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Der Israelit · 1903-03-05 · Heft 18 (5.3.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 18 (5.3.1903)
Date
1903-03-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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tflufen und kein Mittel unversucht lassen wird. Dich unschädlich zu machen. Es gibt tausende von Wegen, auf welchen dies möglich ist. Daß bis jetzt lein Schritt gegen Dich geschehen ist, kommt davon her, daß ich nichts über Dich berichtet habe und man zu mir rückhaltloses Vertrauen hat. Ob dies für die Dauer gehen wird, ist mir zweifelhaft. Ich bin deßhalb dafür, daß Du das Schloß verlassen und Deine Studien anderweitig fortsetzen sollst. Ich kann Dir nicht sagen, wie ich Gott dafür gedankt habe, als Du bei uns vor drei Jahren ankamst, und wie ein Stück meines Lebensglückes mich mit Dir verlassen wird. Daß gerade ich dazu ausersehen war. Dein Lehrer zu werden, ist gewiß von Gott,' der zwei so verschiedene Menschen mit ähnlichen Schicksalen, unter ein Dach zusammengeführt hat. Ich war, da Du von Geburt Christ bist, ehrlich bestrebt. Dich mit den Heileswahrheiten des Christenthums bekannt zu machen. Aber ich hatte immer gefürchtet, Du müssest aus jedem meiner Worte heraushören, daß ich Dich eine Religion lehre, die ich abgeschworen habe und nur noch zum Schein trage. Das wäre nrir leid gewesen, weil ich den Herrn Baron und die Frau Baronen nicht täuschen wollte. Deßhalb beglückt mich Dein Gesiändniß, weil ich daraus sehe, daß mir das schier unmöglich Scheinende doch gelungen ist. Aber wie Dein Seelenschmerz für mich eine qualvolle Seelenpein war, besonders in den ersten Monaten Deines hiesigen Aufenthaltes, das weiß nur Unser Vater im Himmel. Oft habe ich geglaubt, es nicht länger ertragen zu können, aber der Gedanke hielt mich immer auf meinem Posten zurück, was aus Dir wohl werden müßte, wenn ein fanatischer, unverständiger Priester statt meiner Dein Lehrer würde. Jetzt aber bist Du stark und abgehärtet genug, um mich entbehren zu können, deßhalb halte ich es mit Rücksicht auf Deine Sicherheit jetzt für geboten, daß Du Deine Ausbildung an einem anderen Orte fortsetzest. Ich habe die Sache schon in die Wetze geleitet; ich weiß nur noch nicht recht wohin. Auch bin ich mit mir selbst noch nicht einig, ob und in wie weit ich den Herrn Baron in meine Bedenken wegen Deiner Sicherheit einweihen soll. Vielleicht genügt es, dem Herrn Baron zu sagen', daß Du bei mir nichts mehr lernen könntest und deßhalb in eine Lehranstalt müßtest. Das kaffe übrigens meine Sorge sein; ich wollte Dich nur auf die Eventualität einer Trennung von hier vorbereiten.* Abraham traf diese Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sein Lehrer, an dem' , er in schwärmerischer Verehrung hing, war ihm durch diese Enthüllungen noch theurer geworden, und der Gedanke an eine Trennung von ihm fiel ihm fast so schwer, als vor drei Jahren die Trennung von seinen Pflegeeltern. Aber er wußte, daß, wenn Pater Firmian diese Trennung für nothwendig hielt, er sich derselben fugen muffe. Schweigend saßen Lehrer und Schüler sich einige Minuten gegenüber, dann brach der letztere zuerst das Schweigen. „Ich danke Ihnen, theurer Lehrer, für das große Vertrauen, das Sie einem zwölfjährigen Knaben entgegen bringen, und ich werde gewiß für alle Zeit' bestrebt sein, Ihnen zu beweisen, daß ich es verdiene. Aber gestatten Sie mir eine einzige Frage?* „Gewiß," entgegnete Pater Mrnnan. „Sie sind Jude von Geburt, sind Jude aus Ueberzeu'gung. und sind auch formell in den Bund Abrahams ausgenommen, warum tragen Sie das^Christenthum noch zum Schein, warum werfen Sie es nichl von sich und leben als Jude unter Juden? Diese ganze Vermummung muß für Sie doch unerträglich sein, das kann ich an mir selber ermessen. Wohl denke ich mir, daß Sie ohne alle Mittel sind und daß es Ihnen schwer fallen wird, sich als Jude zu erhalten, aber wie ich Sie kenne, würden Sie doch die bitterste Armuth als Jude,, all dem Glanz und Prunk vorziehen, in dem Sie unter- * falscher Maske hier leben?" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Kontags und Donnerstags, jedesmal inmindestenS zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Vuchhandrl vrrkrhvl durch V. Is. Steinach er, Leipftg, Rotzplah jv.— Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle Im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. sür's Ausland 16 Mark, an die Expedition ftanco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 10 iä. Stzellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS Jöraellt" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe längere Zeit; so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Pöst auf dieselbe unter Rr. 3933 abonniren. Aus' Wunsch stunden wir die Zahlung deS JuserttonSbetragS s« außer Stelle Befindliche bis nach ^_._ Erlangung einer solchen.___ _ Inhalt tHauvtbtatt): Schabbos Sochaur.—Zeitungsnachrichten und Corresvondemen: Deutschland: Berlin. Düsseldorf.Diez a.d.L. Stuttgart. Oesterreich: Prag. Ungarn- Eperies. N. Mada. — FeuiLeron: Der Findling lFortsetzung). Inhalt der ersten Beilage- Rabbi Eljakim Dicard 7"2. —Zeitungsnachrichten und Corcespondenzen: Deutschland: Fürth.Frank- ' reich: Paris. — Mittheilungen nufS den füd. Ärinenvereinen und für dieselben. — Vermischtes. > — Inhalt der »wetten Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Cocrespondenzen: Deutschland: Berlin. Niedenstein. Sprechsanl: Assaltrach. Pädagogische Beilage: Statistische Ucderssckt der iud. Lehrerkonserenzen yro 1900 0t. Ertra-Beilage: .Auijamin" von Dr. M. Lehmann. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Exvediüon deS ^JSraelit". Schottstrabe Nr. L Mainz. - Druck und Verlag der Job. Wirt-'scheu Hofbuchdruckerei Aetien-Gesellschast in Main». Hierzu vier Beilage«.

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