Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1903)
- Date
- 1903-03-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44, Jahrgang. JVs 18 des Rabbi Eljakim j)icard y'I Randegg (Badens 26. Februar. Die kurze Mittheilung vom Hinscheiden des Herrn Rabbiner Picard >7 hat gewiß bei allen, die Vas Glück hatten, den Verstorbenen persönlich zu kennen, tiefe Trauer und innigste. Theilnahme geweckt. Heute sei es mir nun gestattet, ein Bild - des Wirkens und Schaffens des Entschlafenen zu entwerfen. Rabbiner Picard s. A., im Jahre 1822 hier geboren, erreichte ein Alter von über 81 Jahren. Von braven, frommen Eltern erzogen — wußte man ja in der damaligen guten, alten Zeit nichts anderes, als die Kinder in der heiligen Thora gründlich unterrichten zu lassen — widmete sich der hoffnungsvolle Jüngling mit vollem Eifer dem Lernen, und bald stand in ihm der Entschluß fest, einzig dem Studium der Thora zu leben. Zu diesem Zwecke begab er sich zunächst nach Müllheim zu S*t rtbv "> und später nach Würzburg, wo er zu Füßen des bekannten "lSn sn pnx\ n S’7 saß, von dessen Geist ein voller Hauch auf ihn überging, und zu dessen Lieblingsschülern er zählte. Gleichen Schritt mit dem Reichthum seiner jüdischen Kenntnisse, die mit seltener. Inniger Frömmigkeit gepaart waren, hielt das Studium der profanen Wissenschaften, dem er auf den Universitäten Wurzb-.rrg und Heidelberg oblag. Zu Großem und Hohem solchermaßen berufen, war es seine angeborene Bescheidenheit, die dem Flug seiner Seele die Richtung gab, unddie kindliche Liebe führte ihn in die Heimath zurück, um der theuren Mutter nahe zu sein. Rabbiner Picard war eben ein Mann, der es verschmähte, sein Ich in den Vordergrund zu rücken, und Ehrsucht war seiner Seele fremd. Es war ein herrlicher Tag. als dieser 'stürmende, für seine heilige Sache erglühte Jüngling vor seine Gemeinde trat, um das Flammenwort der Thora ihr zu künden. Was er gelobt in jener Stunde und an jener Stätte, hielt er getreu in Kampf und Roth, tolerant gegen Andersdenkende, unerschütterlich' aber, wo es galt, das Banner des Glaubens zu entfalten und hochzuhalten inmitten Gefahr und Gährung. wie sie Dränger und Reformer auf religiösem Gebiete schissen. Zu reichein Segen sproßte denn auch die Saat auf. Die jüdische Gemeinde Randegg ward und blieb durch sein Verdienst ein Bollwerk, eine Grundveste alten, unverfälschten , Glaubens inmitten Neuerungssucht und nioellirendem Zeitgeist, der auch im badischen^Oberland sich breit machte. ‘ r ‘ Und wie er als Jkhudi -war, -war..er auchals' Mensch,-ein Mensch, wie ihn das tiefe Hinabsteigen in den Schacht des Thorastudiums.schaffen mußte, und., reifen ließ. Er gab der jüdischen Gemeinde Wohl?') fahrtseinrichtungen — er gründete die nvn ri&pj r.rch nSs rß»m — die allein schon genügen.würden, .seinen Namen unauslöschlich zu machen, und die manche bittere Thräne »der Roth und. Armuth trocknen halfen.» Es würde hier zu weit führen, den selig Entschlafenen, in seinem patriotischen Wirken zu schildern, .lvie es seinjüdisches Empfinden zeitigte -wraSo. pie «nirt.kwäo;.! Diese Gesinnung fand Ihre lobende Aner-. kennung darin, daß unser geliebter Großherzog.) den. Verewigten mit einem hohen Ordenäuszeichnete. ,,). Die allgemeine Hochachtung, und Verehrung, deren, sich. der Dahingeschiedene im weitesten Kreiseerfreuter fand beredten Ausdruck einmal in der bei dein Leichen?? begängniß stattgehabten allgemeinen Betheiligung maller Konfessionen des hiesigen Ortes, mit dein katholischen; Geistlichen und den Gemeindebehörden an der Spitze,,, zum zweiten in dem außerordentlichen Zuzug von- Freunden und Leidtragenden aus der engeren. Heimath und aus weiter Ferne; dabei sei besonders erwghni, daß aus allen Gemeinden der Bezirkssynagoge und von. der Filialgemeinde Villingen, offizielle Vertreter zahlreich sich, eingefunden hatten. . . . ... Die Trauerfeier vollzog sich in der Synagoge, an der Stätte, wo der Verstorbene so gerne und so oft geweilt hatte. Als erster Redner schilderte Herr Bez.-Rab-: biner Dr. Spitz in geistreicher, formvollendeter. Rede - den großen Verlust, den die Familie, die Gemeinde 'und; das ganze Judenthum erlitten. nci ic» -io', rief er j ' schmerzerfüllt aus. Zum Text seiner Ausführungenwählte er die Worte, die einst ein Klageredner aus Ravina angewendet hatte: iuro p'nrr. dp pso ’y’jn - ansn L'L'2 mS’S Sy L'L'2 nS'S c'tr: „Ihr Palmen neiget . das Haupt über dem Frommen, der einer Palme gleichet,' machen wir in unserer Klage die Nächte gleich den'Tagen um ihn, der die Nächte den Tagen gleich machte ick seiner Wirksamkeit." Nach Schluß theilte derselbe-mit^ daß er vom Groß. Bad. Oberrath der Israeliten telegraphisch beauftragt sei, der Familie des Verewigten herzl. Antheilnahme und dem Entschlafenen für seine langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste die An-: erkennung auszusprechen. — Als Vorsteher-Der isr.- Kultusgcm'einde sprach sodann Herr Dr: med^.R o.t h-' f ch.il d den Dank seiner Gemeinde.für die.-.fünfzig-.' ' jährige THLtigkejt in. warmen Wortenaus^ Als dritter Redner gab. Herr Lehrer F r o h l i"ch:. '-in erschöpfender Rede ein'-herrliches und)getreues-.Le-) .bensbild des Entschlafenen-und betonte;-^ wie er vor-" nchmes Wcsen mit edlem Charakter vereinigte. Herr Rabbiner Büttenwieser ans'-Straße'.' bürg knüpfte an die laufende Sidra an: isnpo ’S w