Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1903)
- Date
- 1903-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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358. Wie der erste Artikel eines Grundgesetzes bestimmt, welcher Regierung das Volk unterworfen ist, so lautet auch das erste Gebot: „Ich bin der Einzige*), der Ewige, dein Gott, der dich aus dem Lande Egypten, aus dem Sclavenhaus Herausgeführt hat." Rur Gott allein zu dienen, Ihn zu fürchten und zu verehren, ist die Aufgabe des Judenthums. Mit Seiner Gnade, bezeugt durch die Befreiung von dem egyptischen Selavendienst, kam er Seinem Volke zuvor, und was Er forderte, war nur dankbare Gegenliebe. Gottes Allmacht, die aus der ganzen Natur spricht, dürfen wir in ihr bewundern, doch alles, was Er geschaffen, nur als Seine Diener betrachten. Außer Gott, neben Gott gibt es nichts, das wir anbeten sollen. Wir sind Gehorsam schuldig der uns. Vorgesetzten weltlichen Macht, wenn dieselbe uns in dem Befolgen von Gottes Gesetzen nicht hemmt, wir müssen unseren Nächsten lieben und können Achtung hegen vor Denjenigen. welche sich durch Tugend, Kennt«iß und Wissenschaft auszeichnen; doch soll sich der Mensch in keinerlei Form und unter keinerlei Bild einen Abgott schaffen; das lehret uns das zweite Gebot, denn solches wird von Gott heinlgesuchk bis zum vierten Geschlecht bei denen, welche in der Missethat ihrer Väter beharren. Unendlich ist dagegen Gottes Gnade bei denen, welche Seine Gebote beobachten, und der Mn;tpn ivtris, welche Israel zu jeder Zeit schützte, haben wir cs zu verdanken, daß die Thora, der Lebensbaum, welcher von unseren Vorfahren genährt wurde, ewig Früchte bringt Allen, die sich daran halten, und beglücket, die ihn pflegen. Schmerzlich ist der Gedanke, wie leicht das dritte Gebot: „den Namen Gottes nicht zu mißbrauchen." übertreten wird. Kein Kind wird ohne Ehrfurcht den Namen seiner Eltern oder Lehrer ausspreckien, und doch geschieht solches häufig mit dem heiligen Namen Gottes. Jede Benennung, der Gottheit gegeben, in welcher Sprache auch, ist heilig, und darf nicht vergeblich von unseren Lippen kommen, denn auch dieses läßt Gott nicht ungestraft. Wenn wir in all unserem Thun und Denken von heiliger Scheu vor Gott geleitet werden, wird solches uns am meisten zum 2vn trnp führen. Den Lohn dafür bringt uns das vierte Gebot, der jw, der uns dn den wahren Zweck unseres Daseins erinnert: „Sei stets eingedenk des Ruhetages." d. h. vergiß nicht, daß Gott, der in sechs Tagen Himmel und Erde-— Alles geschaffen, dir einen Tag *) Das Wort cntfiäft die Zabl S1 als Potenz von mH, K mal N I, n mal n — 04. T mol i — 10. zusammen 81. Wir bemerken dabei, das; der Latz "zjr.rr "l lin Geaensal; von '1 ’:x C2*iV*K, was wir viele Male linden) nur selten und mebrerentheils in directer Beziehilug zu.der Erlösung ans Egypten in "p*' vortmirmt. woraus hervorgcbt. das; diese Ereignisse die Einheit Gottes der Welt k>nid gegeben. gegeben, um von. der Arbeit zu ruhen, denselben heilig zu halten und ihn Ihm zu widmen. Der Sabbat ist für den Juden der größte Segen. An diesem Tage entledigt sich der Erschöpfte von den Sorgen des Lebens, und find die Früchte seines Treibens oft gering, in seiner seligen Ruhe findet er einen Trost und eine Freude, welche für keine Schatze zu kaufen sind. Ohne den Schabos hat das Leben keinen Werth, keinen Zweck für ihn. Wenn das Kind beim Antritt des Ruhetages den Segen seiner frommen Eltern empfängt, und cs nach ihrem Beispiel, sowohl dieses Gebot, als auch alle übrigen Gesetze zu achten lernt, wird es gewiß ihre Liebe lohnen, und niemals das fünfte Gebot: „Ehre deinen Vater und deine Mutter," verletzen. Was die Eltern gethan, nach Gottes Wort zu leben, bleibt immer ein Erbtheil, das die'Kinder aufzubewahrcn verpflichtet sind, nbnp nans nsps xh rrx .msi -pr. Keine Zeit kann darin Aenderung bringen, und gerade dieses Gebot ist es, welches den Kindern den sofortigen Lohn verspricht, den Kindern ein langes Leben auf Erden verheißt. Handeln nun die fünf ersten Aussprüche des Dekalogs von den Pflichten, die wir gegen Gott, so enthalten die letzten fünf solche, die wir gegen Menschen zu beobachten haben. Nicht morden, nicht ehebrechen, nicht stehlen, kein falsches Zeugniß aussagen. sind Verbote, die das Kapitalverbrechen gegen die menschliche Gesellschaft verbieten, wofür die Strafen in den Gesetzbüchern aller zivilisirten Staaten verzeichnet sind; das zehnte Gebot aber: „Du sollst keine Begierde haben nach Allem, was Deinem Nächsten ist," wird man umsonst in einem andern Kodex, als dem der Thora suchen. In diesem Gebote offenbart sich ganz besonders die Liebe und die Weisheit der Mosaischen Gesetzgebung. Wenn schon der Gedanke, die Begierde nach dem, was nicht unser ist, als ein Hauptverbrechen gilt, ,so wird die schlechte T h a t sicherlich nicht erfolgen. Schließlich weist dieses Verbot darauf hin, daß wir Gott Dankbarkeit schulden für das, was Er uns gegeben, und wen gelüstet nach dem Besitze Anderer, der verschmähet dadurch die Gaben, mit denen Gott ihn beschenkt hat. Wie einst beim Manna, so ist es stets im Leben ■vcrfi nS •w’i'ccrr. Glücklich ist. wer mit dem, was er besitzt, zufrieden sein kann und niemals in seinen Gedanken nach fremdem Gut gelüstet, oder seine Hand legt an das, was seinem Nächsten ist; ein Solcher wird, wenn er beim Hinscheiden sein irdisches Theil in dieser Welt zurücklassen muß. hoffen dürfen auf das bessere Theil im Jenseits, auf zb? pbn 8271.