Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1903)
- Date
- 1903-03-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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382 Licenzen niederlegen zu wollen, machen aber die Regierung darauf aufmerksam, daß sie dadurch 60 Familien brodlos mache. Der Direktor, von mitfühlendem Bedauern gerührt, entzog den jüdischen Trafikanten die Lirenz einstweilen nicht, sondern wandte sich an. den Finanzminister mit der Bitte, er möge geruhen, sich einen Andern zur Vollziehung dieses seines Willens cufzusuchen, da er es absolut nicht über sein Gewissen bringen könne,' 60 Familien ihres Erwerbszweiges verlustig zu machen. N. Mada, im Adar. Zwei Tage und zwei Nächte hat hier ein neu konstituirtes Beth-Din getagt. Nach großen Anstregunge'n gelang es den ehrwürdigen Rabonim den Gemeindestreit beizulegen. Es wurde folgendes Urtheil erbracht: Der Schochet wird für einen Monat' amovirt. Nach gebührender Zurechtweisung wird er nachher in sein Amt eingesetzt. Rabbi Josef Rottenberg aus Koßon hat eine neue Widerrufung unterschrieben, in welcher er es bereut, gegen den Willen des kompetenten heimischen Rabbiners eine rituelle Entscheidung getroffen zu haben. Das Beth-Din wird eine Kundgebung veröffentlichen, daß, nachdem der Koßoner Rabbiner dem ersten von den fünf Gedaulim erbrachten Pßak-Beth-Din entsprochen, indem er seine Irrung öffentlich bereute: er nunmehr in seiner rabbinischen Würde rehabilitirt ist. — Während der Verhandlungen herrschte hier eine Aufregung, die jeder Beschreibung spottet. Möge Alles verschwiegen und vergessen bleiben. Es verdient aber hervorgehoben zu werden,'daß die anwesenden Rabbonim mit wahrer Selbstverleugnung ihres schweren Amtes walteten. Der Friede ist nun '"?n hergestellt nrci nr.a * oite D’ty hat diesbezüglich ein geistreicher mui p angewendet, bezugnehmend auf die Namen der zwei Rabbiner und des Vorstehers: ntro -pn Möge ihnen allen Friede, Güte und Segen beschieden sein. Amen. Es sei noch hinzugefllgt, daß die taktvolle Haltung des „Israelit" und die sachliche Beleuchtung der Situation sehr aufklärend gewirkt hat. Die ausführliche Darstellung sowohl wie die nachträgliche Beschwichtigung haben allseits nachhaltigen Eindruck gemacht. A e ti I I l e I o ii. .Ni. Von Wobert Zänkern. 122 - Erschöpft mußte die schwache Frqu innehalten; sie fühlte, daß. es nöthrg war, haushälterisch mit ihren letzten Athemzügen umzugehen. »Josef," fuhr sie nach einer kurzen Pause fort, „cs ahnt mir, daß ich in kurzer Zeit ausgerungen habe, daß ich bald vor dem Richtekthrone Gottes stehen werde. I Meine Eltern werden sich von mir, dem treulosen Kinde, abwenden-Josef, wende Du Dich nicht von mir, werde Jude, was Du von Geburt bist, sage Deiner armen Mutter Kaddisch nach, vielleicht wird dann mein Tod eine Sühne für mein verfehltes Leben sein, Josef, versprich es mir in die Hand, dann werde ich ruhig sterben können." Zitternd ergriff der Prior die beiden Hände der Mutter und flüsterte leise: ..Ich verspreche es Dir!" Da leuchtete das brechende Auge der Sterbenden noch einmal auf: „Dank, Josef!" flüsterte sie, und mit dem letzten Rest der schwindenden Kraft rief sie in heiliger Sprache: »Ich habe gefehlt, ich habe gesündigt, ich habe gefrevelt vor Dir! Höre Israel, Gott unser Gott, Gott ist einzig!" — Sie war Wbt. Wohl eine Stunde lang blieb der Prior noch bei der warmen Leiche des einzigen Wesens, das er noch auf Erden hatte, und machte seine Pläne für die Zukunft. Als er damit im Reinen war, öffnete er die verschlossene Thüre und theilte den in den Vorzimmern wartenden Bekannten und Freunden die Todesnachricht mit. Diese trösteten den Sohn mit dem Hinweis auf das Glück der Hingeschiedenen, die gewürdigt worden sei. von ihrem eigenen Kinde die Tröstungen der Religion zu erhalten. Nach der Beerdigung blieb der Prior noch einige Tage in der Heimath. um für die Regelung des Nachlasses seine Maßnahmen zu treffen. Dann reiste er in's Kloster zurück, ohne eine Silbe von seinem Entschluß mitzutheilen. Als er nach einigen Wochen von seinem Anwalt die Nachricht erhielt, daß das elterliche Haus verkauft und die wenigen Ausstände eingezogen seien, ließ er sich auf unbestimmte Zeit beurlauben, reiste in die Heimath, nahm den Nachlaß, der sich nur auf einige tausend Gulden belief, in Empfang und' fuhr von dort geraden Weges nach Kolomea. wo ein bedeutender Mann, Rabbi Hillel, als Rabbiner fungirte. Er hatte selbstredend vorher das geistliche Gewand abgelegt und kam als schlichter Mann zu dem gefeierten Rabbi. Diesem offenbarte sich der ehemalige Prior mit der Bitte, ihn in's Judenthum aufzunehmen. Der Rabbi bemerkte dem Bittsteller, daß seine Worte zwar den Eindruck voller Wahrheit machten, aber religionsgcsetzlich sei es nicht statthaft, ohne weiteres Jemande» in's Judenthum aufzunehmen, bis die Lauterkeit der Beweggründe, die zu diesem Schritte führten, über alle Zweifel festgestellt sei, er soll sich also auf einen. Aufenthalt von längerer Zeit in Kolomea einrichten. Er wies ihm einen Meister der Thorakunde an, der ihn mit dein jüdischen Religionsgesetz und allen Bräuchen bekannt machen sollte. Der Convertit warf sich mit seltener Hingebung auf das Schriftthum und wurde ein Jahr später, im 37. Jahre seines Lebens, in das Judenthum ausgenommen. Er verblieb noch ferner neun Jahre daselbst, dann aber wurde er eines Abends, als