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Der Israelit · 1903-03-09 · Heft 19 (9.3.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 19 (9.3.1903)
Date
1903-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44* Jahrgang. M 19 AM.' KenLrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründe» von Vr. Trhnrsnn i« Montag, den Das Auch Esther im Lichte des Talmuds und Midrasch. Ein Vortrag von Rabb. Verweser Nischkowsky, Wongrowitz. Unter allen Schriften der heiligen Schrift dürfte das Buch Esther — vielleicht mit Ausnahme des erzählenden Theils des Pentateuchs — wohl das populärste sein. Der Grund hierfür ist wohl in dem anziehenden und fesselnden Inhalt desselben zu suchen, wie nicht nrinder in dem merkwürdigen, wunderbaren Zusamrnentreffen von Umständen und Ereignissen, die außer aller menschlichen Berechnung liegen. Bei einem tieferen Eingehen auf die einzelnen Begebenheiten und auf die Uebergänge derselben, werden wir uns der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß alle Ereignisse, von der göttlichen, wachenden Fürsorge geleitet, nach bestimmtem, weisen Plane sich aneinanderreihen, um in einem einzigen Augenblick dem Schicksale eines ganzen, schon am Rande des Verderbens stehenden Volkes eine unerwartete, erfreuliche Wendung zu geben. Bestärkt in dieser Ueberzeugung werden wir noch, wenn wir die lichtvollen Bemerkungen unserer Weisen, gesegnet sei 'ihr Andenken, zu Hilfe nehmen, die uns über manche, beim aufmerksamen Lesen sich uns aufdrängenden Fragen und Schwierigkeiten Aufschluß geben. So z. B. vermissen wir jeden logischen Zusammenhang zwischen dem Schluß des zweiten Kapitels, die Entdeckung des Mordanschlags durchMordechai betreffend, und dem dritten Kapitel, das mit der Erhebung Hamans beginnt. Der Uebergang ist ein gar zu plötzlicher. Wenig verständlich ist uns ferner, daß Achaschwerosch gerade einen vom amalekitischen Volle abstammrnden Ausländer, wie es Haman der ly. Adar 5663 9. Mär) 1993. Agagi war, dessen Name unter den im ersten Kapitel genannten Hofbeamten Echt einmal erwähnt wird, zum höchsten Beamten seines gewaltigen Reiches erhebt. Unklar ist es auch, warum Mordech'ai die vom König ausdrücklich befohlenen Ehrenbezeugungen versagt und, indem er seinen Haß provozirt, sein eigenes Leben auf's Spiel setzt. Wir hätten nun erwartet, Haman werde, um den verhaßten Juden zu vernichten, den einfachsten Weg wählen, dem König die völlige Außerachtlassung seiner Befehle seitens Mordechai berichten; davon wird aber nicht mit einem Worte etwas erwähnt. Auffällig ist es ferner, daß Esther nur c*in dreitägiges Fasten anordnet; wir vermissen hier die sonst in Noch und Gefahr üblichen Mittel, zu Gott im Gebete rufen und Seine Hilfe erflehen. Wir wollen uns daher die Bemerkungen im Talmud und Midrasch ansehen, die an das Büch geknüpft werden. Unsere Weisen, welche die Ursache aller Leiden im Leben des Einzelnen wie in dem der Gesammtheit nicht in äußeren Dingen suchen, sondern in uns selbst, in unserem Verhalten Gott gegenüber, werfen mit Recht die Frage auf. durch welche Sünde und Schuld Israel eigentlich diese Gefahr, diese göttliche Strafe sich zugezogen? Sie antworten: 'v'2 ab'jb mrvnv ’jdc 1^12122. „Die Juden haben zur Zeit Rebukadnezar's vor Götzen sich niedergeworfen." Andere meinen:, sne'nx bv r.-iiyce cbo. Sie haben am Gastm'ahl des Achaschwerosch theilgenommen, wo sie religionsgesetzlich verbotene Speisen und Getränke genossen, wie es heißt: „Der König bereitete dem ganzen Volke ein Mahl," also auch-den Juden. Es kann unsere Aufgabe nicht sein, zu untersuchen, welche von den beiden Ansichten die richtige sei, wir wollen vielmehr beide gelten lassen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, werden uns manche Punkte im Buche Esther in einem neuen Lichte erscheinen.

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