Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1903)
- Date
- 1903-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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361 fcr Gemeindeleben einen Verlust, der schwer wieder zu ersetzen ist. Er war das Rückgrat unseres Gemeindekörpers. er gab ihm Halt und Festigkeit; daß die hiesiege Gemeinde dem überlieferten Judenthume erhalten blieb, ist zum größten Theile sein Verdienst. Von seiner großen Beliebtheit legte das Leichenbegängniß. an dem sich auch viele Nichtjuden betheiligten, beredtes Zeugniß ab. Am offenen Grabe sprach Herr Landrabbiner Dr. Gronemann. Möge der Allmächtige der Gattin und den Söhnen reichen Trost spenden. .Tsaun W. Nürnberg, 27. Febr. Die schon in Nr. 14 des „Israelit" erwähnte Regierungsentschließung wegen der Entfernung der beiden Lehrer jüdischen Glaubens von der hiesigen Volksschule, ist jetzt im Gemeindekollegium bekannt gegeben worden. Sie ist schon im Mai vorigen Jahres hier eingegangen und noch von dem ehemaligen Kultusminister v. Landmann, zentrumssreundlichen Angedenkens, unterzeichnet. Die Entschließung erklärt die Vermehrung israelitischer Lehrkräfte an den christlichen Volksschulen als grundsätzlich unzulässig, obgleich die Kreisregierung noch im Jahre 1901 eine Bestätigung ausgesprochen hatte. Die Entschließung beruft sich auf die „von der Theorie allgemein gebilligte Rechtsauffassung," auf die Entwicklung des Nürnberger Schulwesens, namentlich seit der Eingemeindung der Vororte, und auf ältere Ministerialentschließungen aus den Jahren 1873 und 1876. Was die Eingemeindung der Vororte mit der Beibehaltung oder Abberufung jüdischer Lehrer zu thun hat. das bleibt das Geheimniß des verflossenen Kultusministers, u. wenn er sich auf Verfügungen seiner Vorgänger aus den siebziger Jahren beruft, so ist daraus zu schließen, daß das bayerische Kultusministerium in dem letzten Vierteljahrhundert keine Kulturfortschritte gemacht hat. Herr v. Landmann macht den Vorschlag, die beiden Lehrer an den Mittelschulen zu verwenden. Warum sie dort unschädlicher sein würden, als an der I Volksschule, ist wiederum das Geheimniß des ehemaligen Kultusministers, das der beschränkte Unterthanenverstand nicht enträthseln kann. Stuttgart, im Febr. Dem Jahresbericht des „Vereins zur Unterstützung hiesiger und durchreisender israelitischer Armen" (1. November 1901 bis 31. Oktober 1902) entnehmen wir: Im abgelaufenen Rechnungsjahre waren wir, wie bisher, nach Kräften bemüht, den zahlreichen Unterstützungsgesuchen hiesiger und durchreisender israelitischer Armen gerecht zu werden. Mit dem Wachsthum unserer Gemeinde mehrt sich auch die Zahl derjenigen, welche unsere Hilfe in Anspruch nehmen; besonders häufig sind die Fälle, bei welchen es sich um eine vorübergehende Nothlage handelt, hervorgerufen durch Krankheit, mangelnden Verdienst u. s. w. Während in früheren Jahren unsere Ausgaben für Unterstützungen und Verabreichung von Brennmaterialien an Ortsarme ca. 2000 betrugen, haben wir im vergangenen Jahr für diese Zwecke gegen Mk. 3000 ausgegeben. Aehnlich verhielt es sich hinsichtlich der Unterstützung durchreisender israelitischer Armen; in den siebziger Jahren kamen ca. 300 Durchreisende an unsere Kaffe, während im Jahre 1902 ca. 1500. um Unterstützung nachgesucht haben. In Folge des Anschlusses der Nachbargemeinden Cannstadt. Eßlingen, Freudenthal, Ludwigsburg und Göppingen sind wir in der Lage, die einzelnen Gaben reichlicher bemessen zu können, dagegen bleiben die betreffenden Gemeinden von den Durchreisenden beinahe ganz verschont. Oesterreich. Wien, 23. Febr. Ein anmuthiges Sittenbild gibt die Ehe des Barons Hermann Königswarter, die von allen Zeitungen besprochen wird. Bekanntlich mußte sich derselbe trotz der Taufe und des Opfers von einer Million Gulden doch von seiner christlichen Gattin scheiden lassen. Noch zu Lebzeiten seines Vaters hatte der Sohn jener Dame sich versprochen, die er aber nur unter der Bedingung heirathen durfte, daß sie Jüdin werde. Sie trat auch zum Judenthum über und ist Baronin geworden. So lange der Vater lebte, zögerte der Sohn, ihn durch einen Glaubenswechsel zu kränken. Nach dem Tode des alten Barons aber fand man in seinem Testament eine Bestimmung, wonach der Sohn, „wenn er sich taufen lassen sollte," aus dem Nachlasse eine Million Gulden zu Gunsten wohlthätigek Zwecke zu zahlen habe. Thatsächlich bewdg die junge Baronin ihren noch immer verliebten Gatten, die Taufe zu nehmen. Der verstorbene Kardinal Schlauch vollzog den Taufakt des Barons und die Wiederbekehrung seiner zur Jüdin gewordenen Gattin. Baron Hermann Königswarter, zum Christenthum Lbergetreten, verlor die Million. Wie sehr ihm diese Ehe behagt, beweist folgende Meldung aus Großwardein: „Der hiesige kgl. Gerichtshof hat die Ehescheidung zwischen dem Baron Hermann Königswarter und Melanie Vlaskovich ausgesprochen. Melanie Vlaskovich erhält eine 4800 Joch umfassende Pußta und eine Jahres-Apanage vow 30,000 Kronen." Ungarn. Presrburg, 23. Febr. Durch das Ableben eines herooragenden jüdischen Gelehrten. Abraham Nick s. A., erlitt das orthodoxe Judenthüm einen sehr schweren, herben und unersetzlichen Verlust. Am 18. Februar hauchte er seine reine Seele aus. Der Verstorbene ist Verfasser vieler Werke, wie f-D ,-yoo tzni« ■we tzrnrr wodurch er in allen jüdischen Kreisen als Gelehrter bekannt wurde. Zweimal hatte er das heil.. Land aufgesucht, bereiste überhaupt den ganzen Orient, wobei er sehr viele nützliche, alte Manuskripte, Hand-