Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1903)
- Date
- 1903-11-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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bet Mutter, und nicht bet Pflege und Gesellschaft von Miethlingen überwiesen finb-bann c':a rrcn tow b? wvV X. Nomina sunt* odiosa. Die Antisemiten finb boch recht schlaue Leute; mit meisterhafter Geschicklichkeit haben sie' es verstanden, auf ihrem dieser Tage stattgefundenen Parteitage in Berlin der Welt tlarzulegen, wie alles verjudet ist, sogar — die Antisemiten. Die Juden haben nämlich den Gebrauch, wenn alles Andere schon ganz hoffnungslos darniederliegt, als letztes Mittel w die Namensänderung anzuwenden -— dasselbe versuchte die „Deutsch-soziale Reformpartei" als hauptsächlichste That an ihrem jüngsten Parteitag: „Und wenn die „Deutsch-soziale Reformpartei" zum Untergang bestimmt ist, die „Deutsche Reformpartei" möge gerettet werden." Merkwürdig, daß die Anti - semi - ten ein so großes Gewicht auf Namen legen, wo doch der Stammvater der Semiten (nach Rabb. Hirsch s. A.) der eigentliche Stammgeber war. Noch andere Aehnlichkeiten mit den Juden haben sich bei den Antisemiten am Berliner Parteitage gezeigt. — ttor “[co -ponnoi tdvio — Herr Liebermann von Sonnenberg auf der einen Seite, Herr Zimmermann auf der anderen streiten sich um den ach leider erst wieder in der nächsten Legislaturperiode erreichbaren Wahlkreis Marburg. Ich mochte eine Preisfrage stellen: Was ist die Aehnlichkeit und was ist der Unterschied zwischen Benjamin, dem Sohne Jakobs und dem Wahlkreis Marburg?! Benjamin war das jüngste Kind und :x p das Schmerzenskind (Gen. 35, 18) während der Wahlkreis Marburg zwar auch das „Schmerzenskind der Partei" ist. aber der erste, der die Ehre hatte, einen Antisemiten in den Reichstag zu entsenden. — Um aber wieder auf die Namen zurückzukommen, so möchten wir denn doch konstatiren, daß unsere Regierung gottlob wenig Aehnlichkeit mit der Pharaonischen hat. Unsere Weisen s. A. bezeichnen es nämlich als besonderes Verdienst unserer Väter in Aegypten, ccc jw w x'v daß sie ihren Namen nicht geändert, es scheinen also wenigstens Versuche dazu von Seiten des ägyptischen Staates gemacht worden zu sein. Hier in Deutschland ist es verkehrt. Es gibt Juden, die um alles in der Welt gern ihren jüdischen Namen auslöschrn möchten, und sei es mit Taufwasser. Nun ist aber in einem vom Ministerium des Innern ergangenen Erlasse festgestellt worden, daß „aus dem Uebertritt von Juden zum Christenthum kein Anlaß genommen werden darf, diesen in Bezug auf die Aenderung des Fammennamens ein Sonderrecht vor anderen Staatsangehörigen einzuraumen." Also außer der Nase muß jetzt auch der Name semitisch bleiben! Dieser Ministerialerlaß liefert einen beredten Commentar zu Berachot Fol. 7 a: "-orri "> icx? cn: «wi jb ruo xnpn brr pxc rrcr w -srr rt irteso wr afr :xip Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die Antisemiten ärgern sich, und in ihrem Aerger decken sie die Karten ihres Spiels auf. Anläßlich der Begnadigung Moritz Lewy's suchten sie für ihre antisemitischen Zwecke Kapital daraus zu schlagen, daß die im Interesse des Reichstagsabgeordneten Bruhn und des Redakteurs Dr. Bötticher eingereichten Gnadengesuche um Umwandlung der gegen sie erkannten Gefänguißstrafen von sechs Monaten bezw. einem Jahre in Festungshaft abschlägig beschieden wurden. Es bedarf wohl keines Wortes darüber, wie ungerechtfertigt diese „Erinnerung" ist. Mit demselben Rechte könnte ja jeder andere, dessen Gnadengesuch von der Krone abgewiesen wurde, sich dadurch beschwert erachten und die Flucht in die Öffentlichkeit ergreifen. Hoffentlich sind doch die Herren mit uns davon überzeugt, daß auf . die Entschließungen der Krone die Konfession des Bittstellers nicht von Einfluß ist. Was . soll dann also die Gegenüberstellung der zwei Entscheidungen? Und wo bleibt der Patriotismus der Erbpächter der Königstreue, die diesen bei jeder Gelegenheit aussvielen, während die von ihnen angegriffenen Juden ihn bei jeder Gelegenheit, ohne damit zu prunken, freudig bethätigen. Auch über den Ausfall des Prozesses, den der Pastor Krösell angestrengt, ärgern sie sich, obzwar sie es bei diesem Anlässe nicht zeigen. In jedem Falle war dieser Ausgang ein Pyrrhussieg. Denn Herr Krösell theilte unmittelbar darauf mit, daß er sein Pfarramt niedergelegt habe. Er begründete diesen Schritt damit, daß er zur politischen Arbeit ganz frei zu werden wünsche. Bekamltlich sind in dem von Krösell angestrengten Beleidigungsprozeß Mittheilungen in die Öffentlichkeit gelangt, die diesen während der Gerichtsverhandlung zu der Erklärung veranlaßten. er wisse nicht, ob er morgen noch im Amte sein werde. Er scheint also das Bedürfniß zur Freiheit für die politische Arbeit in einem sehr gelegenen Zeitpunkt empfunden und dadurch einer unfreiwilligen „Befreiung" vom Amte vorgebeugt zu haben. Im klebrigen ist schon an anderer Stelle treffend bemerkt worden, daß, wenn man mit dem Pastor Krösell bald