Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1903)
- Date
- 1903-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m hier handelt, heißt: Maadane Melech. d. h. Leckerbissen für den König. Es wird nicht schwer fallen, schon in diesem Titel eine antimonarchische Tendenz zu finden. Das Buch ist selbstredend in hebräischer Sprache geschrieben, aber ich habe die betreffenden Stellen von zwei vereideten Prager Gelehrten in'-. Deutsche übersehen lassen. Als ich voriges Mal hier war, habe ich bereits den Kardinal Clesel in's Vertrauen gezogen, ihm den Text und die Uebersetzunaen vorgelegt und von ihm die bündigste Versicherung erhalten, das Material genüge vollkommen, um einen auf's Rad zu bringen." „Wenn Ihr den Kardinal Clesel auf Eurer Seite habt," bemerkte der Fürst, „dann habt Ihr allerdings einen wichtigen Stein im Brett." „Der Stein ist nicht so wichtig, als manche glauben. Kardinal Clesel versicherte, daß sein Einfluß auf den Kaiser nur ein sehr bedingter sei. Er habe wiederholt die Vertreibung der Juden aus allen Ländern des Kaisers befürwortet, habe aber in Wirklichkeit bei Sr. Majestät nichts als die sehr fragwürdige Einrichtung der Zwangspredigten erreicht, die bis jetzt noch keinen böhmischen Juden zum Christenthum bekehrt haben, aber den Juden viel Stoff zur Verspottung dieser christlichen Propaganda bieten. Dagegen habe auf den Kaiser dessen Beichtvater Pater Lämmermann einen großen Einfluß, und letzterer könne wiederum durch den Kardinal leicht für unsere Sache gewonnen werden." „Und wie denkt Ihr Euch, Herr Beck, den ganzen Gang der Sache?" fragte der Kanzler. „Zunächst unterbreitet also Ew. Hoheit die Petition der Prager Armen Sr. Majestät und sehen zu, möglichst bald den Kaiserlichen Erlaß zu veranlassen. Es wird sich bei diesem Anlaß schon auch Gelegenheit finden, den Nimbus des Rabbiners bei Sr. Majestät ein wenig zu dämpfen, und es wird gewiß dazu beitragen, wenn der Kaiser aufgeklärt wird, die Prophezeiung über die Erhaltung Prags sei nichts als ein Taschenspielerstückchen, das einem Gaukler besser austehe, als einem Rabbiner. Sobald Kgl. Hoheit gewahren, daß das Kaiserliche Mißtrauen rege ist, fo wird es Zeit sein, beim Kaiser die Anklage wegen Beschimpfung der Kirche und ihres Stifters auf Grund dieser Dokument; zu erheben. Kgl. Hoheit bitten Se. Majestät aber, die Angelegenheit erst durch eine Kommission prüfen zu lassen und schlagen Kardinal Clesel und Pater Lämmermann als Mitglieder für diese Kommission vor. Der Kardinal wird dann schon dafür sorgen, daß ein Cremium von gut- und gleichgesinnten Richtern Zusammentritt. Auf diese Weise ist der Prozeß gegen unfern Rabbiner fertig; was meinen Kgl. Hoheit dazu?" „Ich meine, Herr Beck, daß Ihr ein seiner Kops seid, der uns alle bis zum Kaiser hinauf nach seiner Pfeife tanzen läßt; ich meine ferner, daß ich nicht Ihr Rabbiner sein wollte, und meine endlich, daß die Sache so ihren guten Gang gehen kann und ich vollkommen zu Ihrer Verfügung stehe." Mit besten Dankesworten und Verbeugungen verabschiedete sich Beck vom Kanzler und fuhr, ohne sich in der Judenstadt blicken zu lassen, direkt nach Prag zurück. (Fortsetzung folgt.) Wochkn-Kalenöer. Freitag, 6. Nonember. 10. Cheschivan, Snliöst-Stufang in Mainz u. Frankfurt n. M- 4 Uhr 30 Min. Samstag, 7. November. 17. Cheschwan, .»n Sabbat-AuSgang in Mainz n. Frankfurt a. M. 5 Ubr -10 Min. — Berlin 5 Uhr 11 Min. — München 5 Ubr 20 Min. — Stuttgart 5 Uhr 35 Mim — Strahlung 5 Uhr -15 Min. — Posen 5 Ubr 00 Min. — Stettin 6 Uhr 06 Min. — Breslau 4 Uhr 50 Min. — Wien 5 Uhr 13 Min. — Paris 5 Uhr 10 Min — Prag 5 Uhr 15 Min. Montag, 0. November. 19. Cheschwan. n* D»r Israelit" erscheint Hvookentttol» zweimal, Montag» und Donnerstags, jedesmal in mindestens Zwei Bogen Preis pro Vierteljabr bei der Post 3 Mark ohne Besicttgeld. Ausland cntsp-cchcnd höher. Man abonn rt aanzjabilich, balbjäbrlich oder vierteljährlich Alle Buchhandlungen nnd P.-stämtcr nehmen Bestellungen a» - - - -- a*- - -j- «« *«? :u,if?ttf*rr 16 — 1'rl-rate2o PslNurg die vicrg. fpaltcne laucozusendul-g unter Streifband . jur's Ausland!6 Mark, an die Expedition'franco einsenden. Post.eitungsUste 3932. Telephon 1015. Stelleiuckende und sonstige Interessenten können ans Wunsch die jeden Dienstag und grcitag erscheinende »Kleine AuSgabe des ÄraettL" vicr Wochen laiia gratis und franco erhallen. Wünlckt man den Empscmg d-r .Kiemen Ausgabe" langer 3p?t ia fairn man fick kür 25 Pfennige das Piei iel jabr ind- B ausschließlich der der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren äuf aBuiifS ftttubf» wir deö InsertionöbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach I-' ■ Krlanauna einer solchen. Nuszland Berlin. Hamburg? Charloitcttburg. . ,. . Vellelrimlche DrUage: Der Jude. (Fortsetzung^ Verantwortliche Nedaction: OScar Druck und Verlag der Lehmann in Mainz. — Expedition des .Jsrarlit'. Schottstrahe Nr- 2. Mainz. Job. Wtctb'sLen Hofbuchdruckerei Aktien^ZeseMchakt in Makiu. Hierzu zwei Beilage».