Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1903)
- Date
- 1903-03-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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C2T2 waen. „Sie sollen mir ein Heiligthum bauen, daß ich in ihrer Mitte wohne." Er schilderte unter Zitirung einer Fülle geistreicher Midraschim, wie der Verstorbene selbst ein Heiligthum war, in dem Gottes Nahe weilte. Er ermahnte auf's Nachdrücklichste, wie nunmehr, da dieser Zadik von uns hinweggenommen, jeder Einzelne die fühlbare Lücke durch ein edles, goitesfürchtiges Leben auszufüllen bestrebt sein müsse; insofern ist rrB2e irpnjs rirc. Es würde zu weit führen, all die erhebenden Worte, die an der Bahre gesprochen wurden, hier wiederzugeben. Unsere Gemeinde hat aber leider immerhin das Bewußtsein: mep rbs:. Gefallen ist unseres Hauptes Krone! Möge doch der Allgütige der schwergeprüften Familie, die erst vor wenigen Monaten durch das Hinscheiden der ausgezeichneten Mutter in schmerzliche Trauer versetzt wurde, Trost und Linderung gewähren. In unserer nunmehr ihres lieben Führers beraubten Gemeinde möge mit Gottes Hilfe sein Geist, seine Liebe zur Thora und Jirah mächtig fortwirken. Dazu möge der des sel. Entschlafenen beitragen. Zeitungsnachrichten und ICorrespou-errzen Deutschland. Fürth, 1. März. Am gestrigen pmv wurde in der Synagoge der isr. Waisenanstalt dahier eine neue Sefer Thora geweiht. Es hat uns wohlthuend berührt, daß die Weihe unter einfachen, aber dennoch eindrucksvollen Formen vor sich gegangen, und daß der Redner des Tages hierbei Veranlassung genommen hat, die auf religiösem Gebiete liegenden Zeitfragen zu streifen und in begeisternden Worten die dichtgedrängte Zuhörerschaft zu unwandelbarer Glaubenstreue und zur Vertiefung und Erweiterung in religiöser Wissenschaft — pvrTi — aufzufordern. Das „Wort zur Zeit" wird sicherlich gute Früchte tragen. — Am gleichen Tage brachten die Tagesblätter eine Einladung zu einem am 12. März, als dem Geburtstage unseres erhabenen Regenten, im christl. Hotel „National" dahier stattfindenden Festessen. Diese Einladung und Bitte um möglichst zahlreiche Vetheiligung — das trockene Kouvert kostete ja blos 4 Mk. — ist auch von dem offiziellen Gemeinderabbiner unterschrieben. Nun sind wir zwar in unserm neuzeitlichen Jüdenthum schon an Vieles gewöhnt worden. So findet man nichts Befremdendes mehr darin, daß unsere Kultusangelegenheiten. anstatt Männern von warmer, religiöser Ueberzeugung, der Herrschaft laxer Titeljuden unterstellt sind. Dies kann zwar weder vom Standpunkte der reinen, noch.der praktischen Vernunft gebilligt werden; allein wo diese Herren einen Fonds gerechten Sinnes mit einer gewissen Geradheit des Gefühls verbinden, da können sie der Religion dienen, deren Lehren sie für ihr Privatleben leider nicht anerkennen. Anders steht dies beim Rabbiner. Ihm kann und darf die Religion nicht Privatsache sein; er ist berufen, sie als Gemeinschaftssache zu betreiben, zu pflanzen und zu pflegen. Er kann nicht, ohne selbst bei freigesinnten, modern gebildeten Menschen als Miethling und Heuchler zu gelten, auf der einen Seite die Verpflichtung zur Aufrechterhaltung des Religionsgesetzes lehren, und auf der andern Seite die Mitglieder seiner Glaubensgrmeinde zur Theilnahme an einem trefenen Mahl bitten und auffordern. Welcher Gastliche würde sich bereit finden, eine Einladung zu einer Veranstaltung zu unterschreiben, bei welcher kirchliche Vorschriften übertreten werten müßten! Gewiß nicht ein einziger! Nicht nur vom Standpunkte der Religion, sondern mehr noch aus dem sittlicher Wahrhaftigkeit heraus wird der Geradsinnige ein solches Verhalten der Geistlichkeit, wie es ja auch in'der Regel von unseren Rabbinen ausnahmslos geübt wird, niemals zu mißbilligen vermögen. Als sittliche Menschen weisen wir, wie jede doppelte Moral: so auch jedes doppelte Verhältniß des Religionsdieners zu den Vorschriften des Bekenntnisses, das er lehrt, entschieden zurück. Frankreich. Paris, 1. März. Gestern hat die Einweihung der neuen Lokale der jüdischen Volksuyiversität stattgefunden. Die jüdische Volksuniversität ist eine in jeder Beziehung geradezu großartige Einrichtung, die für unsere in Paris so zahlreichen ruffisch-polnischen Glaubensgenossen besonders wichtig ist. Hebräisch, jüdische Geschichte, altjüdische Litteratur werden in ‘ strenger Objektivität unterrichtet. Zugleich finden auch Kurse in der französischen Sprache statt, was für die Neuangekommenen hier Arbeit suchenden Juden von unermeßlicher Bedeutung ist. Die Einweihungsseier nahm einen sehr schönen und würdigen Verlauf. Es ist das erste Mal, daß ich sranzösische und ruffisch-polnische Juden zu einer rein jüdischen Veranstaltung versammelt gesehen habe. Herr Zadoc Kahn, den eine leichte Erkältung am Erscheinen verhindert hatte, hat in einem an den Vorsitzenden gerichteten Schreiben sein lebhaftes Bedauern, der Versammlung fernbleiben zu müssen, ausgedrückt, und die jüdische Volksuniversität seiner aufrichtigsten Sympathien versichert. Der Versammlung wohnte auch der berühmte Arabist. Herr Hartwig Dernburg, der große Sohn des großen Vaters, bei. Herr Dr. Marmorek, dessen bakteriologischen Arbeiten in Fachkreisen großes Aufsehen erregt haben, hat eine sehr nette Ansprache gehalten, die den großen Vorzug hatte, nicht banal zu sein. An dem darauf folgenden sehr gelungenen Konzert hat auch der bekannte jüdische Musiker ( Reitlinger theilgenommen, der ein Liebling des musika- ' lisch recht verwöhnten Pariser Publikums ist, was nicht