheit, den verhaßten Mordechai so recht zu demüthigen für die Vereitelung seiner Pläne. Denn unsere Weisen vermuthen vielleicht nicht mit Unrecht, daß Haman's Ehrgeiz nach der Krone trachtete, und er daher an der Verschwörung gegen den König betheiligt, zum Mindesten aber Mitwisser gewesen sei. Hieraus erklärt sich der bittere Haß gegen Mordechai, der seine Absichten durchkreuzt. Wie aber den Juden an der empfindlichsten Stelle treffen? Der Talmud bemerkt hierbei: „Haman habe das Bild eines Götzen an seinen Kleidern gehabt." Tiefer könnte er nach seiner Meinung Mordechcki nicht verwunden, als wenn er vor einem Götzen das Knie beugen mußte. Aber er sollte sich sehr verrechnen. „Mordechai kniete nicht und warf sich nicht nieder, denn er sagte ihnen, daß er ein Jehudi sei." „Mit dieser Standhaftigkeit wollte Mordcchai zugleich seinen Glaubensgenossen demonstrativ das Verwerflichste ihres Verhaltens rsnww vor Augen führen und sie lehren, wie dem wahren Jehudi csn »rpp höher gelten müsse, als sein Leben." Es galt nun für Haman, seinen Haß gegen Mordechai alle Juden fühlen zu lassen. In seiner Anklage jedoch hütete er sich wohlweislich, zu verrathen, wen er eigentlich damit meine; denn er wußte nur zu gut, daß er wenig Gegenliebe beim König damit finden würde. Hat doch der Jude Mordechai durch die Vereitelung des Mordanschlags von der K ö n i g s - treue der jüdischen Unterthanen den glänzendsten Beweis geliefert. Haman sagt daher nur: Es gibt ein Volk, zerstreut und abgesondert in Deinem Reiche, — ohne aber einen Namen zu nennen. Im Midrasch wird die im Buche Esther kurz angedeutete Anklage ausführlicher behandelt. „Es gibt in Deinen Ländern ein Volk, das vernichtet zu werden verdient." Um aber dem Einwande des Königs, daß viele seiner Länder dadurch verödet werden könnten, zu begegnen, fügt er schlauer Weise hinzu: „Sie wohnen zerstreut unter allen Völkern, man würde ihren Verlust daher gar nicht empfinden. Dabei sind ihre Gesetze verschieden von denen aller anderen Völker; sie essen nicht mit uns, sie verschwägern sich nicht mit uns. Wenn ihnen eine Fliege in's Glas fällt, entfernen sie diese und trinken den Inhalt des Glases aus, wird aber ihr Glas von Unserei'nem nur berührt, so gießen sie den Wein aus." Nun könnte aber der König ünwenden, es leben ja so viele Völker mit verschiedenen Sitten im Reiche, was schadet es daher dem Staate, wenn auch dieses Volk in seinen häuslichen Kreisen und seinen Bethäusern seine eigenen Gebräuche hat. wenn es nur die Staatspflichten erfüllt? — Haman kommt ihm daher mit der schändlichen Lüge zuvor, daß sie eben des Königs Gesetze nicht befolgen, die ihnen obliegenden Steuern und Abgaben nicht entrichten, es bringe dem König daher keinen Nutzen, sie zu schonen. Wir sehen. Haman war Meister in der Verleumdungskunst; seine Jünger, wie der Dreschgras und wie sie sonst heißen mögen, sind die reinen Waisenknaben gegen ihren Altmeister. Dieser hat es mit seinem Vorschläge, „die Juden todtzuschlagen," sicherlich nicht „bildlich" gemeint; dieses beweist schon zur Genüge sein freigiebiges Anerbieten, „zehntausend Kikar dem Königlichen Schatz zuzuführen." Sehr sinnig bemerken hierzu unsere Weisen: „In Seiner Voraussicht, daß Haman einst eine große > Summe Silberschekel für die Vernichtung Israels an-

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