Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1903)
- Date
- 1903-11-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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uftinrftmrr ~ 44. Jahrgang. zu M 87 des „Is 66 Winterforgen eines Vaters. Unsere- Wintersaison hat schon begonnen, die. Hütten sind abgeschlagen und wir wohnen wieder im Haus und empfinden in der rauheren Jahreszeit das einzig Schöne, Trauliche der eigenen Häuslichkeit mehr denn je. Ist sie unser eigen? Sind nicht nur die paar Balken und Steine, die wir bewohnen, unser Eigenthum? Sind auch die Menschen, die darin wohnen, unser theuerstes Hab und Gut, unsere Kinder, sind sie auch unser eigen? Fühlen sie sich eins mit uns? Welchem jüdischen Vater und welch' jüdischer Matter, denen ihre Jüdischkeit noch nicht zur Phrase geworden ist, drängen sich diese bangen, schweren Fragen nicht auf? Wohl den Eltern, die ruhig sich diese Fragen bejahen können, die da wissen, daß ihre Kinder mit jüdischem Geiste denken, mit jüdischem Herzen fühlen. Aber welche Eltern wissen das sicher, heute in einer Zeit, die. jedem jungen Menschenkind jeden Lebensweg mit so vielen gähnenden Abgründen, so vielen lockenden Blumen — Giftblumen — umgibt. Ein Abrabam hatte einen Jischmoel, ein Isaak einen Esau, und wir müßten nicht auf Mittel sinnen, unsere Kinder zu erziehen? Und hätten wir sie heute zu ehrlichen. braven Menschen, zu guten Juden erzogen, werden sie es bleiben? Werden sie fa ">'22 o'Ura wie Pfeile, von Heldenhand losgeschnellt, immer dieselbe Richtung beibehalten? Und werden sie, wenn sich einmal die Angenpaare der Eltern für immer geschlossen haben, wirklich ein v222>v rr.to sein? In der That dürfte es in der Gegenwart keine Pflichterfüllung geben, welche in solchem Umfange den ganzen Ernst, die vollendesie Hingebung, die klarste Einsicht, die nimmer erschlaffende Wachsamkeit erfordert, wie die religiöse Erziehung. Da haben unsere Weisen s. A. uns einen Erziehungslanon gegeben, welchen des näheren zu betrachten wohl der Mühe werth sein dürfte: rrsn: '211 xt.t '21 s by ~>v;b yjn .T2 ",]) no ’jsns -Lx nm p.-nm ‘in'ijvpc icx „Erziehe das Kind nach Maßgabe seines Weges." N. Jehuda und R. Nechemja erklären dieses verschieden; der eine meint (die eigentliche Erziehung sei) von sechzehn bis zweiundzwanzig Jahre, der andere von achtzehn bis vierundzwanzig." (Kiduschin Fol. 30 n.) Es dürfte auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, wieso in dem '2Vi b'J *y:b T*:n gerade diese Zeitangabe ausgesprochen ist. Wir finden aber zu dem (N"2 jvrx-2) ' '.d-v". folgenden p'nv: «N. Lew! lehrt: Solange sie (Jakob und Esau) klein waren, gingen sie beide zusammen in die Schule, als sie aber groß wurden, zog der eine in's Bet Hamidrasch, der andere in den Götzentempel." Es ist gewiß von nicht zu unterschätzendem Werth, schon in zartester Kindheit die jungen Menschensprossen für ihre Lebensaufgabe zu erziehen, aberdie Vlüthen, die wir in des Kindes Brust gesetzt, verwelken gar leicht, und gar zweifelhaft ist das Aufsprießen einer Saat, wenn wir micht hüten und Pflegen unsere Kinder, wenn sie — keine Kinder mehr sind. Denn im werdenden Manne und dem werdenden Weibe zeigt sich erst die eigentliche Anlage, der eigentliche „Weg". Wo der Geist so frisch, das Herz so empfänglich, da, ihr Eltern, beginnt erst die Erziehungsaufgabe, da behaltet Eure Kinder bei Euch, und laßt sie Euch nicht rauben durch das Diktat der Mode und Sitte. Das Judenthum spricht nicht: laßt die Kleinen zu mir kommen, auf den Ernst, auf die bewußtvolle That der Erwachsenen wartet es, und in diesen Jahren des Großwerdens, ihr Eltern, liegt's in Eurer Hand, ob die Pulse, die so heiß pochen, für das Reine, Göttliche pochen, ob die Brust, die so frei sich hebt, von freudigem Stolze für's Judenthum schwillt, ob der Geist, der so rege forscht, zur Erkenntniß der Thora sich mühen soll. Und nicht Erzieher, Freunde sollt Ihr Eueren Kindern sein, „ttn *b bva auf seinem Wege sollt Ihr ihm entgegenkommen, es hat der Jüngling keinen treueren Freund, als den Vater, und die Jungfrau keinen verstandnißvolleren Busen, als den der Mutter. Und nimmer befehlet Euren Kindern, sie möchten kein Geheimniß vor Euch haben, sondern von selbst müssen sie es erkennen, daß die innigsten Freunde auf Erden die eigenen Eltern sind. Erkennen sie es aber nicht, und es stehen sich fremd des Vaters und des Sohnes, der Mutter und der Tochter Herzen gegenüber, dann klaget nicht die Kinder an, dann klaget Euch an ... . Wenn Ihr Liebe verlangt, so zeiget auch eigene, und nicht nur dem eigenen Kinde gegenüber, sondern legt das kalte, steife Mißtrauen des Alters ab und werdet mit Euern Kindern wieder jung und mißtraut keinem Menschen grundlos, denn nichts stößt also des Jünglings Seele ab, als dieser wettergraue, trübe. Pessimismus. Der Jüngling möchte eine Welt umarmen und wir Alten kommen jedem unbekannten Menschen.nu.r mit Vorsicht, wenn nicht mit Antipathie entgegen. Es ist hier sicher unser Schade nicht, wenn wir uns an unseren Kindern erziehen lassen . . ... ö*n‘ 's. .to Wenn wir so versuchen, dem Worte , unserer Weisen zu folgen: wenn 2'2v ew H'vvv T». wenn, wie Rb. Hirsch s. A. z. Z. treffend kommentirt. die Kinder die liebste Umgebung der Eltern sind, und aufblühen unter den Augen vom Vater und