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Der Israelit · 1903-11-02 · Heft 87 (2.11.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 87 (2.11.1903)
Date
1903-11-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hintergrund gedrängt durch die entscheidenden Vorgänge, welche endlich zu der Schlacht führten, die der nächsten Zukunft ihre ganze Signatur verlieh. In Folge des Kriegsrathes, der in der kaiserlichen Hofburg unter Vorsitz Ferdinands gehalten worden war, wurden die concentrirten feindlichen Truppen durch 90,000 Kaiserliche angegriffen und vollständig niedergeworfen; Herzog Friedrich und der Palatinus wurden aus dem Lande verjagt, Prag blieb unversehrt und der Sieg der kaiserlichen Truppen war ein so glänzender, daß er die kühnsten Erwartungen übertraf. Alle Maulwurfsarbeit gegen den Oberrabbiner schien eingestellt zu sein, wenigstens sah und hörte mau keine Spur davon. Es wäre diese Zeit auch die denkbar ungeeignetste gewesen, gegen einen Mann vorzugehen, der fast ein Jahr zuvor diesen glorreichen Ausgang vorherverkündet hatte und deßhalb jetzt mehr als sonst in aller Munde lebte. Aber die im Lände zersprengten feindlichen Detachements, sowie die über die böhmische Grenze gestoßenen Fähnlein der feindlichen Truppen sammelten sich im Laufe der nächsten Wochen wieder und beunruhigten fort und fort die Stadt und ihre nächste. Umgebung. Erwerb und Geschäft, Landwirthschaft und Handwerk mußten feiern, der Krieg verschlang Unsummen und die Kriegssteuern lasteten schwerer als je auf der Prager Gemeinde. Durch einen kaiserlichen Erlaß vom 27. Januar 3628 hatten die Juden in Prag die Judensteuern von Böhmen und Schlesien einzuziehen. Das war ein sehr lostspieliges Privilegium, da es in diesen trüben Zeiten schlechterdings unmöglich war, alle ausständigen Steuern einzutreiben. Den unvermeidlichen Ausfall mußte die Prager Judenschaft decken. Dieser ilmstand machte die Steucrfragen akuter, als je zuvor. Wieder setzte der Oberrabbiner mit guten und mit harten Worten seine ganze Autorität für eine gerechte Steuervertheilung ein, wiederum stieß er auf denselben Widerstand, wie zuvor. Aber diesmal hatte sich's Navbgel Beck geschworen, er laste sich's die Hälfte seines Vermögens kosten, wenn es ihm gelinge, mit welchen Mitteln auch immer, den Oberrabbiner in Ketten gefesselt aus Prag zu bringen. Acht Tage später treffen wir Deck wieder in Wien in Audienz beim Kanzler Fürsten Egqenberg. Als er dem Fürsten sein Anliegen auseinandergesetzt hatte, schloß er seine Darstellung mit der Versicherung, daß er noch 10,000 Dukaten, außer den bereits zugesagten. von der Schuld erlasse, wenn er mit Hilfe des Kanzlers seinen Willen durchsetze. „Herr Beck," cntgegnete der Kanzler, „ich stehe gewiß gerne zu Ihrer Verfügung, und der fürstliche Preis, den Ihr dafür aussetzt, zeigt mir, wie sehr Euch die Sache angelegen ist. Aber, Sie müssen mir doch um Himmelswillen Mittel und Wege angeben, die ich gegen Eueren Rabbiner anwenden soll; man führt doch einen gewöhnlichen Menschen nicht so ohne weiters in Ketten von Prag nach Wien, wenn absolut nichts anders gegen ihn vorliegt, als daß er ein redlicher Mann ist, wollte sagen, als daß er einen redlichen Mann, wie Ihr cs seid, in's Verderben stürzen will." „Selbstverständlich, Hoheit! Mein Feldzugsplan ist fertig, das Material habe ich hier in der Tasche, wir wollen jetzt alles zusammen durchsprechen; aber die Ausführung des Ganzen kann nur durch Ew. Hoheit geschehen." „Also laßt einmal hören, Herr Beck, wie Ihr Euch die Sache denkt." entgegnete der Kanzler. „Zunächst habe ich hier eine Supplik von fünfzig jüdischen armen Gemeindemitqliedern aus Prag, die sich dierekt an den Kaiser wendet, und sich darüber beschwert, daß der Rabbiner und die Aeltesten der Gemeinde die Armen ungerecht und mit rücksichtsloser Härte besteuern." . ^hr zählt wohl auch zu diesen Armen?" fragte lächelnd der Fürst. „Bewahre! Daß ich gegen unfern Rabbiner etwas habe, und was ich gegen ihn habe, darf außer Eurer Hoheit Niemand erfahren. Ewe. Hoheit müßte nur dafür sorgen, daß diese Petition dem Kaiser unterbreitet wird, und daß Se. Majestät an die Aeltesten und den Rabbiner von Prag eine direkte kaiserliche Aufforderung in diesem Sinne ergehen laßt.*) Damit ist das Vertrauen des Kaisers zu unserem Rabbiner erschüttert und der Weg für das Folgende geebnet." „Auf dieses Folgende wird es nun ankommcn, denn das Bisherige genügt noch nicht für einen Ring in der Kette, in der Ihr Euren Rabbiner nach Wien gebracht wünscht." „Gewiß, Hoheit, das eigentliche Cardinalver- % brechen, das ihn in den Augen Sr. Majestät des Kaisers vollkommen degradiren wird, hat unser Rabbiner durch seine Schriften begangen. In diesen hat ec das Christenthum, die Christen und vor allen den Stifter der christlichen Religion in unaussprechlicher Weise geschmäht und gelästert!" Der Fürst schnellte bei diesen Worten empor und fragteerregt: v' „Und das könnt Ihr beweisen?" ' Beck holte ein Fascikel Schriften aus seiner Seitentasche und hielt sie dem Kanzler mit den Worten hin: # „Hier habe ich den Beweis unanfechtbar in Händen. Das Werk unseres Rabbiners, um welches es sich *) Ein solcher kaiserlicher Erlaß ist in der Tbat ainLMai 1029 erfolgt. Derselbe ist in Wolfs «Ferdinand ii. u. bie Druden. S. 49. aogedrnckt unter dem Titel: «An die Eltesten und den Rabbiner zu Praq bei Bertheilung der steuern ' die Armen nicht zu bedrücken.

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